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Tierarzt rettet Döbelner Blindenhund

Die Besitzerin glaubt, dass ein Hundehasser präparierte Köder ausgelegt hat. Für sie ergibt sich daraus eine Konsequenz.

Bilder aus besseren Tagen: Anke Mädler mit ihrem Blindenführhund Bobby. Der Labrador musste operiert werden, weil ein Nagel seine Magenwand durchbohrt hat.
Bilder aus besseren Tagen: Anke Mädler mit ihrem Blindenführhund Bobby. Der Labrador musste operiert werden, weil ein Nagel seine Magenwand durchbohrt hat. © Karsten Brandes

Döbeln. Anke Mädler ist normalerweise jeden Tag mit ihrem schwarzen Labrador Bobby draußen unterwegs. Der macht das beruflich. Der ausgebildete Blindenführhund hilft der 46-Jährigen, die nichts sehen kann, in ihrem Umfeld besser zurechtzukommen. Er zeigt ihr an, wenn ein Weg von der Straße abbiegt, er findet Türen und bleibt an der Bordsteinkante stehen. Aber jetzt ist Bobby krank. 

Ein Tierarzt hat ihm einen Nagel aus dem Magen geholt. Für Anke Mädler gibt es dafür nur eine Erklärung: Der Hund hat einen präparierten Köder gefressen. „Wie soll das sonst passiert sein? Er frisst ja keine Nägel“, sagte sie.

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 „Wir haben Anzeige gegen unbekannt gestellt“, sagte sie. Sie hat einen Verdacht, wer es getan haben könnte. Eine Person aus ihrer Nachbarschaft an der Albert-Schweitzer-Straße in Döbeln Nord, die durch entsprechende Äußerungen als Hundehasser aufgefallen ist. „Es wird aber sehr schwer sein, das zu beweisen.“

Bobby wurde immer schwächer

Ende Juni war Anke Mädler aufgefallen, dass etwas mit dem zehn Jahre alten Labrador nicht stimmt. „Er bekam Durchfall. Wir haben uns nichts dabei gedacht und ihn auf Diät gesetzt.“ Später gab sie den Hund zur Pflege zu ihren Eltern im Vogtland, weil sie zu einer Reha musste. 

Dort verschlimmerte sich der Zustand des Tieres. „Er hat nichts mehr gefressen und gesoffen und wurde immer schwächer.“ Ein Tierarzt fand die Ursache: Der Nagel hatte die Magenwand durchbohrt. Bobby ist operiert, aber noch nicht gesund, sagte Anke Mädler. 

Die Kosten, bisher um die 5.000 Euro, muss sie zum Glück nicht tragen. „Der Blindenhund gehört der Krankenkasse. Sie kommt auch für die Behandlungskosten auf.“ Bobby ist noch nicht wieder zurück in Döbeln. „Meine Eltern päppeln ihn auf.“

Zusammen mit Karsten Brandes hat die 46-Jährige eine Warnung bei Facebook eingestellt, in der sie Hundebesitzer vor präparierten Wurststücken warnt. Den Nagel hatte der Hund offensichtlich über Monate im Magen, ehe er die Magenwand perforierte. „Der Hund wird regelmäßig geröntgt, weil er einen Lungentumor hatte. Auf dem Bild von April ist der Nagel zu sehen“, sagte Anke Mädler.

Keine voreiligen Schlüsse

Die Döbelner Tierärztin Dr. Sabine Franz warnt davor, nur aus dem Vorhandensein eines Nagels im Magen voreilige Schlüsse zu ziehen. Es gebe nicht nur die Möglichkeit, dass so ein gefährliches Objekt über einen präparierten Köder in einen Hundemagen gelangt. „Ein Hund kann auch mal an einem Stück Holz kauen, in dem sich ein Nagel befindet.“ Es gebe Hunderassen, die alles fressen, was ihnen vor die Schnauze kommt, sagt sie.

Tierhasser gibt es, bestätigt die Tierärztin. Sie schießen mit Diabolos auf Tiere, stellen Fallen auf, schlagen Tiere oder fahren sie absichtlich mit dem Auto an. Von ausgelegten präparierten Ködern habe sie zwar schon gehört, aber vor allem in den Großstädten. In  Döbeln sei ihr ein solcher Fall noch nicht untergekommen.

Vergiftungen kämen auch in ihrer tierärztlichen Praxis vor. „Aber weit weniger, als die meisten vermuten werden“, sagte Sabine Franz. Und auch da gebe es viele Möglichkeiten, wie sich ein Hund vergiften kann. Das Rattengift, das er frisst, müsse nicht unbedingt vorsätzlich ausgelegt worden sein, um einem Hund zu schaden. Für den Menschen ganz harmlose Lebensmittel wie Macadamianüsse und Zwiebeln könnten bei einem Hund zu einer Vergiftung führen, sagte die Tierärztin.

Nagelköder sind selten

Auch für die Polizei sind präparierte Köder von Tierhassern die Ausnahme. Die Polizeidirektion Chemnitz bestätigte die Anzeige von Anke Mädler gegen unbekannt. Darüber hinaus seien ähnliche Fälle in der Region aber in der jüngeren Vergangenheit nicht angezeigt worden, so Doreen Göhler von der Pressestelle der Polizeidirektion.

 Im Chemnitzer Ortsteil Bernsdorf hatten Anfang November 2019 eine Reihe derartiger Fälle aufgeklärt werden können. Im Umfeld der Tatorte sei eine Tatverdächtige ermittelt worden, die dort mehrfach präparierte Fleischstücke ausgelegt hatte.

Die Polizei rät Hundebesitzern, draußen darauf zu achten, ob der Hund etwas und was er frisst. Eine gute Erziehung des Hundes sei von Vorteil, damit er bestenfalls nichts vom Boden aufnimmt oder auf Kommando das Gefundene wieder ausspuckt.

Anke Mädler hofft, dass ihr Labrador wieder gesund wird. Da sie nicht überwachen kann, was der Hund vom Boden aufnimmt, gibt es für sie nur eine Konsequenz. „Er wird sich daran gewöhnen müssen, draußen einen Maulkorb zu tragen.“

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