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„Ich habe mich der Sache gestellt“

Mit seinem Wechsel nach Ingolstadt hat Stefan Kutschke viele Dynamo-Fans enttäuscht. Vor seiner Rückkehr nach Dresden spricht er darüber exklusiv mit der SZ.

Stefan Kutschke, wie haben Sie die Punktspielpause verbracht?

Ich war natürlich in der Heimat. Ich habe mich mit Freunden und Familie getroffen, auch mit Niklas Kreuzer, Patrick Wiegers und Patrick Möschl, das freie Wochenende in Dresden genossen.

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Wie sind Sie bei Ihrem neuen Verein, dem FC Ingolstadt, angekommen?

Ich wurde von den neuen Kollegen vom ersten Tag an herzlich aufgenommen. Obwohl sie vorige Saison in der Bundesliga gespielt haben, wussten sie, was in der zweiten Liga los war, haben auch meinen Weg verfolgt.

Sie waren mit 16 Treffern für Dynamo vorige Saison zweitbester Torschütze in der zweiten Liga. Spüren Sie dadurch eine höhere Erwartungshaltung?

Absolut. Ich bin sofort mit in den Mannschaftsrat gewählt worden, und auch die Vereinsführung hat mir dieses Vertrauen vermittelt. Ich soll und will ein Spieler sein, der vorneweg geht und Verantwortung übernimmt.

Doch dann mussten Sie bis zum neunten Spieltag auf Ihr erstes Tor für Ingolstadt warten. Wie sind Sie mit der Situation umgegangen?

Unter Trainer Maik Walpurgis stand ich in den ersten drei Spielen in der Startelf, hätte gegen Union Berlin ein Tor machen müssen. Danach kam die Phase, in der es nicht richtig lief. Ich habe mir öfter die Tore aus der vorigen Saison angeschaut, wie die Abläufe waren, und mir gesagt: Stefan, du hast das nicht verlernt. Wenn du im Kopf frei bleibst und weiter arbeitest, holst du dir im Training wieder diese Sicherheit. Dann klappt es auch im Spiel wieder.

Bei Dynamo war das Spiel mehr auf Sie zugeschnitten …

Ich kam in eine neue Mannschaft, da muss man sich erst einmal gegenseitig kennenlernen. Und es war eine Umstellung auf ein anderes System. In Dresden war das Spiel mehr auf eine Spitze zugeschnitten. Das ist in Ingolstadt natürlich anders, ich musste erst in die Abläufe reinkommen. Es hat etwas gedauert, aber ich denke, der Knoten ist jetzt geplatzt.

Was ist anders in Ingolstadt?

Der Dialekt (lacht). Ich werde ab und zu aufgezogen, aber mit solchen Sticheleien musste ich in meinen früheren Vereinen auch klarkommen. Ich stehe dazu. Man merkt natürlich, dass der Verein in der Bundesliga gespielt hat und extrem professionell ist.

Wo ist Dynamo weniger professionell?

Wenn in Dresden das Trainingszentrum steht, hat auch Dynamo eine richtig gute Grundlage. In Ingolstadt hat man kurze Wege. Stadion, Trainingsplätze, Kabine, Geschäftsstelle – hier ist alles an einem Platz. Das ist noch ein kleiner Unterschied.

Sie waren als Dresdner bei Dynamo eine Identifikationsfigur, viele Fans sind deshalb wegen Ihres Wechsels enttäuscht. Können Sie das verstehen?

Ja, natürlich kann ich die Enttäuschung verstehen. Ich hatte vorher öffentlich erklärt, dass ich in Dresden bleiben will. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ich nur ausgeliehen war, was manchen gar nicht bewusst war. Sie dachten: Stefan braucht nur einen Vertrag zu unterschreiben, dann ist das geritzt. Aber so einfach war es eben doch nicht.

Es gab in den sozialen Netzwerken auch heftige Reaktionen. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe mich der Sache gestellt, mir auch die Zeit genommen, mich mit vielen Leuten zu unterhalten und ihre Meinung anzuhören. Ihre Enttäuschung zeigt auch, dass ich einiges richtig gemacht habe. Wenn die Leistung nicht gestimmt hätte, hätten viele gesagt: Bloß gut, dass er weg ist.

Was haben Sie den Fans gesagt?

Ich habe ihnen die Lage erklärt, also dass es eine Ausleihe war. Fakt ist: Die Ablöse, die Nürnberg aufgerufen hat, hätte bezahlt werden müssen. Ob die Summe gerechtfertigt war oder nicht, sei dahingestellt.

