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„Ich habe das Zeug dazu“

Die Radebeulerin Elke Siebert (Grüne) will Landrätin werden. Ihre Unterstützer wollen aber noch diskutieren.

Elke Siebert (48) auf den Terrassen vor dem Kultur-Bahnhof in Radebeul. Sie ist die erste Frau, die ihren Hut für die Landratswahl im November in den Ring geworfen hat.
Elke Siebert (48) auf den Terrassen vor dem Kultur-Bahnhof in Radebeul. Sie ist die erste Frau, die ihren Hut für die Landratswahl im November in den Ring geworfen hat. © Arvid Müller

Landkreis/Radebeul. Die 22 Kilometer hin und zurück mit dem Rad brauche ich. Elke Siebert arbeitet in Dresden, wohnt in Radebeul und will Landrätin werden. Die sympathische Frau, die zum Gespräch in Jeans, Bluse und Absatzschuhen kommt, hat sich zu dieser Ansage nicht gedrängelt. Sie ist gefragt worden von ihrer Partei, den Grünen, zu denen sie seit reichlich einem Jahr gehört. Inzwischen auch zum Vorstand im Kreis Meißen.Nötig ist das mit der Kandidatur zum neuen Landrat, weil der bisherige, Arndt Steinbach (CDU), nach Berlin in einen neuen Job geht, im November gewählt werden soll und jetzt alle Parteien suchen, wer der geeignete Nachfolger wäre.

Wie das bei den Grünen mit der Kandidatur läuft

Eigentlich wollen Grüne, Linke und SPD einen gemeinsamen Kandidaten oder eine Kandidatin finden. Dafür soll es Debattendiensttage im Juni geben – am 2., 9. und 16. Juni, jeweils 20.15 Uhr bis 21.15 Uhr. Per Livevideo auf YouTube oder parallel über Whatsapp-Chat. Im Großen wurde das ja jüngst in der Partei der Grünen deutschlandweit geübt. Hier im Kreis soll sich jeder zuschalten und mitreden dürfen (siehe Kontakte am Ende).

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Und dann, Ende Juni, Anfang Juli wollen sich die drei Parteien auf eine oder einen einigen, der antritt. Weil aber die Grünen schon mal alle Schnittmengen übereinandergelegt haben, sind sie auf Elbe Siebert gestoßen.

Warum die Radebeulerin für die Grünen geeignet scheint

Die 48-Jährige hat Führungserfahrung. Die größte Mannschaft, der sie bisher als Leiterin vorstand, war eine 80-Personen-Belegschaft. Ihre Stärken sind Personalführung und -coaching. Aktuell leitet sie in der Arbeitsagentur Dresden eine Abteilung, die sich derzeit um das Kurzarbeitergeld kümmert.

Und, logisch, sie vertritt grüne Themen. Elke Siebert sagt selbst: „Was mich antreibt, sind die Themen, die sich unter den Überschriften: Gerechtigkeit, Ökologie, Zukunftsfähigkeit, Offenheit sammeln.“ Konkret nachgefragt, nennt sie Beispiele wie Radwege neben Straßen, die neu gebaut oder erneuert werden – auch außerhalb der Städte. Mit den Bauern im Kreis die Suche nach neuen Anbaumöglichkeiten und Fruchtfolgen, in Zeiten, in denen es immer trockener wird.

Wirtschaft nach Corona sei ihr wichtig. Welche Fachkräfte brauchen wir? Wie halten wir Arbeitskräfte im Kreis? Welche Möglichkeiten ergeben sich auch aus der Krise? Wie sollte Förderung gezielter geschehen, reißt sie Themen an.

Immer wieder sagt Elke Siebert, dass sie über Anliegen und Themen mit den Bürgern diskutieren will. Große Worte. Wie? In Radebeul hat sie Gesprächsrunden – offen für jeden – in der Friedenskirche (Miteinander reden in Kötzschenbroda) und die Gesprächskreise zu aktuell anstehenden Fragen gemeinsam mit anderen angestoßen. „Das kann man auch auf Kreisebene machen“, sagt sie.

Was Elke Siebert vom Landratsamt weiß und wie sie es leiten würde

Sie sagt, dass sie sich mit der Organisationsstruktur befasst hat und das Vertrauen aus ihrer Ausbildung und bisherigen Führungstätigkeit heraus habe, dies auch packen zu können.

Sie vermag Mitarbeiter zu motivieren, zu eigenverantwortlicher Arbeit anzustoßen. Zum Amt sagt sie: „Die Verwaltungsprozesse laufen gut.“ Generell ist sie der Meinung, dass Behörden einen großen Aufholbedarf in Digitalisierung und Bürgergesprächen haben. Es reiche nicht, seine Formulare herunterladen zu können. „Wie kann ich vom Wohnzimmer aus meine Anliegen klären? Wie komme ich schnell zu einem Beratungsgespräch, sind da wesentliche Themen“, so Elke Siebert.

Die Frau, ihre Entwicklung und ihre Familie in Radebeul

Geboren (1972) und aufgewachsen ist Elke Siebert in Leipzig. Hat dort ihr Abitur gemacht, Sprachen studiert, mit der Qualifikation zur Erwachsenenpädagogik. Nach Radebeul ist sie gekommen, weil sie mit ihrem Mann, der Dresdner ist, diesen Ort als gute Alternative gefunden hat. Ihr zwölfjähriger Sohn geht hier zur Schule.

In einer Frau als Landrätin sehe sie nicht den wesentlichen Unterschied zu bisher oder einem Mann generell. Sie sehe eher Charaktereigenschaften, die ihr dabei helfen können: „Ich höre gut zu, habe einen klaren Gestaltungswillen und kann mich auf andere in der Realität einlassen, auf der Suche nach einer gemeinsamen Lösung.“

Elke Sieberts Chancen und Fähigkeiten im Wahlkampf

Sie kann schon Wahlkampf. 2014 und 2015 hat sie die Projektleitung für die Grünen in Radebeul und Eva Oehmichen unterstützt. Auf Anhieb gab es bessere Ergebnisse als jemals vorher für die Grünen in der Stadt.

Die CDU hat sich noch auf keinen Kandidaten festgelegt. Beworben haben sich bereits Kreisvorsitzender Sebastian Fischer und der Zeithainer Bürgermeister Ralf Hänsel. Auch ob Elke Siebert die Kandidatin der drei Parteien oder nur der Grünen wird, steht noch nicht fest. Sie sagt dazu: „Ich bin gefragt worden. Was mich freut und ehrt. Und erst mal habe ich gelacht. Doch ich denke – ja, ich habe das Zeug dazu, vieles, was ich angepackt habe, ist mit Erfolg gelungen.“


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  • Kontakte zu den Debattendienstagen: Livevideo unter YouTube-Kanal: bit.ly/LRWM2020; parallel zum Livevideo Whatsapp-Chat unter 0176 55086110.
  • Fragen, weitere Kandidierendenvorschläge und Anregungen vorab gerne an Mailadresse [email protected]

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