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„Ich bin stolz, hier Kommandant zu sein.“

Oberstleutnant René Pierschel über Weihnachten, den Truppenübungsplatz Oberlausitz, Nachbarn und gute Vorsätze.

Von Constanze Knappe
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Oberstleutnant René Pierschel hat die Soldaten in die Weihnachtsferien verabschiedet. Auch er freut sich auf freie Tage.
Oberstleutnant René Pierschel hat die Soldaten in die Weihnachtsferien verabschiedet. Auch er freut sich auf freie Tage. © Foto: Joachim Rehle

Der Truppenübungsplatz Oberlausitz ist einer der modernsten in Deutschland und mit einer Fläche von 17 450 Hektar der Drittgrößte von 13 Truppenübungsplätzen unter deutscher Verwaltung. Die Fläche entspricht etwa 24 500 Fußballfeldern. Für einen reibungslosen Ablauf sorgen 250 militärische und zivile Beschäftigte. 2018 gab es viel Bewegung auf dem Platz, was nicht nur im eigentlich wörtlichen Sinne zu verstehen ist. Das TAGEBLATT sprach darüber mit dem Kommandanten René Pierschel.

Herr Oberstleutnant, was machen Ihre Soldaten zu Weihnachten?

Sie verbringen alle die Feiertage bei ihren Familien. Das freut mich sehr. Denn selbstverständlich ist das nicht. Über Weihnachten und den Jahreswechsel 2017/18 war ein Kamerad im Afghanistan, und im Laufe des Jahres 2018 zwei Kameraden in Litauen im Einsatz. Ich bin jedes Mal froh, wenn aus einem Auslandseinsatz alle unversehrt zurückkommen. Die meisten stammen aus den Landkreisen Görlitz und Bautzen, einige aus Thüringen. Den weitesten Heimweg hat ein Offizier, der am Rhein wohnt.

Wurden Sie und Ihre Mitarbeiter in der Kommandantur in Weißkeißel schon vorher auf Weihnachten eingestimmt?

Mit den drei kleinen Weihnachtsmärkten auf unserem Gelände, die schon Tradition sind. Nicht zu vergessen das festliche Adventskonzert in der evangelischen Kirche in Rietschen mit dem Luftwaffenmusikkorps Erfurt. Die Musiker würde ich gern im nächsten Jahr wieder hier haben. Aber da sind wir nicht die Einzigen mit diesem Wunsch. Natürlich haben wir in den vergangenen Tagen das Jahr Revue passieren lassen, und ich habe mich bei meinen Mitarbeitern für ihre Arbeit bedankt.

Wie sieht denn Ihre Bilanz für das zu Ende gehende Jahr 2018 aus?

Der Truppenübungsplatz war sehr gut ausgelastet. Schießfreie Zeiten gab es nur während der Instandhaltungsarbeiten. Die Statistik weist 1 500 Schießen aus mit etwa 11 000 Soldaten. Darunter waren auch wieder die aus Singapur. Sie sind angenehme Gäste. Wir haben schon das Gefühl, dass sie sich bei uns wohlfühlen. An vier Tagen im Mai waren 2 000 amerikanische Soldaten mit 900 Fahrzeugen hier. Bei der Verlegung nach Polen haben sie hier letzte Station gemacht, um zu tanken und auszuschlafen. In dieser Größenordnung war das schon eine Herausforderung.

Der Truppenübungsplatz Oberlausitz wird ja längst nicht mehr nur von Soldaten genutzt. Wie läuft die Zusammenarbeit mit anderen Behörden?

Gut. Regelmäßig trainieren bei uns Einheiten der Bundes- und Landespolizei die Gefahrenabwehr, weil sie nach eigenen Angaben hier gute Bedingungen vorfinden. Das ist in diesem Jahr sogar noch intensiver geworden. Es bestehen enge Kontakte zum SEK, dem THW und vielen anderen.

Seit diesem Jahr ist auch auf dem Westteil bei Boxberg viel Betrieb. Wie sind Sie mit dem Ausbau vorangekommen?

Wir arbeiten mit der Leag und schon seit 1993 mit deren Vorgänger zusammen. Das Gelände nutzen wir auf Grundlage eines Flächentausches. Der westliche Platz ist für besondere Anlagen wie die neue Schießbahn 1 bestens geeignet. Damit konnten wir das Ausbildungsspektrum erweitern. Dort trainieren kämpfende Einheiten, aber auch „Exoten“ wie die Soldaten des Zentrums Operative Informationen, die die Infrastruktur des Platzes nicht nur zum Schießen nutzen.

Um beim militärpolitischen Vokabular zu bleiben: Wie klappt die friedliche Koexistenz mit den Nachbarn?

