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Wüste Schlägerei nach Hundeklaps

Ein Hundebesitzer in Niesky machte sich Sorgen um seine Tochter. Da traf er auf drei betrunkene Jugendliche. Eine Begegnung der prügelnden Art.

Symbolbild
Symbolbild © dpa

Von Jost Schmidtchen

Wüst geprügelt hatten sich drei Männer und ein Hundehalter am 14. September gegen Mitternacht auf dem Zinzendorfplatz in Niesky und angrenzenden Straßen. Die Jugendlichen im Alter von 20, 18 und 16 Jahren gerieten dort mit dem 40-Jährigen aneinander. Der Hundehalter war unterwegs, weil er sich Sorgen um seine Tochter gemacht hatte, die nicht pünktlich nach Hause zurückkam.

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Weil sein Hund am Rande des Platzes nicht so recht parieren wollte, bekam er einen Klaps auf den Hintern. Das sahen die drei betrunkenen Angeklagten und meinten, da einschreiten zu müssen. Sie verfolgten ihr Opfer, zunächst wurde der Hundehalter in der Muskauer Straße geschlagen, dann bei seiner versuchten Flucht zur Friseurkreuzung verfolgt, dort ging das Schlagen und Treten weiter und zuletzt auf dem Zinzendorfplatz. Zwei vorbeikommende Passanten, die nicht ermittelt werden konnten, halfen dem Geschädigten und der schleppte sich zum Polizeirevier, wo er 0.50 Uhr eintraf.

Geschädigter war völlig blutverschmiert

Er wurde erheblich am Mund verletzt und erlitt Schwellungen im Gesicht. Der Polizeibeamte sagte als Zeuge bei der jetzigen Gerichtsverhandlung aus, das Gesicht des Geschädigten sei völlig blutverschmiert gewesen und er habe sich mehrfach übergeben müssen. Eine Polizeistreife begab sich gleichzeitig zum Ort des Geschehens und traf dort andere Jugendliche, die die nun drei Angeklagten namentlich benennen konnten. Diese wurden von zu Hause abgeholt. Die Kleidung des 16-Jährigen war blutverschmiert und sie stammten vom Hundehalter, wie im Nachhinein medizinisch nachgewiesen wurde.

Wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung saßen die drei nun im Amtsgericht Weißwasser vor der Jugendrichterin auf der Anklagebank. Zum Sachverhalt äußerten sie sich alle drei. Der 20-Jährige hatte zudem noch eine zweite Anklage am Hals. Er ist inzwischen von Niesky nach Weißwasser umgezogen. Deshalb hatte er seinen Personalausweis zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt vor dem 30. Januar 2020 selbst mit der neuen Adresse versehen. Bei einer zufälligen Polizeikontrolle im März 2020 fiel den Beamten die Urkundenfälschung auf. Doch zurück zur Schlägerei.

15-Jähriger zettelte die Prügelei an

Hauptanstifter war nach Aussage des Hauptzeugen der damals 15-Jährige. Den sammelte später die Polizei hinter einer Hecke auf und nahm einen Alkoholtest vor. Der ergab 1,02 Promille. Die beiden anderen Angeklagten waren ebenfalls nicht mehr nüchtern.

Der Zeuge mit dem Hund äußerte sich zum Tathergang: Die drei Angeklagten hätten wegen des Hundeklapses keine Ruhe gegeben, pöbelten ihn an, schließlich kam es zu Schubsereien und Rangeleien und zuletzt zum brutalen Schlagen und Treten - bis zum schon beschriebenen Ende.

Dem Vertreter der Jugendgerichtshilfe waren die drei Angeklagten bekannt. Der 20-Jährige ist seit 2014 schon vier Mal vorbestraft, so wegen gefährlicher Körperverletzung, sexuellem Missbrauch, Eindringen in fremde Lebensbereiche sowie Handel und Erwerb von Drogen.

Wegen Auffälligkeitserscheinungen wechselte er mehrfach die Schulen und bekam einen Erziehungsbeistand. Immerhin kann er auf einen erfolgreichen Lehrabschluss verweisen, ist aktuell aber arbeitslos und hat erhebliche Reifeverzögerungen. Der 18-Jährige kann auf gute schulische Leistungen verweisen, eine Empfehlung an das Gymnasium stand er aber nicht durch und kehrte nach zweieinhalb Jahren zur Oberschule zurück. Nun strebt er den Realschulabschluss an. Er war der einzige, der sich schon tags nach dem Vorfall beim Geschädigten persönlich entschuldigte. Dieser nahm die Entschuldigung auch an.

Richterin folgte Empfehlung des Staatsanwaltes

Der 16-Jährige steht seit fünf Jahren unter Vormundschaft und lebt laut Gerichtsbeschluss bei seinem Großvater. Die Jugendgerichtshilfe hatte ihn bereits weggeschickt, weil er sich dort nicht kooperativ gezeigt hatte. Er verfügt über keinen Schulabschluss und hatte mehrfach den Unterricht geschwänzt. Nun will er den Hauptschulabschluss nachholen. Zudem befindet er sich in der Suchtberatung.

Jugendrichterin Sybille Adamsky folgte bei ihrem Urteil den Empfehlungen der Jugendgerichtshilfe und des Staatsanwaltes nach Verwarnungen und damit verbundenen Auflagen zu gemeinnütziger Arbeit. Die Anzahl der Arbeitsstunden schraubte die Jugendrichterin allerdings über die Anträge hinaus nach oben. Der 20-Jährige muss 80 Stunden arbeiten, der 18-Jährige 60 Stunden und der 16-Jährige 40 Stunden und das innerhalb der bevorstehenden Schulferien. 

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