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„Ich bin enttäuscht von denen“

Wenn Manager einen harten Sparkurs planen, schweißt die Angst um Jobs und Gehalt Belegschaft und Betriebsräte meist eng zusammen. VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard will Milliarden einsparen – doch zwischen Arbeitern und ihren Vertretern klafft ein Riss.

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Wenn Manager einen harten Sparkurs planen, schweißt die Angst um Jobs und Gehalt Belegschaft und Betriebsräte meist eng zusammen. VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard will Milliarden einsparen – doch zwischen Arbeitern und ihren Vertretern klafft ein Riss.

Seit Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert vor zwei Wochen zurückgetreten ist, wuchern Gerüchte um Lustreisen der Arbeitnehmer. Im Sog der Affäre musste Personalvorstand Peter Hartz gehen – nach einem Nachfolger sollen auch die mächtigen IG Metaller suchen, die jetzt in der Sinnkrise sind. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und IG-Metallchef Jürgen Peters haben sich gestern deswegen zu einem Vier-Augen-Gespräch in Hannover getroffen

Früher ernteten Betriebsräte beim Gang durch die Hallen gelegentlich Schulterklopfen, berichtet Wilfried Pröttel, seit zehn Jahren Betriebsrat im Wolfsburger Stammwerk. Jetzt würden Betriebsräte teilweise als „Dreckschweine“ beschimpft. Der 56-Jährige ist Mitglied der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM), die fünf von 67 Betriebsräten in Wolfsburg stellt.

Der neue Mann an der Spitze des Gesamtbetriebsrats, Bernd Osterloh, wehrt sich gegen den Eindruck, sein Gremium sei geschwächt. In der Betriebsratszeitung räumt Osterloh indes die Familienreisen auf Vorstandskosten ein. Doch wer dabei war, welchen Rahmen die Reisen hatten, wie die Beschenkten danach entschieden – das lässt er offen. Die meisten Betriebsräte äußern sich dazu nicht öffentlich. Nur der Betriebsratschef des VW-Motorenwerkes in Chemnitz, René Utoff, sagt lapidar: „Die Stimmung im Chemnitzer Werk ist ganz normal.“

Bei VW sind 97 Prozent der Mitarbeiter in der IG Metall organisiert, die auch den Betriebsrat dominiert. Die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft gilt als „hilfreich“bei Wechseln oder Beförderungen. Vor dem VW-Werk in Hannover-Stöcken äußern sich Beschäftigte verärgert. „Ich bin enttäuscht von denen, habe aber fast nichts anderes erwartet. Heute nehmen doch alle, was sie kriegen können.“, sagt Heike Schulte (34). Ein Kollege wettert: „Die denken doch vor allem an sich.“ Er sei schon 2004 aus der IG Metall ausgetreten. (dpa/SZ)