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Pirna

Hustenschutz statt Fußball

Auch Andreas Freudenberg kann seinem Hobby nicht nachgehen. Die Corona-Krise macht den Heidenauer Unternehmer aber erfinderisch.

Produziert jetzt für Arztpraxen: Andreas Freudenberg.  Foto: Marko Förster
Produziert jetzt für Arztpraxen: Andreas Freudenberg. Foto: Marko Förster © Marko Förster

Die Heidenauer Glaserei Freudenberg ist geöffnet. Nahezu klischeehaft steht neben dem Eingang eine Wohnraumtür mit einer zersplitterten Scheibe. Andreas Freudenberg schneidet gerade einige Glasscheiben zu. „Reparaturen gibt es trotz der Corona-Krise weiterhin. Und wir haben quasi eine Marktlücke entdeckt“, erklärt der 50-Jährige Inhaber des Unternehmens und zeigt auf ein gläsernes Exponat: „Das ist ein sogenannter Hustenschutz. Bereits mehrere Arztpraxen haben so etwas bei mir bestellt. Es verhindert den direkten Kontakt zwischen dem Patienten und der Schwester in der Anmeldung.“ Aber auch Freudenberg kommt nicht umhin, über Einbußen in dieser Zeit zu reden: „Natürlich bleiben auch Aufträge weg. Schulen beispielsweise oder die Stadt verschieben geplante Renovierungen erst einmal. Aber da muss man eben durch.“

Der Fußball ist für den Trainer des Kreisoberliga-Fünften LSV Gorknitz indes in weite Ferne gerückt. „Momentan kann man nichts machen. Ich weiß, dass viele der Jungs sich zu Hause fit halten. Sie unternehmen Dauerläufe in der Natur oder haben daheim Fitnessgeräte.“

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An eine Fortsetzung der nach dem 14. Spieltag unterbrochenen Saison glaubt Freudenberg nicht mehr: „Wann sollten denn die restlichen zwölf Spieltage absolviert werden? Noch weiß keiner, wann es überhaupt weitergeht. In der Woche zu spielen macht in unserer achten Liga keinen Sinn. Viele Spieler arbeiten oder studieren auswärts.“

Eine Lösung scheint schwierig. Soll diese Saison nun annulliert werden oder zählt der momentane Tabellenstand? „Von jedem Verein im Spielbetrieb müsste ein Vertreter zu einer Konferenz eingeladen werden und dann muss es eine Abstimmung geben. Es wird die unterschiedlichsten Argumente geben. Einer wäre gern aufgestiegen, der andere hätte sich noch vor dem Abstieg gerettet. Sehr schwierig.“ Freudenberg sieht aber auch eine immense Motivationsarbeit auf die Übungsleiter zukommen: „Wir hatten die Winterpause hinter uns. Dann kam die Vorbereitung auf die Rückrunde. Mit Testspielen und verschiedenen Trainingseinheiten haben sich die Jungs für die kommenden Aufgaben eingeschossen. Jeder war motiviert. Dann wurde eine Partie gespielt und nun ist wieder Ruhe. Da muss man echt aufpassen, dass man nicht in ein sportliches Loch fällt.“

Den Optimismus nicht verloren

Vor der Corona-Krise gehörte der Fußball zum Alltag dazu. Mindestens zweimal in der Woche war Training angesagt, am Sonnabend oder Sonntag ging es zum Punktspiel. Jacqueline Freudenberg, Ehefrau des Gorknitzer Trainers, findet die neue Freizeit ihres Gatten seltsam: „Irgendwie fehlt uns beiden etwas. Mir auch, denn ich bin schon gern mit auf den Fußballplatz gegangen. Der Tagesablauf am Wochenende ist zurzeit ungewöhnlich.“

Darüber gibt es natürlich verschiedene Meinungen. „Es kann auch sein, dass sich der eine oder andere an die längere Zeit mit der Familie, mit den Kindern, gewöhnt“, sagt Andreas Freudenberg. „Vielleicht auch Trainer, die sich dann hinterfragen: Muss ich mir das überhaupt noch antun? Wir sind schließlich alle ehrenamtlich tätig. Spieler, die ohnehin ihre Laufbahn beenden wollten, machen Schluss. Andere haben sich hobbymäßig weiterorientiert.“

Auf solche negativen Effekte möchte Freudenberg gern verzichten. Seine Mannschaft spielte eine starke Saison. „Wir waren auch für die Rückrunde guten Mutes. Mehrere Spieler kamen nach Verletzungen wieder“. Noch unklar ist allerdings die sportliche Zukunft von Nick Freudenberg. Der Sohn von Andreas laboriert an einer langwierigen Verletzung.

Aber Andreas Freudenberg behält seinen Optimismus: „Wichtig wird für uns alle sein, dass wir diese schwierige Zeit gesund überstehen. Irgendwann muss sich alles normalisieren. Vielleicht kann jeder für sich etwas herunterfahren, findet Zeit, über vieles nachzudenken. Und derjenige, der beim Fußball mit Herzen dabei ist, wird auch wieder den Weg in den Verein finden und wird mit den Füßen scharren, dass es bald wieder losgeht.“

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