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Radebeul

Hunderte Bierfässer, die keiner austrinkt

Bei Flack & Schwier Radebeul ist der Umsatz um 90 Prozent eingebrochen. Die Mitarbeiter hoffen auf Lockerungen.

Unzählige Fässer stapeln sich in den Regalen beim Getränkegroßhändler Flack & Schwier in Radebeul-Naundorf.
Unzählige Fässer stapeln sich in den Regalen beim Getränkegroßhändler Flack & Schwier in Radebeul-Naundorf. © Arvid Müller

Radebeul. Seit fast 120 Jahren kämpfen sie gegen den Durst – die Radebeuler Getränkegroßhändler Flack & Schwier. Doch so ausgebremst wie jetzt wurden sie noch nie. Logistikleiter Olaf Zach setzt sich demonstrativ vor die bis zur Decke gefüllten Regale mit Bierfässern. Unzählige Liter, die ansonsten jetzt in Biergärten und Gasträumen durch die Kehlen rinnen würden.Würden, denn Bier vom Fass darf derzeit nicht ausgeschenkt werden. Olaf Zach: „Wir haben noch Glück. Radeberger, unser Lieferant, nimmt das Bier mit dem abgelaufenen Verfallsdatum zurück.“ Sonst würde es wirtschaftlich ein Riesenproblem, auf den Fässern buchstäblich sitzen zu bleiben.

Kaum Lieferungen an Gastronomie

Getränkelieferung ist mittlerweile auch ein Just-in-time-Geschäft, wie das neudeutsch heißt. Zwei Tage, bevor ein Wirt eine bestimmte Menge braucht, bestellt er. Dann wird es geliefert. In normalen Zeiten rücken so sieben bis acht Lastzüge in der Niederwarthaer Straße im Westen Radebeuls an, um die Regale aufzufüllen. Jetzt sind es ein bis zwei, sagt der Logistikchef.

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Dabei wird offenbar von Limonade über Wasser bis zum Bier gar nicht so viel weniger getrunken. Nur eben nicht in der Gastronomie. „Die Leute kaufen jetzt mehr im Supermarkt ein. Manche auch in den lokalen Betrieben des Getränkehandels“, erkennt Olaf Zach beim Blick auf die Statistik. Um zehn bis zwölf Prozent verkaufen die Getränkehändler derzeit wegen Corona und zu Hause konsumieren mehr.

Nur noch sechs Mitarbeiter an Bord

Er und seine Frau Birgit Zach sowie Bruder Uwe Zach haben in den letzten 30 Jahren den Getränkegroßhandel in Radebeul-Naundorf aufgebaut. Ein moderens Logistikunternehmen ist daraus gewachsen - 480 Kunden beziehen von Flack & Schwier ihre Getränke. In Corona-Zeiten sind neun Zehntel davon ausgefallen.

Von den 45 Mitarbeitern, die üblicherweise als Fahrer und Mitarbeiter im Lager sowie in der Verwaltung beschäftigt sind, bleiben derzeit gerade mal sechs an Bord. Was noch beliefert werden kann, sind lediglich die Getränkemärkte und Tankstellen. Das Kurzarbeitergeld für die auf Abruf wartenden Mitarbeiter wird auf 80 Prozent aufgestockt. Da hilft der neue Besitzer, die Radeberger Gruppe, an die die Zachs ihr Unternehmen – ausgenommen die Immobilie – im vorigen Jahr verkauft haben.

Fast vollständig still steht die Flotte beim Getränkegroßhändler. Nur an zwei Tagen die Woche wird ausgeliefert - weil die Gaststätten zu sind.
Fast vollständig still steht die Flotte beim Getränkegroßhändler. Nur an zwei Tagen die Woche wird ausgeliefert - weil die Gaststätten zu sind. © Arvid Müller

Geleitet wird der Getränkegroßhandel nach wie vor und in bewährter Weise von den Zachs mit Geschäftsführerin Birgit Zach. Ihren eigenen Getränkehandel bewirtschaften sie ja bekanntermaßen auf der Hoflößnitzstraße in Radebeul-Mitte.

Was derzeit in den Gaststätten am Fenster verkauft wird, wiege in keinem Fall die Ausfälle auf, sagt Olaf Zach. Auch die üblichen Großveranstaltungen wie das Karl-May-Fest in Radebeul, das Dixieland-Festival in Dresden – dort ist Flack & Schwier alleiniger Lieferant – und das große Dresdner Stadtfest schlagen als Ausfälle heftig ins Kontor.

Hoffen auf Wiedereröffnungen

Die Zachs und ihre Mitarbeiter saugen derzeit jede Zeile auf, die aus Regierungsverlautbarungen kommt und in denen etwas zur Lockerung im Gastgewerbe steht. Sie hoffen sehr, dass im Mai die Restaurants wieder bewirten dürfen – mit Abstand und Hygienemöglichkeiten, wie es eben notwendig ist. Zumindest aber in den Biergärten. Olaf Zach: „Wir würden es gut finden, wenn in diesem Jahr Freiflächenplätze nicht von der Stadt berechnet werden.“ Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) hatte dazu bereits Entgegenkommen signalisiert.

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