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Hummel im Sturzflug

Andenken. Der Hersteller der weltbekannten Figuren ist in die Pleite geschlittert.

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Von Christoph Gahlau

Rödental. In den USA werden sie fast im selben Atemzug mit Deutschland in Verbindung gebracht wie Bier, Schloss Neuschwanstein oder das Oktoberfest: die Figuren der katholischen Ordensschwester Maria Innocentia Hummel. Sie stehen in so manchen Vitrinen älterer Herrschaften zwischen San Diego und Boston.

Doch am vergangenen Donnerstag hat der Hersteller der weltbekannten Hummel-Figuren wirtschaftlich eine kapitale Bruchlandung hingelegt: Die Goebel GmbH & Co. KG aus dem oberfränkischen Rödental bei Coburg hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag gestellt.

Unternehmenssprecher Matthias Dachwald beruhigt aber alle Freunde der Hummel-Figuren. „Der Geschäftsbetrieb wird uneingeschränkt weitergeführt“, betonte er. Das Unternehmen habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil eine Sanierung unumgänglich war. „Der Sanierungsplan ist ein Befreiungsschlag. Nur so wird Goebel wieder zügig an frühere Erfolge anknüpfen können“, sagte Geschäftsführer Claus-Peter Wahner. So sei geplant, den Vertrieb zu verstärken und das Engagement in Asien und Amerika auszubauen. Dort sitzen schließlich die treuesten Kunden – die aber auch nicht jünger werden. Außerdem müssten die Produktion gestrafft und Lagerkapazitäten abgebaut werden. 1935 hatten Franz Goebel und Eugen Stocke die Kinderzeichnung der niederbayerischen Franziskanerschwester Maria Innocentia Hummel entdeckt. Noch im selben Jahr wurden die ersten Hummel-Figuren auf der Leipziger Messe vorgestellt und zu einem anhaltenden Verkaufserfolg. 1988 beschäftigte das Unternehmen 1 450 Mitarbeiter. Heute sind es noch 550.

Vor allem in den Vereinigten Staaten fanden die Hummel-Figuren zahlreiche Anhänger. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs schickten Soldaten die liebevoll von Hand bemalten Figuren in ihre Heimat. Doch nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war die US-Kundschaft immer weniger bereit, Hummel-Figuren aus Deutschland zu kaufen.

Dieser Trend ist Unternehmenssprecher Dachwald zufolge aber gestoppt. In diesem Jahr stiegen die Umsätze in den USA wieder. Aber auch in Deutschland solle das Marketing verbessert werden. In einigen Kaufhaus-Filialen habe Goebel die Verkaufsfläche mitgestaltet, und es seien deutlich höhere Umsätze erzielt worden.

Für die nächsten drei Monate zahlt die Agentur für Arbeit zunächst alle Löhne und Gehälter. Danach soll das Unternehmen aus eigener Kraft weiter bestehen können. Die aufwendige Produktion der Hummel- Figuren solle auf keinen Fall ins Ausland verlagert werden. „Die werden bei uns in Rödental angemalt und nirgendwo sonst“, sagte Dachwald. (dpa/mit SZ)

www.goebel.de