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Hundehaufen vergraulen die Kindergartenkinder

In Parks und auf Gehwegen muss man immer damit rechnen, doch nun macht sich die Plage auch noch am Radweg breit.

Von Annett Heyse

Wenn die Mädchen und Jungen von Wilsdruffs zwei Sonnenschein--Kitas mal raus in die Natur wollen, haben sie es nicht weit. Sie müssen nur aus dem Haus gehen, ein Stück den Struth- beziehungsweise den Landbergweg entlang, und schon sind sie am Stadtrand. Dort sind Felder, Wiesen, Büsche, Bäume und ein Radweg, der wochentags in den Vormittagsstunden kaum befahren ist. Das ideale Tobe- und Erkundungsterrain also. Doch mittlerweile haben manche Erzieher schon gar keine Lust mehr, die Kleinen dort nach Herzenslust die Natur erobern zu lassen. Denn immer mehr Hundedreck liegt rechts und links der Asphaltbahn.

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„Das ist absolut ekelig“, schimpft Kita-Chefin Doreen Kirmes. Eigentlich würde man gerne zum Rastplatz am Radweg Richtung Limbach gehen. Im Herbst hätten die Kinder dort Beeren an den Büschen gepflückt, jetzt seien die Frühlingsblumen sehr begehrt. Aber die Kothaufen, die sich im Gras verstecken, würden es allen verleiden. „Meistens merken wir das erst, wenn wir wieder drin sind. Dann stinkt es in der Garderobe“, berichtet Doreen Kirmes. Nicht nur das. Erfahrungsgemäß klebt das Zeug auch noch so fest an den Schuhsohlen, dass man ordentlich schrubben muss, um den Hundedreck wieder abzubekommen.

Probleme mit den Haufen – jede Kommune hat sie. Da macht Wilsdruff keine Ausnahme. Die Hinterlassenschaften der Vierbeiner liegen quer durchs Stadtgebiet verteilt auf Gehwegen und in Parkanlagen. Betroffen ist beispielsweise der Stadtpark. Auch in den Ortsteilen, dort besonders an Spazierwegen, die aus den Dörfern heraus führen, sind die Haufen eine Plage. Natürlich landen immer wieder entsprechende Beschwerdebriefe und Anrufe beim Wilsdruffer Ordnungsamt. „Die meisten Klagen kommen aus Wilsdruff und Kesselsdorf. Vor allem betrifft das die Grünanlagen“, sagt Bürgermeister Ralf Rother. Die Stadt habe etliche Hundetoiletten aufgestellt, beispielsweise auch im Stadtpark. Diese würden durchaus genutzt, aber eben nicht von allen.

Doch was soll man noch tun? Die Vollzugsbediensteten können nicht – und das dürfte jedem einleuchten – hinter den Gassi-Gehern herlaufen und jeden Hund samt Herrchen kontrollieren. Und wenn die Politesse doch unterwegs ist, passiert Erstaunliches: „Auf frischer Tat wurde noch kein Hundehalter erwischt. Sobald das Ordnungsamt in Sicht ist, kommt jeder seiner Pflicht nach“, berichtet der Bürgermeister.

Bis zu 1 000 Euro Geldstrafe

Denn offensichtlich weiß jedes Herrchen, dass die Haufen nicht nur unbeliebt und unhygienisch sind, sondern auch ein Nachspiel haben können. Wird jemand dabei erwischt, den Haufen das Hundes liegen zu lassen, drohen saftige Geldstrafen. Die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens kann mit bis zu 1 000 Euro zu Buche schlagen. Bei vorsätzlichen Zuwiderhandlungen können dann sogar bis zu 5 000 Euro zusammenkommen. Das Bewusstsein für mehr Sauberkeit sollte aber eigentlich nicht über Strafandrohungen zustande kommen. Es sollte selbstverständlich sein. Ist es aber nicht.

Und es sind bei Weitem nicht nur die einheimischen Herrchen und Frauchen, die ihren Hund von der Leine lassen und sich dann um nichts mehr kümmern. Viele Hundehalter kommen auch aus der weiteren Umgebung. Sie parken ihre Autos, oft welche mit Meißner oder Dresdner Kennzeichen, an den Dorfrändern und auf Feldwegen, machen die Tür auf und schicken ihre Hunde zum Toben in die Fluren. Zurück bleiben dann die stinkenden Haufen der vierbeinigen Ausflügler.

„Das ist eine Sauerei. Wir können doch die Windeln der kleinsten Kinder auch nicht einfach irgendwo liegen lassen“, argumentiert Kita-Chefin Kirmes. Selbst die Größeren dürfen sich nicht einfach hinter den Busch hocken, wenn sie mal müssen. „Da müssen wir uns auch kümmern. Das erwarte ich auch von Hundehaltern.“ Schließlich geht es hier nicht nur um die Schuhe der Kinder. Der Radweg ist auch bei Spaziergängern beliebt. Noch.