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Hunderte Polen hoffen auf kostenlose Wohnungen und Arbeit

Medienberichte über das Görlitzer Willkommenspaket ließen die Telefondrähte bei den östlichen Nachbarn heiß laufen.

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Von Katarzyna Wilk, Pawel Sosnowski, Katrin Schröder

Drei Monate lang keine Miete zahlen für eine der vielen verfügbaren und gut sanierten Wohnungen in gepflegten Häusern, dazu kostenlos mit Bussen und Straßenbahnen fahren und all dies direkt an der Grenze zu Polen: Dass dieses Görlitz ein guter Ort zum Leben sein muss, ging landesweit durch die polnischen Medien.

Allerdings vermeldeten die meisten auch, dass es nicht nur Geschenke, sondern auch Bedingungen gibt, die erfüllt werden müssen, so der Abschluss eines Mietvertrages über 18 Monate zum Beispiel. Doch das scheinen viele überlesen zu haben.

Zahlreiche Polen hofften aufgrund der Medienberichte auf Arbeit und kostenloses Wohnen in Görlitz. Anrufe gingen aus den unterschiedlichen Teilen des Landes ein. Die Leute klingelten auch in der Stadtverwaltung Zgorzelec an. Dort gab zum Beispiel eine Frau aus Krakau bekannt, dass sie endlich ihren Platz auf Erden gefunden habe. „Sie sagte, dass sie zwei Kinder und eine kleine Wohnung habe, deshalb würde sie gerne nach Görlitz ziehen“, berichtet der Zgorzelecer Bürgermeister Rafal Gronicz.

Die Anrufer erkundigten sich nach den Lebensbedingungen und den Kosten im Ausland. Die Mitarbeiter schickten sie zur Wohnungsbaugesellschaft (WBG), doch ansonsten halten sich die Görlitzer Nachbarn bedeckt, was die Werbeaktion angeht. Ohnehin, sagt Bürgermeister Gronicz, könne sich nicht jeder einen Umzug nach Görlitz leisten, denn die Kosten seien höher als in Polen. Wer in Görlitz wohnt und in Zgorzelec arbeitet, müsste ein für polnische Verhältnisse vergleichsweise hohes Familieneinkommen von rund 5000 Zloty (knapp 1200 Euro) vorweisen können. Eine so gut bezahlte Arbeit ist auf der polnischen Seite der Neiße nicht leicht zu finden. In den Zgorzelecer Geschäften beträgt das Einkommen im Schnitt 1500 Zloty (knapp 360 Euro) auf die Hand. Bessere Einkommen –- im Schnitt etwa 4000 Zloty (rund 960 Euro) – bekommen die Mitarbeiter von Grube und Kraftwerk Turow. Entsprechend soll wohl unter den Anrufern das Interesse an einer Arbeit in Görlitz größer gewesen sein als das an einer Wohnung.

Alle Hände voll zu tun hat derzeit Dorota Chuderska, die bei der Görlitzer WBG für den Kontakt mit den polnischen Kunden zuständig ist. Sie nahm Hunderte von Telefonanrufen entgegen und antwortete auf Dutzende Mails. Die Vorteile des Willkommenspaketes könne aber nur der in Anspruch nehmen, der auch die Bedingungen dafür erfüllt. Dazu gehört auch ein Mindesteinkommen von 1000 Euro. Das habe man so an die Medien weitergegeben, sagt Dorota Chuderska – auch an die polnischen.

Polen sind auch schon vor dem Willkommenspaket nach Görlitz gezogen, so Magdalena Jamkowy, die seit sieben Jahren mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Görlitz wohnt. „Die Wohnungen hier haben einen besseren Standard als in Zgorzelec, die Stadt ist gepflegt und schöner“, sagt sie. Magdalena Jamkowy führt hier einen Kosmetiksalon, die Einkünfte daraus ermöglichen ihr ein auskömmliches Leben. Nach Zgorzelec, woher sie stammt, will sie nicht mehr zurück.