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Mehr Müll durch Corona-Vorschriften

Gesichtsmasken, Desinfektions- und Einweghandtücher, Essen aus der Assiette - alles Dinge, die jetzt zusätzlichen Abfall erzeugen. Lässt sich das vermeiden?

Eine achtlos weggeworfene Mund-Nasen-Bedeckung. Diese gehört in die Hausmülltonne.
Eine achtlos weggeworfene Mund-Nasen-Bedeckung. Diese gehört in die Hausmülltonne. © Daniel Schäfer

Das Müllaufkommen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist im ersten Halbjahr 2020 leicht angestiegen. Das geht aus einer Anfrage von Sächsische.de hervor. Wie Ilka Knigge von der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Oberes Elbtal mitteilt, ist die Abfallmenge im Vergleichszeitraum zum Vorjahr 2019 um 0,7 Prozent gestiegen. 

Dabei haben vor allem die Privathaushalte im ersten Halbjahr 2020 mit 0,4 Prozent mehr Abfall als im ersten Halbjahr 2019 weggeworfen. Gewerbetreibende und öffentliche Einrichtungen hingegen haben bis einschließlich Juni 0,6 Prozent weniger Müll entsorgt, so der zuständige Zweckverband. Das lässt sich leicht erklären, denn viele Menschen waren plötzlich mehrere Wochen zu Hause und in den Firmen ging nichts mehr. Doch warum fiel insgesamt mehr Müll an?

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Von Januar bis einschließlich Juni sind 30.040 Tonnen Abfall durch den Zweckverband Oberes Elbtal (ZOE) registriert worden. Im Vorjahreszeitraum waren es 29.830 Tonnen. Der ZOE ist seit der Kreisgebietsreform zwischen 1994 und 1996 für beiden Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zuständig. Die Entsorgung von Verkaufsverpackungen mit dem Grünen Punkt falle dabei nicht in den Aufgabenbereich des Zweckverbandes, so Ilka Knigge. Federführend sei dafür das Duale System Deutschland, welches dafür Entsorgungsunternehmen beauftrage.

Jedes Kind nutzt täglich mindestens fünf Papierhandtücher

Ein Grund dafür sind die Hygienemaßnahmen, die die Verbreitung des Coronavirus eindämmen sollen. Zum Beispiel führt in den Kindergärten der erste Weg der Kleinen in die Waschräume. Es heißt Händewaschen. Abtrocknen müssen sich die Kinder vielerorts mit Papierhandtüchern. So ist es derzeit auch in zwei der kommunalen Einrichtungen in Bannewitz, sagt der Fachbereichsleiter der Gemeinde, Heiko Wersig auf Anfrage von Sächsische.de. 

"Unsere Kita Bannewitz und die Krippe Boderitz sind wegen der Hygienebestimmungen durch die Corona-Krise auf diese Variante umgestiegen. Nur die Kitas Possendorf und Hänichen benutzen weiter Stoffhandtücher. Dort wird aber jeden Tag gewaschen", erklärt er. Die Horte in Bannewitz und Possendorf würden wie früher  Papierhandtücher benutzen, aber auch dort sei der Bedarf wegen der verschärften Hygieneregeln gestiegen, sagt Wersig.

Waschen sich die Kinder beim Betreten des Kindergartens die Hände, sowie vor und nach dem Frühstück, und vor und nach dem Mittagessen, verbraucht jedes Kind mindestens fünf Papierhandtücher.

Fitnessstudios desinfizieren ständig ihre Geräte

Ähnlich sieht es in den Fitnessstudios aus. Teilweise werden dort einzelne Desinfektionstücher verwendet, mit denen die Sportgeräte nach jeder Benutzung gereinigt werden. Im Freitaler "Rundum Fit" an der Dresdner Straße würden dadurch pro Tag zwei große Beutel Papierabfall zusammenkommen, sagt Inhaberin Daniela Müller. "Unsere Mitglieder nehmen Desinfektionsspray und Papierrollen. Nach jeder Benutzung der einzelnen Geräte müssen sie diese selbst reinigen." 

Insgesamt gibt es rund 80 Sportgeräte im "Rundum Fit". Dazu kommen die Matten in den Kursräumen, die ebenfalls desinfiziert werden müssen, sowie die Sanitärräume. "Pro Tag kommen derzeit im Schnitt 150 Menschen zu uns. Da fällt jede Menge Müll an", beobachtet Daniela Müller.

Mittagessen in der Schule aus der Einwegverpackung

In der Freitaler Lessingoberschule in Potschappel wird den 160 Kindern das Mittagessen seit dem Schulstart nach der Corona-Schließung in Einwegtellern gereicht.  Wie Schulleiterin Manuela Lehmann mitteilt, könne "aufgrund der Verfügung zur Bekämpfung der Coronapandemie der Speiseraum nicht für alle 160 Schüler genutzt werden." Die Schüler müssten jetzt in den Klassenräumen essen. Deshalb sei eine Essensausgabe auf Tellern derzeit nicht möglich. Die Kinder erhalten ihr Mittagessen in Einzelverpackungen, sogenannten Assietten.

Alexander Weiss vom zuständigen Essenanbieter Sodexo teilt auf Anfrage von Sächsische.de dazu mit: "Von den circa 30 Einrichtungen im Landkreis, die wir versorgen, bekommen derzeit nur drei das Essen in einzeln verpackten Assietten. In allen anderen wird über Teller ausgegeben." Der Sodexo-Sprecher sagt weiter: "Nur während der Notbetreuungszeit wurden in vielen Einrichtungen Einzel-Assietten angeboten." Da es sich nur um wenige Einrichtungen handele, die Assietten benutzen, würde auch über eine Preissteigerung für das Mittagessen nicht nachgedacht.

Gelbe Säcke stapeln sich an der Dresdner Straße in Freital.
Gelbe Säcke stapeln sich an der Dresdner Straße in Freital. © Andreas Weihs

Masken in den Restmüll zum Verbrennen

Lydia Engelmann, die für die Grünen im Freitaler Stadtrat sitzt, sagt auf Nachfrage: "Persönlich finde ich diese Entwicklung natürlich besorgniserregend. Medizinische Produkte wie Einwegmasken oder auch Gummihandschuhe sind nicht biologisch abbaubar. Schon kurz nach Beginn der Corona-Pandemie wurden vermehrt Masken in der Natur, vor allem in den Meeren gefunden. Das erschwert auch den Kampf gegen Micro-Plastik in der Umwelt immens."

Dennoch erklärt sie, dass es leider vorübergehend notwendig sei, Einwegverpackungen und Einmalhandtücher zu verwenden, aufgrund der Hygienemaßnahmen: "Entfallen diese, werden wir als Grüne darauf achten, dass auch die unnötigen Verpackungen wegfallen", verspricht Lydia Engelmann. Außerdem wollen die Grünen in Freital darauf achten, dass die neue EU-Verordnung zum Verkaufsverbot von Einmalgeschirr bereits beim Tag der Sachsen 2021 mit einem nachhaltigen Umwelt-und Müllkonzept umgesetzt werde.

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal bittet in diesem Zusammenhang auch dringlichst, die Einmal-Gesichtsmasken über den Restabfall zu entsorgen. "Dieser wird vom Verband zu einer thermischen Behandlungsanlage transportiert, wo er dann verbrannt wird", erklärt Ilka Knigge.  Besser seien Stoffmasken, die bei 60 Grad gewaschen werden können, sagt sie.

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