Ich bin um ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn bemüht. Es ist mir sehr wohl bewusst, dass der Truppenübungsplatz nicht bloß ein stiller Nachbar ist. Aber ich denke, so lange man im Gespräch bleibt, kann man viele Fragen lösen. Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Kommunen ringsherum. Wenn es Gesprächsbedarf gibt, bin ich jederzeit bereit, mich mit Gemeinderäten oder Einwohnern zu treffen. Zweimal habe ich in diesem Jahr mit Bürgern aus Weißkeißel, Skerbersdorf und Nochten gesprochen. Wir konnten uns in die Augen schauen, das ist mir wichtig. Wenn wir Belästigungen für die Nachbarn mindern können, werden wir das tun – jedenfalls so weit es in unserer Macht steht.

Apropos Belästigung. Die Sorge der Anrainer des Westteils vor dem Lärm der neuen Schießbahn war ja sehr groß.

Bei einem Wandertag im April haben wir der Öffentlichkeit die neue Anlage vorgestellt und dazu extra die Anrainer aus Neustadt und den angrenzenden Dörfern eingeladen. Sie waren sehr interessiert. Die Schießbahn 1 wird intensiver genutzt, als wir das erwartet hatten. Bisher sind mir aber keine Beschwerden der Anwohner bekannt. Das bestätigt unsere Prognosen.

Prognosen sind die eine Seite, Fakten womöglich eine ganz andere. Was sagt denn das Messprotokoll?

Die angekündigte Lärmmessung musste leider verschoben werden. Ich habe sie für 2019 erneut beantragt. Wir bleiben dran, dass wir die zweite Expertise bekommen. Denn es ist eine Frage der Transparenz. Allerdings sind wir nicht die Einzigen, die sich auf einem Truppenübungsplatz mit der rechtlichen Bewertung auseinanderzusetzen haben.

Die Umverlegung der Bahntrasse am Tagebau Reichwalde hat Sie lange beschäftigt. Sind Sie mit der Lösung zufrieden?

Ja. Wir sind ganz zeitig mit eingebunden worden, weil der Bereich Weißkeißel der geplanten Bahntrasse am nächsten war. Es wurde eine Lösung gefunden, mit der sowohl die Gemeinde als auch die Bundeswehr leben können. Ich möchte mich da ausdrücklich bei Bürgermeister Andreas Lysk bedanken. Das gilt für Rietschen ebenso, aber die sind nicht so stark betroffen.

Mindestens genauso wichtig ist Ihnen ein anderes Projekt, die Platzrandstraße. Wie steht es damit?

Dabei handelt es sich um 24 Kilometer Straße am Rande des Platzes, die einmal alle Schießbahnen miteinander verbinden wird. Darauf könnten wir uns dann jederzeit in alle Bereiche bewegen, ohne den Verkehr auf den öffentlichen Straßen zu behindern. Derzeit läuft die Umweltprüfung und ich bin guten Mutes, dass es dann losgeht. Ich bin seit August 2014 hier. Das Projekt beschäftigt mich von Anfang an und ich würde natürlich gerne noch das Band zerschneiden und die Platzrandstraße freigeben.

Das klingt ja so, als würden Sie bald Ihren Hut oder besser die Mütze nehmen?

Nein, ganz sicher nicht. Ich arbeite gern hier. Ich bin stolz, hier Kommandant sein zu dürfen. Aber im militärischen Dienst weiß man nie, wohin es einen verschlägt.

Welche Vorhaben stehen 2019 an?

Unsere Hauptaufgabe ist das Schießen. Die Armee aus Singapur wird wieder zweimal hier sein, und wir werden auch wieder Teil der Verlegeoperation der Amerikaner sein. Ein besonderer Höhepunkt wird das Tränkefest in Erinnerung an die ehemalige Ortschaft Tränke. Das war 2016 ein Riesenerfolg. Vom Neujahrsempfang bis zum Schießen um den Pokal des Kommandanten könnte ich noch mehr aufzählen. Ich hoffe sehr, dass wir wieder den Zuschlag für das Adventskonzert in Rietschen bekommen.

Was wird Ihre erste Amtshandlung im neuen Jahr sein?

Ich werde im Rechner nachschauen, welche Anfragen kamen. Denn bei der Armee steht es auch über Weihnachten nicht still.

Und was haben Sie sich ganz persönlich für 2019 vorgenommen?

Ich möchte etwas gesünder leben und mehr Sport treiben. Statt der Neujahrsvorsätze habe ich aber eigentlich nur Wünsche: Dass alle meine Soldaten gesund bleiben, dass alle ohne Unfälle den Schießbetrieb absolvieren, unsere Gäste ihren Ausbildungserfolg erreichen und gesund nach Hause fahren. In diesem Jahr hatten wir keinen größeren Unfall und dafür bin ich unserer Schutzpatronin, der heiligen Barbara, sehr dankbar.