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„Ich bin ein Kind der Pausitzer Delle“

Die SZ stellt vor der Stadtratswahl die Spitzenkandidaten der Listen vor. Heute: Sven Borner von der FDP.

Zehn Jahre lang hat Sven Borner an der heutigen Oberschule Am Sportzentrum gelernt. Seine eigenen vier Kinder besuchen das Heisenberg-Gymnasium und die 3. Grundschule in Weida.
Zehn Jahre lang hat Sven Borner an der heutigen Oberschule Am Sportzentrum gelernt. Seine eigenen vier Kinder besuchen das Heisenberg-Gymnasium und die 3. Grundschule in Weida. © Sebastian Schultz

Riesa. Während auf dem Hof vor der Oberschule kurz vor der Pause noch gähnende Leere herrscht, rauschen ein paar Meter weiter die Autos fast im Sekundentakt die Pausitzer Straße herunter. Sven Borner steht vor dem Eingang aufs Gelände und schaut aufs Schulhaus. „Zuletzt hatten wir hier 2008 Klassentreffen und konnten im Haus herumstromern“, erzählt er und lächelt. Von 1978 bis 1988 hatte Borner selbst in dem Gebäude gelernt. 

Ein Treffen an dieser Stelle war da naheliegend. Zum einen, weil der FDP-Stadtratskandidat, obwohl er mittlerweile in Merzdorf wohnt, von sich sagt: „Ich bin ein Kind der Pausitzer Delle.“ Zum anderen, weil ihm vor allem gute Bildungsbedingungen an den Riesaer Schulen wichtig seien. Sein ältester Sohn besucht die 5. Klasse im Heisenberg-Gymnasium, die Drillinge sind vergangenes Jahr in Weida eingeschult worden.

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Von seiner ehemaligen Schule kann Sven Borner direkt auf das Gelände seines heutigen Arbeitgebers schauen. Der 47-Jährige arbeitet auf der anderen Straßenseite, bei Neways. „Am Prüffeld“, erklärt er, das sei ein Teil der Fertigung im Unternehmen. Nebenbei studiert Borner noch an der Fernuni. An Bachelorabschluss in Politikwissenschaft und Soziologie hängt er gerade einen Master in Governance an.

Geprägt hat Borner auch der Aderlass, den Riesa um die Wende hinnehmen musste. „Meine Generation gehörte zu den Ersten, die in den Westen gegangen ist“, sagt er. Von denen, die mit ihm 1988 an der Oberschule den Abschluss machten, sei gut die Hälfte weg. Er wolle sich dafür einsetzen, dass sich so etwas nicht mehr wiederholt – indem Arbeitsplätze und eben gute Bildungsbedingungen geschaffen werden. 

Dass er in den 90ern selbst in Riesa blieb, sei „eine Gefühlssache gewesen“, sagt Borner. „Hier kenn ich praktisch jeden Baum.“ Die Großstadt sei nichts für ihn. „Es ist schön, Dresden zu besuchen. Aber ich werde schon wahnsinnig, wenn ich dort mit dem Auto durch den Verkehr muss.“ Bereut hat Borner die Entscheidung zum Bleiben nicht. „Im Vergleich zu den 90er-Jahren ist Riesa schon vorangekommen.“ Man könne auch nicht alles aufs Rathaus und die Stadträte schieben – wenngleich Borner in vielen Punkten durchaus Verbesserungspotenziale sieht. 

Beispiel Verkehrsanbindung und Internetausbau: „Das ist alles noch nicht in dem Zustand, in dem ich es gern hätte.“ Potenzial sehe er auch noch im Tourismus. Der Flugplatz beispielsweise sei ein Vorteil, den man eigentlich noch besser ausnutzen könnte – um beispielsweise das Fliegende Museum von Großenhain nach Riesa zu locken. „Das kostet einen Anruf oder eine E-Mail.“

Borner stellt gleichzeitig auch fest: „Wir sind eine Industriestadt, immer gewesen, und wir werden es auch bleiben.“ Dieses Konzept müsse man ausbauen. Riesa sei in einer vergleichsweise komfortablen Lage, mittig zwischen Leipzig und Dresden. Das könne man noch besser ausnutzen, um sowohl neue Einwohner, als auch Unternehmen anzuziehen, sagt er.

Weil Kommunalpolitik schnell an ihre Grenzen stoße, kandidiert Sven Borner auch für den Landtag. „Mein Hauptaugenmerk gilt aber schon dem Stadtrat“, betont er. Kritik äußert der vierfache Familienvater vor allem daran, wie die Stadtverwaltung mit dem Aus fürs Riesaer Schulzentrum umgegangen sei. „Jetzt werden über zehn Jahre die Schüler hin- und hergeschoben, weil durch eine Fehlplanung das Schulzentrum nicht zustande gekommen ist.“ 

Da wäre eigentlich eine Entschuldigung an die Eltern das Mindeste gewesen, sagt Borner. Es habe nie jemand die Verantwortung für das Scheitern des Schulzentrums übernommen. „Das ärgert mich unheimlich.“ Im Rathaus brauche es diesbezüglich eine andere Kultur.

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