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Hunderte Anzeigen gegen Dresdner Schulschwänzer

Warum die Eltern oft nicht unschuldig sind und wie teuer das Fernbleiben werden kann. 

Handy statt Schule: Zwei Schulschwänzer in Dresden.
Handy statt Schule: Zwei Schulschwänzer in Dresden. © Symbolfoto: Marion Doering

Erst sind es nur wenige Tage, dann Wochen und schließlich gehen einige von ihnen gar nicht mehr zur Schule. Die Zahl der Schulschwänzer in Dresden steigt. Allein in diesem Jahr gibt es laut Stadt schon 590 Anzeigen gegen die Säumigen. 2018 waren es 763 Anzeigen und 2017 rund 750. Darunter können laut Ordnungsamt auch einzelne Wiederholungstäter sein. Das gleiche Bild zeichnet auch das sächsische Kultusministerium. Gab es im Schuljahr 2014/15 noch rund 4 868 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Fernbleibens vom Unterricht, waren es im Schuljahr 2017/18 schon 6 972. Ein großer Anstieg. Was steckt hinter diesen Zahlen? Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was sind die Ursachen für das Schuleschwänzen?

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Unterscheiden muss man zwischen Schwänzen und Verweigern. Die Schüler, die einfach „keine Lust“ auf Schule haben, sind in der Unterzahl. Viel größer ist die Zahl derer, die die Mediziner als Schulverweigerer einstufen. „Die Kinder haben teilweise Depressionen oder Schulangst, aber auch die zunehmende Zahl der Mobbingfälle fällt da mit hinein“, sagt Andreas Lachnit, Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am städtischen Klinikum. Er bietet eine stationäre Therapie für die Betroffenen an, die acht Betten sind immer voll. „Die Anfragen steigen“, sagt der Mediziner. Weitere Ursachen seien der immer größere Leistungsdruck, den Eltern und Schule ausüben und daraus resultierende Versagensängste. Oft spielt laut Schulverwaltungsamt aber auch die Einstellung der Eltern zur Schule eine Rolle. Teilweise fehle es an einer Vorbildfunktion in der Familie. Der Stellenwert von Bildung würde genauso wenig vermittelt wie ein strukturierter Tagesablauf. „Die Eltern zeigen Desinteresse oder sind überfordert“, so Stadtsprecher Karl Schuricht. Die Jugendlichen würden ihre Grenzen austesten und provozieren, ohne die Konsequenzen zu bedenken, oder sie haben andere Interessen, die ihnen wichtiger sind.

Welche Schulformen sind besonders betroffen?

Schaut man in die Statistik des Kultusministeriums für Dresden, zeichnet sich eine klare Tendenz ab. Während 2018 nur 12 Anzeigen Schüler am Gymnasium betrafen, sind es ganze 278 für Schüler aus den Berufsschulen, dicht gefolgt von den Oberschülern mit 256 Kindern.

Gibt es den typischen „Schwänzer“ überhaupt?

Während die Statistik eindeutig die meisten Verweigerer zwei Schultypen zuordnet, sieht das Mediziner Lachnit differenzierter. „Den typischen Schwänzer gibt es nicht, es sind alle Schularten vertreten und genauso viele Jungs wie Mädchen. Die Schwänzer kommen aus allen sozialen Schichten.“

Wie hoch sind die Strafen für die Familien?

In Dresden gibt es einen Regelsatz pro gefehltem Schultag, der sich nach der Schulart richtet. Dieser reicht von 20 Euro pro Tag in der Grundschule, über 15 Euro in der Oberschule und dem Gymnasium bis zu 50 Euro, wenn die Schule nur an einem Tag in der Woche besucht werden muss, wie in der Berufsschule. Die maximale Summe für einen Bußgeldbescheid beträgt 250 Euro. Wenn nicht gezahlt wird, droht im schlimmsten Fall ein Arrest.

Welche Hilfsangebote gibt es für die Jugendlichen?

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Die Jugendgerichtshilfe wird einbezogen, wenn der Bußgeldbescheid nicht bezahlt wurde. Um einen Arrest zu vermeiden, müssen die Jugendlichen ab 14 Jahren dabei mitarbeiten. Neben sozialpädagogischen Einzelgesprächen gibt es Angebote der Stadt gegen Schulabstinenz, die etwa drei Wochen dauern. Der freie Träger Treberhilfe bietet mit seiner Straßenschule am Albertplatz die Chance, einen Abschluss nachzuholen.

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