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Pirna

„Ich brauchte das Geld“

Ein junger Kasache soll in Heidenau Marihuana im großen Stil verkauft haben. Nun droht eine lange Haftstrafe.

Bereits wegen anderer Delikte in Haft, muss sich nun der Kasache auch noch wegen Drogenhandels verantworten.
Bereits wegen anderer Delikte in Haft, muss sich nun der Kasache auch noch wegen Drogenhandels verantworten. © Symbolfoto: dpa

In Handschellen wird Vladislav M. in den großen Sitzungssaal des Pirnaer Amtsgerichts geführt. In Regis Breitingen sitzt er derzeit eine Haftstrafe ab. Wegen räuberischer Erpressung hatte er diese Ende 2017 ebenfalls vom Amtsgericht in Pirna kassiert. Zwei Jahre und sechs Monate Haft lautete damals das Urteil, das später im Berufungsverfahren vom Landgericht Dresden zu einem Jahr und zehn Monaten Haft abgemildert wurde.

Aber noch während Vladislav M. auf das Berufungsverfahren wartete, hatte er neue Straftaten begangen. Zwischen August 2017 und Oktober 2018 soll der junge Kasache, der damals noch bei seiner Mutter in Heidenau lebte, große Mengen Marihuana und ab und an auch einige Extasy-Pillen an- und wieder verkauft haben. Insgesamt 77 Fälle des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in teilweise nicht geringer Menge sind angeklagt.

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Bei der Anzahl der Taten und der großen Menge an Marihuana, die der heute 21-Jährige, innerhalb seines Heidenauer Freundeskreises verschoben hatte, hätten ihm nach Erwachsenenstrafrecht Haftstrafen nicht unter dreieinhalb bis vier Jahren gedroht, mahnt Richter Jürgen Uhlig eindringlich. Ihm ist der junge Mann noch bestens bekannt. „Aber wir bewegen uns hier noch im Jugendstrafrecht“, sagt er dann. Auch wenn dieses im Unterschied zum Erwachsenenstrafrecht, nicht nur Geld- oder Freiheitsstrafen, sondern daneben auch eine Vielzahl anderer erzieherischer Maßnahmen für junge Straftäter vorsieht, ist in Vladislav M.s Fall von vorn herein klar, dass es bei einer Verurteilung keine Bewährungsstrafe geben wird.

Und so räumt er auch von Anfang an ohne Umschweife ein, mit Drogen gehandelt zu haben. Jedoch, so sagt er, habe er nicht, wie angeklagt, wöchentlich größere Mengen Marihuana an einen seiner Hauptkunden verkauft. So viel Ware habe er gar nicht besorgen können, argumentiert er. Als der Richter wissen will, warum er überhaupt ins Drogengeschäft eingestiegen ist, antwortet der Angeklagte: „Ich brauchte halt Geld. Deswegen habe ich das gemacht.“ Lange Zeit, so erklärt Vladislav M. weiter, habe er auch selber konsumiert und deswegen 2014 schon eine Therapie gemacht. Genutzt hatte diese wenig. Zurück im alten Freundeskreis war er schnell in alte Muster gefallen. Seit der vielfach vorbestrafte Kasache aber in Regis Breitingen einsitzt, hat ein Umdenken stattgefunden.

Eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtet, das Vladislav M. gerade seinen Schulabschluss nachholt und regelmäßig zur Suchtberatung geht. Daneben arbeite er auch daran, auf Provokationen und Ähnliches weniger impulsiv zu reagieren, sagt die Sozialarbeiterin. Alles in allem sei er auf einem guten Weg. „Ich habe aus meinen Fehlern gelernt“, bestätigt der Angeklagte.

Das erkennt dann auch das Jugendschöffengericht an. Dennoch sei die Vielzahl der Taten eine Menge Holz, betont Richter Jürgen Uhlig. Auch habe sich der Angeklagte bis zu seiner letzten Verurteilung von früheren Strafverfahren wenig beeindrucken lassen. Unter Einbeziehung des Urteils vom Landgericht Dresden, verhängt das Pirnaer Jugendschöffengericht schließlich wie von der Staatsanwaltschaft beantragt eine Gesamtstrafe von drei Jahren gegen Vladislav M. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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