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„Ich bin unheimlich gerne im Kindergarten“

Die Vereinsvorsitzende der Lebenshilfe Niesky, Gisa Jurke, über Heilpädagogik, Wartelisten und schlaflose Nächte.

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© Jens Trenkler

Von Carla Mattern

Heute feiert der Nieskyer Lebenshilfe-Verein seinen 25. Geburtstag. Es wird eine kleine Feier, zu der vor allem die Unterstützer eingeladen sind. Nicht zu vergessen die Mitglieder, Mitarbeiter, Eltern und Kinder. Denn das ist das Besondere am Nieskyer Verein Lebenshilfe für Geschädigte: Seit seiner Gründung kümmern sich die Mitglieder um die heilpädagogische Kita Pusteblume in Niesky. Vereinsvorsitzende ist Gisa Jurke. Die SZ sprach mit ihr über die Kita, den Anspruch und Sorgen.

Sie sind als ehrenamtliche Vereinsvorsitzende Arbeitgeber, zuständig für 59 Kinder, darunter auch behinderte. Und auch für deren Eltern ganz wichtiger Ansprechpartner. Schlafen Sie gut?

Wenn wir große Probleme vor uns herschieben, die existenziell für die Kita sind, dann schlafe ich nicht gut. Beispielsweise als es um die neue Betriebserlaubnis ging. Wir hatten früher drei heilpädagogische Gruppen. Jetzt sind es nur noch zwei für je acht Kinder. Das wirkt sich auch auf unsere Mitarbeiter aus. Widmen wir die Plätze um, um die Kita auszulasten und niemanden entlassen zu müssen? Wir betreuen jetzt mehr Krippenkinder und mehr Integrationskinder, die vorher in einer heilpädagogischen Gruppe gefördert wurden. Kitaleiterin Dana Lehmann hat wohl einige schlaflose Nächte mehr als ich.

Die Kita Pusteblume hat eine lange Warteliste, wird gesagt.

Das stimmt. Wir haben eine Warteliste. Aber sie ist nicht mehr so lang wie früher.

Schwerkranke oder behinderte Kinder bekommen aber einen Platz?

Wenn ein krankes, betroffenes Kind zu uns kommt, dann finden wir immer eine Lösung. Das ist ja anders als bei einem Regelplatz, bei dem die Kinder meist mit dem Schuljahresbeginn kommen oder gehen. Aber viele betroffene Kinder brauchen eine intensive Betreuung, das ist ganz offensichtlich. Es wird jedes Kind vor Ort hospitiert, dass eine Eingliederungshilfe erhält, obwohl aktuelle fachärztliche Berichte und Gutachten vorliegen. Von Amts wegen wird bei den Kindern trotzdem meist jedes Jahr geprüft, ob der Anspruch auf einen heilpädagogischen Platz besteht. Die Verfahren ziehen sich sehr lange hin und wir müssen fast immer in Vorleistung gehen. Wird die fachliche Arbeit der Leute vor Ort infrage gestellt? Auch so kann man das auffassen. Wir versetzen uns auch in die betroffenen Familien. Sie haben ein schwer krankes Kind, müssen zu vielen Ärzten, werden oft als Bittsteller behandelt. Für Familien ist das eine zusätzliche Last.

Eigentlich wäre es für Sie als Kitaträger einfacher, den Trend mitzumachen und Integrationsgruppen aufzumachen?

Es ließe sich leichter planen. Aber wir sind damals mit Dr. Andreas Holzhey als unserem rührigen Initiator angetreten, für behinderte Kinder und ihre Eltern da zu sein, einen Ort zu schaffen, an dem sie unterstützt werden. Unser Ziel ist es, die Kinder so zu fördern, dass sie in die Schule gehen können. Sicher gibt es auch verhaltensauffällige Kinder, bei denen das nicht mehrere Jahre dauert, die schneller von der heilpädagogischen Gruppe in eine Integrationsgruppe wechseln können. Heilpädagogische Plätze werden massiv heruntergefahren. Im Kreis gibt es solche Kitas, wie wir eine sind, nur noch in Weißwasser, in Löbau, in Zittau und in Görlitz. Aber auch die behinderten Kinder sollen etwas lernen, statt nur aufbewahrt zu werden.

Sie sprechen so überzeugend und herzlich von der Kita Pusteblume: Haben Sie mal daran gedacht, umzuschulen?

Ich bin unheimlich gerne im Kindergarten und wünsche mir mal einen Rundgang, ohne von Problemen zu hören. Ich habe drei Kinder mit 17, 14 und 7 Jahren, die mich brauchen. Das wäre für mich ein Hemmnis, mich noch mal auf die Schulbank zu setzen. Und ich habe einen anspruchsvollen, attraktiven Arbeitsplatz.