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Hundertjähriger Gruß

Bei Straßenbauarbeiten in Hörnitz wurde eine Flasche mit historischem Inhalt gefunden. Die Fundstücke sollen nun einen Ehrenplatz bekommen.

© privat

Von Mario Sefrin

Mit solch einem Fund hatte niemand gerechnet – weder die Straßenbauer noch die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung. Sonst wären die Bauarbeiter sicher vorsichtiger gewesen, als sie sich für einen neuen Straßendurchlass auf der Bertsdorfer Straße in Hörnitz mit dem Bagger ans Werk machten. Denn bei ihren Arbeiten stießen die Bauarbeiter auf eine Flasche mit geschichtsträchtigem Inhalt. „Die Flasche selbst ist dabei zwar kaputtgegangen, der Inhalt aber konnte gerettet werden“, freut sich Günther Ohmann, der Bürgermeister von Bertsdorf Hörnitz. In der Flasche enthalten waren zwei handgeschriebene Zettel sowie Geldscheine aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

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Die „Flaschenpost“, wie Ohmann den Fund nennt, war samt ihrem Inhalt bei der Erneuerung der kleinen Brücke für den Mittelbach, die sich seit dem 18. Jahrhundert an dieser Stelle befindet, zu Tage befördert worden. „Auf einen Zettel waren damals die Namen des Baumeisters und der am Bau beteiligten Arbeiter geschrieben worden. Außerdem ist der Lohnbetrag für die Arbeiter auf diesem Zettel vermerkt“, sagt Bürgermeister Günther Ohmann. Auf dem anderen Zettel wiederum wurde unter anderem für die Nachwelt festgehalten, dass für den Bau 150 Tonnen Zement und drei Kubikmeter Sand gebraucht wurden. Das Ganze sei vergleichbar mit den Kartuschen, wie sie üblicherweise bei Grundsteinlegungen im Boden versenkt werden.

Daneben fanden sich aber auch Geldscheine in der Flasche – im damaligen Gegenwert von über 1,5 Milliarden Mark. Eine Summe, welche die kleine Gemeinde Bertsdorf-Hörnitz heute gern ihr Eigen nennen würde. Doch Günther Ohmann weiß, dass die vorliegenden Scheine seine Gemeinde nicht von der aktuellen Finanzschwäche befreien können. „Bei den Scheinen handelt es sich um Notgeld oder auch Inflationsscheine aus der damaligen Zeit“, erzählt der Bürgermeister. Die Geldscheine hatten schon damals einen nur geringen Wert – für die heutige Zeit haben sie dagegen nur noch eine ideelle Bedeutung. Doch gerade über diese Bedeutung kann sich der Bertsdorf-Hörnitzer Bürgermeister aufrichtig freuen: „Der Inhalt der Flaschenpost gehört zur Geschichte unserer Gemeinde“, sagt Günter Ohmann. Darum sollen die Fundstücke auch für die Nachwelt einen besonderen Platz bekommen. „Wir wollen den Fund in einer Vitrine im Dorfgemeinschaftshaus in Bertsdorf der Öffentlichkeit präsentieren“, so Ohmann.

Die Bauarbeiten an der Bertsdorfer Straße in Hörnitz sind noch nicht ganz beendet. Künftige Generationen müssen bei erforderlichen Bauarbeiten aber keine Rücksicht mehr nehmen: Im neu gebauten Straßendurchlass wurde nämlich keine Flaschenpost für die Nachwelt versenkt.