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Mundschutz: Tausende Dresdner stehen Schlange

Dresdens OB verteilte in der Krise Corona-Masken, und Massen kommen, um sich den kostenlosen Schutz abzuholen. Es setzt Kritik und Unverständnis.

Der OB verteilte Schutzstücke und viele Dresdner strömten heran, um sich die kostenlose Maske abzuholen.
Der OB verteilte Schutzstücke und viele Dresdner strömten heran, um sich die kostenlose Maske abzuholen. © Andreas Weller

Dresden. Vor dem Rathaus werden am Montagvormittag Mundschutz-Masken verteilt. Tausende Dresdner, auch viele Senioren, stellen sich an. Manche schon ab 9.30 Uhr.  Die Schlange erstreckt sich rund um das Rathaus, zieht sich bis zum Pirnaischen Platz und zeitweise bis auf die Wilsdruffer Straße. 

Heftige Kritik kommt dafür unter anderem von Grünen-Stadtrat Michael Schmelich. Er spricht von einem "Masken-Desaster". Die Gefahr der Ansteckung sei viel zu hoch in dieser Warteschlange. SPD-Stadtrat Richard Kaniewski twittert: "Die Bereitstellung  und Versorgung mit Masken ist gut. Die Nutzung von Mund-Nasen-Schutz zur Verhinderung der Ausbreitung des Virus auch. Doch aus gesundheitspolitischen Erwägungen ist das eine völlig absurde Nummer. Hauptsache PR um jeden Preis."

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Diese Verteilung von Gratismasken müsse kritisch ausgewertet werden, denn der Ansturm birge die Gefahr der Verbreitung von Covid19, so auch Grünen-Fraktionschefin Tina Siebeneicher. Hilbert sollte eine dezentrale Verteilung organisieren, etwa über die Stadtbezirke, fordert sie.

Auch Linken-Fraktionschef  André Schollbach zeigt sich wütend: „Seit vielen Wochen sind die Menschen drastischen Einschränkungen und vielen Entbehrungen ausgesetzt. Und jetzt verursacht Oberbürgermeister Hilbert mit seinem Drang zur Selbstinszenierung einen erheblichen Menschenauflauf mit langen Schlangen und einigem Gedränge."

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Die Bundesregierung hatte das Tragen von Schutzmasken dringend empfohlen. „Dass der Freistaat Sachsen dieser Empfehlung folgt und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung verpflichtend festlegt, ist eine sehr gute und mutige Entscheidung. Ich unterstütze diese Maßnahme ausdrücklich und habe deshalb 200 000 textile Mund-Nasen-Bedeckungen organisiert, die wir den Dresdnerinnen und Dresdnern zur Verfügung stellen“, so Oberbürgermeister Dirk Hilbert.  Jeder Dresdner, der keine eigene Möglichkeit sehe, sich eine Mund-Nasen-Bedeckung zu besorgen, werde eine Maske erhalten.

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Vor Ort argumentiert  Hilbert am Montag, die Verordnung zum Mundschutz sei sehr kurzfristig gekommen, daher gebe es diese Verteil-Aktion. Mit mehr Vorlauf hätte er das anders organisiert. "Wir helfen den Land, seine Verordnung durchzusetzen. Ich hätte eine Woche mehr Zeit gelassen, bis die Pflicht zum Tragen von Mundschutz gilt."

Eva Jähnigen organisiert die Verteilung. Sie sagt, es gehe nicht anders, als die Leute Schlange stehen zu lassen. Sie habe den Auftrag am Wochenende bekommen, die Leute am Sonntag eingewiesen. Es gebe keinen dezentralen Verteilungsplan. Dafür sei aber nicht sie zuständig, sondern der Verwaltungsstab, so die Umweltbürgermeisterin (Grüne). Jähnigen hofft, dass sich das bald ändert, damit nicht alle hierher müssen. Allerdings bekomme man das mit dem Abstand ganz gut hin. 

Nach rund zwei Stunden ist die Schlange, die sich über mehr als einen Kilometer rund um das Rathaus erstreckte abgebaut. 

Trotz des anfänglich hohem Andrang lief die Ausgabe der Masken kontrolliert und zügig, so die Stadt. Zur Unterstützung und Koordinierung halfen Bedienstete der Dresdner Polizeibehörde und des Polizeivollzugsdienstes rund um das Rathaus. So konnten bis zum frühen Nachmittag bereits knapp über 15 000 Masken an dieDresdner ausgegeben werden. Oberbürgermeister Dirk Hilbert: „Ich freue mich, dass das Angebot der Dresdner Verwaltung so gut angenommen wird. Dies zeigt uns deutlich, dass die Dresdner Bürgerschaft die Wichtigkeit der gegenseitigen Rücksichtnahme und Solidarität verinnerlicht hat." Das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen könne dabei helfen, die Verbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen. Man arbeite intensiv daran, in den kommenden Tagen weitere Mund-Nasen-Bedeckungen für die Dresdner kostenfrei bereitzustellen. Wie die Verteilung dann möglicherweise dezentral über die Stadtbezirksämter erfolgen kann, werde die Stadt rechtzeitig kommunizieren. 

Einen Kommentar vom lokalen Chefreporter Andreas Weller lesen Sie hier: "Dresdner Corona-Irrsinn".

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