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Hunderte Einsätze in Dresdner Flüchtlingsheimen

Immer wieder müssen Polizeibeamte in Dresdner Heime ausrücken. Warum es dort so häufig zu Konflikten kommt und weshalb auch Wachleute kritisiert werden.

Die Flüchtlinge fliehen vor Krieg und Hunger aus ihrer Heimat.
Die Flüchtlinge fliehen vor Krieg und Hunger aus ihrer Heimat. © dpa

Schlägereien oder Streit mit dem Wachschutz, aber auch Diebstähle und Abschiebungen: In den Erstaufnahmeeinrichtungen in Dresden gibt es oft Ärger. Dort werden die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Dresden untergebracht, bis klar ist, wie es mit ihnen weitergeht. Was Sie zum Thema wissen sollten: 

Wie viele Straftaten gab es 2019 in den Dresdner Flüchtlingsheimen?

Auf der Hamburger Straße gab es von Anfang des Jahres bis Mitte Dezember 2019 insgesamt 268 Polizeieinsätze, auf der Bremer Straße waren es 102. Darunter Körperverletzungen, Diebstähle und Drogendelikte. Meist handele es sich jedoch um Einsätze zur Gefahrenabwehr, Ermittlungen gegen Bewohner der Einrichtungen oder auch Abschiebungen, sagt Polizeisprecher Stefan Grohme. 

Nach vielen Konflikten unter Geflüchteten und Wachleuten wurde 2018 schließlich das Sicherheitskonzept eingeführt. Es wurde mehr Wachpersonal eingeteilt, es gibt eine teilweise Videoüberwachung in den Gemeinschaftsbereichen, auch die Zusammenarbeit mit den Sozialarbeitern wurde verbessert.

Wie viele Konflikte zwischen den Flüchtlingen und den Mitarbeitern des Wachdienstes gab es 2019?

Von Flüchtlingen und den Initiativen gibt es immer wieder Kritik an der Arbeitsweise der Wachleute. Die Landesdirektion sagt: "Zu Anzahl und Art derartiger Konflikte erfolgen keine statistischen Erhebungen." Bei einem Verstoß gegen die Hausordnung könnten nach Prüfung durch den Betreiber verschiedene Sanktionen ausgesprochen werden. Man versuche es jedoch vor allem mit  Aufklärungs- und Deeskalationsgesprächen, so Sprecher Ingolf Ulrich. Hierbei könne der Wachdienst zur Unterstützung hinzugezogen werden. 

Immer wieder wird kritisiert, dass die Wachleute die Räume der Asylbewerber durchsuchen. "Die Möglichkeit, Räume von innen zu verschließen, ist teilweise vorhanden", so Ulrich. Je nach Anlass dürfe man diese allerdings auch von außen öffnen. Ausschlaggebend dafür sei die Notwendigkeit, die Hausordnung durchzusetzen, Konflikte zu entschärfen und die Bewohner zu schützen.

Hat der Wachdienst uneingeschränkt Zugang zu den Zimmern und den Duschen?

Nein, sagt die Landesdirektion. Das vom Freistaat Sachsen beauftragte Wachschutzunternehmen darf die Zimmer, Duschen und sanitären Einrichtungen der Asylbewerber nur nach Aufforderung durch Mitarbeiter des Betreibers und auch nur in deren Begleitung betreten.

Warum kommt es immer wieder zu Gewalt und Straftaten in den Heimen?

In den Einrichtungen leben auch Flüchtlinge mit hoher krimineller Energie. Doch es gibt noch mehr, das  für Frust und Ärger bei den Menschen sorgt. Die aufgestauten  Emotionen entladen sich dann in Konflikten. Eine Ursache etwa sind die langen Zeiten, die die Flüchtlinge in den Heimen leben müssen. Fast 40 Prozent der Asylbewerber fallen unter die sogenannte Wohnpflichtverordnung, das ergab eine Anfrage von Linken-Abgeordneter Juliane Nagel.  Laut dieser dürfen Flüchtlinge bis zu 24 Monate in den Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht werden.

Auch Mark Gärtner vom Flüchtlingsrat sieht in der Art der Unterbringung Konfliktpotenzial. Die Sammelunterkünfte seien nicht geeignet. Die Menschen müssten schnell in Wohnungen untergebracht werden. Über Monate zusammen in einem Zimmer mit Menschen aus anderen Nationen zu leben, würde Streit um kulturelle Unterschiede, Essenszeiten oder die Ordnung in den Wohnräumen provozieren. 

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Auch Pro Asyl bemängelt die fehlende Privatsphäre. Denn auf der  Hamburger Straße sind die Zimmer der Menschen nicht abschließbar. Selbst die Duschen können nicht verschlossen werden. Vor den Frauen-Duschen stehen daher zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, damit ausschließlich Frauen Zutritt zu den Sanitärräumen erhalten können. Nur die Toiletten sind von innen verschließbar.

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