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Hundert Bauleute wollen Denkmäler beschützen

Handwerker wollen am Sonntag die historischen Gebäude der Innenstadt schützen. Sie fürchten, dass Chaoten siebeschädigen könnten.

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Von Alexander Schneider

Rechts- und Linksextreme haben für das Wochenende mehrere Demonstrationen angekündigt. Davor graut Dresdner Handwerkern gewaltig. „Der 13. Februar ist zuerst ein Tag des Gedenkens und Erinnerns. Dieser Tag ist aber auch ein Symbol dafür, was in dieser Stadt alles wieder entstanden ist“, sagt Rainer Brüsch, Zimmermann und Chef einer Baufirma. „Das wollen wir uns nicht von Chaoten kaputt machen lassen.“

Noch heute ist der Handwerker entsetzt, wie Ende November 100 linke Autonome durch die Innenstadt gestürmt sind. Sie kehrten an dem Sonnabendnachmittag mit der S-Bahn von einer Anti-Nazi-Demo in Pirna zurück. Plötzlich stürmten sie aus dem Hauptbahnhof über die Prager Straße Richtung Striezelmarkt. Auf dem Weg dahin warfen sie zahlreiche Schaufensterscheiben ein, trampelten den Zaun der Baustelle auf der Prager Straße nieder, demolierten Bagger und anderes schwere Gerät. Auf der Baustelle fanden sie viele Steine, die sie gegen Fensterfronten warfen.

Brüsch hält es für einen Skandal, dass die Polizei vor kurzem die Ermittlungen gegen diese Chaoten einstellte. „So etwas darf nicht wieder passieren“, sagt er. Am Sonntag rechnen Brüsch und Kollegen mit ähnlichen Randalen. Zahlreiche Extremisten – „linke wie rechte“ – nutzten den Jahrestag der Zerstörung Dresden aus, um nicht nur ihre hohlen politischen Parolen zu verbreiten, sondern auch um den politischen Gegner zu attackieren. Brüsch – er hat etwa das Dach des Schlosses gedeckt – fürchtet, dass dabei auch so manches Baudenkmal Schaden nehmen könnte. Um das zu verhindern, hat er vergangene Woche viel telefoniert: Er mobilisierte Arbeitskollegen, Mitarbeiter und Kumpel aller Gewerke, damit sie am Sonntag vor Ort sind – mehr als 100 Bauleute, Dachdecker, Zimmermänner, Maurer, Fliesenleger, Gerüstbauer wollen dabei sein.

„Wir sind keine Bürgerwehr, und wir sind auch nicht politisch“, sagt etwa Dachdecker Jens Meschke. „Aber wir werden uns dazwischen stellen, falls etwas passiert.“ Sie seien in der Innenstadt verteilt, könnten sich schnell informieren, um dort zu sein, wo es Ärger gibt. „Wir werden maximal den einen oder anderen Chaoten festhalten und der Polizei übergeben“, sagt Brüsch. „Wir wollen dafür sorgen, dass die Ermittlungen dieses Mal nicht wieder eingestellt werden.“