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Hundertjährige singt mit ihren Gästen Weihnachtslieder

Helene Geyer wurde gestern 100. Sie lebt noch in ihrer eigenen Wohnung. Dort war am Jubeltag eine Menge los.

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Von Romy Kühr

Die Türklingel steht einfach nicht still. Schon wieder kommt jemand. Freunde, Bekannte, Verwandte, Pflegerinnen – alle wollen Helene Geyer zum 100.Geburtstag gratulieren. „Oje, da kommt noch jemand“, schnauft die Ebersbacherin in ihrem Sessel. Schon am Vormittag ist sie ganz geschafft von dem Trubel. Bei all der Aufregung freut sie sich schon auf ihren Mittagsschlaf. Aber sie freut sich sehr, dass so viele Menschen an sie denken.

Besonders groß ist die Freude, als ihre Nichte aus Leipzig mit der Familie eintrifft. Birgit Fischer ist die Tochter ihres großen Bruders. Gemeinsam mit Mann und Tochter bringt sie der Jubilarin ein Ständchen. Und die singt gerne und textsicher mit. Weihnachtslieder sind heute dran. „Musik hat immer eine große Rolle gespielt in ihrem Leben“, berichtet Birgit Fischer. „Sie ist viel zu Konzerten gefahren.“

Zu Hause noch mobil

Neben der Musik war Sport in früheren Jahren eine große Leidenschaft von Helene Geyer, erzählen ihre Verwandten. Sie turnte und ging für ihr Leben gern schwimmen. „Und jeden Sommer waren sie auf Hiddensee – jahrzehntelang. Das liebt sie sehr. Zu ihrem 99.hat sie gesagt: „Wollen wir nicht wieder nach Hiddensee fahren“, erzählt Nichte Birgit Fischer.

Früher war Helene Geyer dort mit ihrem zweiten Ehemann, den sie in den 1980er Jahren geheiratet hatte. Er ist in der Zwischenzeit ebenfalls verstorben. Ihr erster Mann war im Krieg geblieben. Helene Geyer blieb kinderlos. Trotzdem hat sie viele liebe Menschen um sich. Ihre Stiefkinder wohnen zwar weiter weg, haben aber engen Kontakt zu ihr. Die Schwestern vom mobilen Johanniter-Pflegedienst betreuen Helene Geyer in ihrer eigenen Wohnung, sie kommen mehrmals am Tag. Und eine ehrenamtliche Helferin steht ihr zur Seite, kümmert sich liebevoll um die alte Dame. „Die Geli ist eine Perle“, sagt Helene Geyer.

Zum Geburtstag sind auch Freundinnen aus dem Ort gekommen. Die Frauen sind früher gemeinsam gewandert und viel gereist. „Mit dem Reisebus waren wir in der Schweiz, in Südtirol, in Paris“, berichten die Freundinnen. Helene Geyer sei aber auch viel allein unterwegs gewesen. „Und wir gemeinsam haben die ganze Oberlausitz bewandert. „Im Gegensat zu ihr, sind wir aber noch junge Hüpfer“, scherzen sie. „Wir sind erst 85.“ Auch Helene Geyer war schon über 80 als sie nach der Wende zu reisen begann. „Sie war lange rüstig und mobil“, erzählen die Feundinnen. Jetzt kann Helene Geyer aber nicht mehr nach draußen, zu sehr strengt sie das Laufen an. Mit ihrem Rollator ist sie aber in der Wohnung noch mobil.

2004 kam sie nach einem Krankenhausaufenthalt kurzzeitig sogar ins Pflegeheim. Die Johanniter-Schwestern kümmerten sich aber darum, dass sie wieder in ihre Wohnung zurückkam und betreuen sie seitdem.

Helene Geyers Familie stammt aus Ebersbach. Sie waren zu Hause fünf Geschwister. „Sie ist aber die einzige, die noch lebt“, berichtet ihre Nichte. Gearbeitet hat Helene Geyer früher in der Ebersbacher Kiwa, im Büro.