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Humor im Gepäck

Als Lustiger Hubertus sorgt ein Kirschauer seit 20 Jahren bei Feiern für Stimmung. Ein Thema spart er dabei generell aus.

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© Robert Michalk

Von Katja Schäfer

Kirschau. Was haben gestrickte Wadenwärmer mit Bommeln dran mit einer Axt zu tun? Oder rote Glitzerherzchen am Stil mit einem Fernglas? Diese und etliche weitere Utensilien packt Hubertus Stöber in seinen schon leicht abgewetzten Alukoffer, wenn er zu einem Auftritt fährt. Mit wenigen Handgriffen machen sie aus dem Mann, der im Alltag für die Kirschauer Rettungswache Krankenwagen fährt, den Lustigen Hubertus, einen humorvollen Unterhalter. Seit 20 Jahren tritt er so bei Feiern und Festen auf. Mal vor den zehn Gästen eines Seniorengeburtstages, mal vor über 100 Besuchern eines Dorffestes.

Parodien und Alltagshumor sind die Spezialität des Kirschauers. Auf Wunsch erzählt er auch Witze, Gedichte und Geschichten in Oberlausitzer Mundart. Die Wadenwärmer und die Axt sowie einen Filzhut und einen Bart braucht er für den alten Holzmichel. „Der kommt nach wie vor bei Jung und Alt gut an, obwohl es schon so lange her ist, dass dieses Lied von den Randfichten ein Hit war“, sagt Hubertus Stöber. Er wundert sich ein bisschen darüber, spielt den Holzmichel aber voller Inbrunst zu Musik vom Band, wirft sich dafür sogar auf den Boden, wenn es dem Holzmichel schlecht geht. „Beim Refrain ,Ja, er lebt noch’ hält es die Leute meist nicht mehr auf den Stühlen. Oft schließt sich eine Polonaise an“, berichtet der Humorist.

Schwimmflossen zur Uniform

Auch die Löffel-Polka darf bei kaum einem Auftritt fehlen. Ebenso beliebt ist die Figur des NVA-Soldaten, für die Hubertus Stöber Schwimmflossen zur Uniform trägt und eine Kalaschnikow schultert. „Da bin ich schon manches Mal gefragt worden, ob die echt ist“, erzählt der 61-Jährige schmunzelnd. Ist sie natürlich nicht. – Für seine Auftritte hat Hubertus Stöber keinen festgelegten Ablauf. Deshalb ist es ihm am allerliebsten, wenn seine Auftraggeber ihm freie Hand bei der Gestaltung lassen. „Ich gucke mir das Publikum an und entscheide spontan, was ich mache. Nach 20 Jahren habe ich gut im Gefühl, was passt, was ankommt“, sagt der Lustige Hubertus. Trotzdem erlebt er manchmal auch einen Reinfall. „99 Auftritte sind toll, aber beim hundertsten geht das Publikum nicht mit, egal was du machst“, berichtet Hubertus Stöber und vermutet: „Vielleicht gab’s da vorher Streit.“ Doch das passiert äußerst selten. Am besten kommen bei seinen etwa anderthalbstündigen Auftritten Geschichten und Gags über Mann und Frau an. Aber auch andere Themen aus dem täglichen Leben gehen gut. Der Humor der Leute habe sich im Laufe der Jahre nicht verändert, konstatiert Hubertus Stöber. Gelacht werde immer noch über dieselben Dinge wie in seiner Anfangszeit als Humorist. Sein Programm muss er nicht ständig aktualisieren. „Denn Politik mache ich generell nicht“, sagt der Kirschauer. Neue Gags kommen dennoch immer wieder mal hinzu; meist entstehen sie aus eigenen Erlebnissen. „Das Einzige, wo ich mir ab und zu mal was abgucke, sind Karnevalssendungen“, berichtet Hubertus Stöber.

Neuer Bart für alten Spaß

Beruflich will er in anderthalb Jahren in Rente gehen. „Die Kollegen von der Rettungswache werden mir dann fehlen. Das ist wirklich eine tolle Truppe. Auf die lasse ich nichts kommen“, sagt er. Doch der Lustige Hubertus denkt noch nicht ans Aufhören. Im Gegenteil. „Wenn ich Rentner bin, kann ich mich richtig auf diese Sache konzentrieren. Solange es gesundheitlich geht und das Telefon noch klingelt, weil mich jemand buchen will, mache ich weiter“, kündigt der 61-Jährige an. Als Beweis dafür, dass er das ernst meint, zeigt er den neuen Holzmichel-Bart, den er sich gerade zugelegt hat. Behutsam streicht er über die grauen Zotteln, bevor er das Teil in den Utensilien-Koffer packt – Axt, Wadenwärmer und Autogramm-Karten.

www.lustiger-hubertus.de