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Humboldt-Center mit Risiken und Nebenwirkungen

Der Stadtrat hat die Umbaupläne im einstigen toom-Markt durchgewinkt und das eigene Konzept aufgeweicht.

Von Mario Heinke

Der Stadtparlament hat das Verwaltungsverfahren zur Änderung der in den 1990er Jahren aufgestellten Pläne für das Humboldt-Center eingeleitet. Der Rewe-Center soll kleiner werden. Auf den freiwerdenden Flächen will der Betreiber des Humboldt-Centers einen Elektrofachmarkt mit 1 100 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie weitere Ladeneinheiten ansiedeln, die Sortimente führen, die eigentlich den Innenstadthändlern vorbehalten sind. Zudem darf die Schuhhandelskette Deichmann ihre Fläche verdoppeln. Zu den innenstadtrelevanten Sortimenten gehören Bekleidung, Sportartikel und Medizin. Der Besitzer hatte deshalb die Auflage, eine Analyse zu den Auswirkungen auf die Innenstadt anfertigen zu lassen. Die Wirkungsanalyse der CIMA Beratung+Management GmbH liegt nun vor.

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Zunächst sprechen die Verfasser der Analyse von offenen Umsatzpotenzialen, die es am Ort zu binden gelte. Allein im Bereich Elektro, Foto, Unterhaltungselektronik schlummere noch ein Umsatz von 4,8 Millionen Euro, der derzeit noch in andere Städte abfließe, so die Marktforscher. Die Umsatzverluste, die den etablierten Elektrohändlern durch einen neuen Elektrofachmarkt drohen, beziffern sie zwischen 25 und 32 Prozent. Davon betroffen sind Elektrohändler wie Elektro-Richert, EP Mertinke und Euronics XXL . Für die gesamte Innenstadt prognostizieren die Verfasser eine „moderate Verdrängungsquote“ von vier Prozent. Das zusätzliche Angebot an der Hochwaldstraße soll nach Ansicht der Analysten ohne schädliche Auswirkungen auf die bestehenden Läden im Zentrum bleiben. Die Verluste würden sich auf viele Einzelhändler in der Innenstadt verteilen, so die CIMA.

Weil in der Innenstadt keine Großflächen zur Verfügung stünden, müsse nach Alternativen an schon bestehenden Standorten gesucht werden, um weiteren Umsatzabfluss zu mindern, so die Berater. Dazu biete das Humboldt-Center die besten Voraussetzungen, lautet das Fazit.

Jochen Groß, Inhaber von Euronics XXL, kann es kaum glauben, dass die Stadträte dieser Analyse Glauben schenken. „Das anvisierte Umsatzziel von fast fünf Millionen Euro ist sehr anspruchsvoll für eine Region mit der niedrigsten Kaufkraft in Deutschland“, sagt Groß. Sein Elektrofachmarkt ist mit 1 300 Quadratmetern noch größer als der erwartete Wettbewerber, deshalb habe er kein Verständnis, dass die Räte die Neuansiedlung unterstützen. Zudem bezweifelt er, dass der neue Elektrofachmarkt seine Steuern in Zittau zahlen wird. Außerdem wundert sich Groß darüber, dass der Stadtrat sein Einzelhandelskonzept aufgibt, dass er 2008 selbst beschlossen hat.

Carola Kunick erfuhr jetzt, dass im Humboldt-Center ein 250 Quadratmeter großes Sportgeschäft angesiedelt werden soll. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Händler mit so einer kleinen Fläche in der bestehenden Wettbewerbssituation überleben will“, so die Intersport-Händlerin. Zittau habe bereits drei etablierte Sportartikelhändler, so Frau Kunick.

Stadtrat Matthias Böhm (Bündnis90/Grüne) bemängelte in der Stadtratssitzung die vorliegenden Pläne. Vor allem die Neuansiedlung einer Apotheke im Humboldt-Center stört ihn: „Wenn die Alten auch noch ihre Pillen dort bekommen, trinken sie auch keinen Kaffee mehr in der Innenstadt“.

Die Mehrheit des Stadtrates lobte jedoch den gefundenen Kompromiss mit dem Betreiber des Humboldt-Centers. Vor einem Jahr sah das noch ganz anders aus. Damals war die große Mehrheit im Stadtrat noch fest entschlossen, das geplante Fachmarktzentrum auf der Zittauer Neustadt vor der Konkurrenz am Stadtrand zu schützen. Was für den Investor, die AVW Immobilien AG galt, scheint nun für den bestehenden Einzelhandel nicht zu gelten, nachdem die Pläne zum Neubau des Einkaufs-Centers gescheitert sind. Anders lässt sich der jetzt gefundene Kompromiss nicht erklären. Der besteht darin, dass im Humboldt-Center kein großer Drogeriefachmarkt angesiedelt wird, so wie es ursprünglich vorgesehen war.

Die BBV Immobilienfonds Nr. 8 GmbH & Co. KG aus München will 4,5 Millionen Euro in den Umbau und die Modernisierung des Humboldt-Centers investieren.

Die Pläne liegen ab 18. Juni im Foyer des Rathauses aus. Bürger können dann bis zum 18. Juli ihre Einwände und Kritiken schriftlich vorbringen. Auf der Internetseite der Stadtverwaltung ist dazu ein Formular eingerichtet. Nach Ende der Beteiligungsfrist muss der Stadtrat den Umbauplänen endgültig zustimmen

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