Sind Sie auch enttäuscht, dass Dynamo bei der Ablöse abgewunken hat?

Ich kann mich noch gut erinnern: Als wir Ende Februar in Aue spielten, hieß es, dass noch keiner von Dynamo auf Nürnberg zugegangen sei. Da habe ich mir gedacht: Hoi, was ist da los? Langsam müssen wir uns ja mal unterhalten. Dynamo und Ralf (Sportvorstand Minge/d. A.) werden sicherlich einen Plan gehabt haben.

Haben Sie mit Ralf Minge darüber gesprochen?

Ralf und ich haben immer noch ein sehr gutes Verhältnis. Über diese Situation haben wir uns noch nicht ausführlich unterhalten, werden das aber bei Gelegenheit sicher noch tun.

Sie sind bekennender Dynamo-Fan: Wie sehr nagt es denn an Ihnen, nicht mehr für Ihren Lieblingsverein spielen zu dürfen?

Als sich das abzeichnete, war es schon enttäuschend, zumal sich die Wege nicht zum ersten Mal trennen. (Kutschke war als Junior ein halbes Jahr bei Dynamo, wurde aber weggeschickt/d. A.) Aber ich spiele jetzt in Ingolstadt, und dort passt es super.

Was bleibt von Ihrer Zeit bei Dynamo?

Es gab viele positive Erlebnisse in der Zeit: vom Aufstieg angefangen, das Pokalspiel gegen RB Leipzig, spektakuläre Siege zu Hause wie auswärts. Negatives bleibt da überhaupt nicht in Erinnerung.

Die Schlagzeilen am Ende aber schon?

Daran hat man aber selbst immer auch eine Aktie. Trotzdem noch mal: Bei einem Leihgeschäft entscheidet nicht allein der Spieler. Deshalb hätte ich die Schlagzeilen nachvollziehen können, wenn ich ablösefrei gewesen wäre und mich gegen Dynamo entschieden hätte. Aber die Ausgangsposition war eine andere.

Am Sonnabend kehren Sie nach Dresden zurück, spielen im DDV-Stadion mit Ingolstadt gegen Dynamo. Wie stecken Sie Pfiffe weg?

Ich bekomme ja mit, dass es eine gespaltene Meinung gibt. Wenn Fans meinen, dass sie mich auspfeifen müssen, muss ich damit leben. Ich glaube aber auch, dass viele dankbar sind für das, was ich in den anderthalb Jahren geleistet habe. Ich denke, ich kann behaupten, in jeder Sekunde alles für Dynamo gegeben zu haben

Ingolstadt ist als Mitfavorit für den Aufstieg in die Saison gegangen. Wie bewerten Sie den Start mit zehn Punkten aus neun Spielen?

Das haben wir uns alle anders vorgestellt. Es ist aber eben eine riesige Umstellung von der ersten auf die zweite Liga. Und es hilft nicht, nur zu sagen, man nimmt diese Liga an. Man muss es auch zeigen. Ich denke, jeder hat begriffen, dass es absolut harter Kampf ist und man sich nicht auf individuelle Qualitäten allein verlassen kann.

Ingolstadt ist Zwölfter, Dynamo steht auf Platz zehn. Was ist von dem Duell zu erwarten?

Schwer zu sagen. Beide Mannschaften haben sich bisher auswärts leichter getan. Wir wissen um die Spielstärke der Dresdner. Es begegnen sich zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Die Zuschauer können ein gutes Spiel erwarten.

Werden Sie von Anfang an spielen?

Das weiß ich leider noch nicht.

Was nehmen Sie sich persönlich vor?

Wie in jedem Spiel: Mit der Mannschaft zu gewinnen und am besten dabei ein Tor zu schießen. Es wäre doch unprofessionell, wenn ich sagen würde, in Dresden will ich das nicht.

Wie würden Sie über ein Tor jubeln?

Es ist völlig normal, dass ich mich zurückhalten würde aus Respekt gegenüber den Dynamo-Fans. Aber bevor wir über einen Jubel sprechen, muss ich erst einmal ein Tor erzielen.

Würden Sie auch auf das Ingolstädter Emblem zeigen?

Ach, das sollte man nicht vergleichen. Ich habe das im DFB-Pokal gegen RB Leipzig das erste Mal gemacht.

Das Gespräch führte Sven Geisler.