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Hoyerswerda

„Ich habe noch Ideen und Visionen“

Der Bernsdorfer Bürgermeister Harry Habel hat Lust auf eine dritte Amtszeit. Bei der Wahl ist er der einzige Kandidat.

Seit mittlerweile 14 Jahren sitzt Harry Habel auf dem Chefsessel im Bernsdorfer Rathaus. Nun strebt der 60-Jährige eine dritte Amtszeit als Bürgermeister an. Am Sonntag findet die Wahl statt. Harry Habel ist der einzige Kandidat.
Seit mittlerweile 14 Jahren sitzt Harry Habel auf dem Chefsessel im Bernsdorfer Rathaus. Nun strebt der 60-Jährige eine dritte Amtszeit als Bürgermeister an. Am Sonntag findet die Wahl statt. Harry Habel ist der einzige Kandidat. © Foto: Ralf Grunert

Bernsdorf. Am Sonntag finden in der Stadt Bernsdorf Bürgermeisterwahlen statt. Rund 5 400 Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Mit dem amtierenden Bürgermeister Harry Habel (CDU) gibt es nur einen Kandidaten für den Chefsessel im Rathaus. 

So war es auch schon bei der letzten Wahl vor sieben Jahren gewesen. Da hatte der seit wenigen Tagen 60-Jährige 97,3 Prozent aller gültigen Stimmen erhalten. Im TAGEBLATT-Interview erzählt er unter anderem, was ihn zur erneuten Kandidatur bewogen und welche Pläne er hat.

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Herr Habel, für einen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ist nach zwei Amtszeiten Schluss. Was meinen Sie, wäre es gut, wenn es diese Regelung auch in Deutschland geben würde, zum Beispiel für das Amt des Bürgermeisters?

Zwei Amtszeiten können für einen Bürgermeister durchaus reichen. Bei manchem wäre es vielleicht schon gut, wenn nach einer Amtszeit wieder Schluss ist. Manche haben gesundheitliche Probleme, Probleme mit den Menschen oder den eigenen Mitarbeitern. Wenn es aber läuft, sieht das anders aus. Ein guter Bürgermeister zu sein, das hat etwas mit Vertrauen zu tun. Das muss man sich erarbeiten. Und so etwas dauert seine Zeit. Als Bürgermeister hat man die Chance, eine Entwicklung anzustoßen, etwas zu gestalten. Gewöhnlich gelingt das nicht von heute auf morgen.

Nur mal angenommen, es gebe die Zwei-Amtszeiten-Regelung. Was könnten Sie sich vorstellen, anderes zu tun, als Bürgermeister zu sein? Ihr ursprünglicher Job als Geschäftsführer der Bernsdorfer Wohnungsbaugesellschaft ist ja bestens besetzt.

Ich würde das mal nicht ganz ernst beantworten wollen: Mein mittlerer Enkel in München, dass ist so ein drahtiger. Lewis ist ein Sportler durch und durch. Er trainiert momentan bei Hallbergmoos Fußball. Den würde ich als Manager betreuen.

Nun haben Sie sich aber entschieden, erneut zu kandidieren. Warum tun Sie sich das an? In Sachsen könnten Sie ja auch mit der Ihnen nach zwei Amtszeiten zustehenden Pension in Ruhestand gehen, so wie das ein früherer Amtskollege von Ihnen in Lauta getan hat.

Es macht mir nach wie vor Spaß. Ich komme gern auf Arbeit. Und ich habe nach wie vor noch Ideen und Visionen, wohin sich Bernsdorf entwickeln soll. Das mit den Bürgern, den Stadträten und der Verwaltung umzusetzen, da habe ich Lust drauf.

Seitdem Sie 2005 erstmals und 2012 erneut zum Bürgermeister gewählt wurden, hat sich in Bernsdorf allerhand getan. Worauf sind Sie am meisten stolz?

Am meisten bin ich stolz, dass Bernsdorf eine Wende hinbekommen hat. Der Schrumpfungsprozess nach dem Ende der DDR, in dem unsere Unternehmen massiv Arbeitsplätze abgebaut haben und viele junge Leute, darunter auch meine Kinder, weggegangen sind, ist nicht nur zum Stillstand gekommen, sondern wurde umgekehrt. Allmählich entsteht Neues. Viele Firmen haben sich bereits erweitert oder befassen sich damit, wie ganz aktuell unser Glashersteller O-I. Bernsdorf ist längst nicht mehr die Stadt, in der nichts passiert, vielmehr hat sie eine positive Entwicklung.

Was war in Ihren bisherigen Amtszeiten die größte Enttäuschung für Sie?

Da gibt es zwei Dinge: Haupt-Enttäuschung war die Schließung der Mittelschule, kurz nachdem ich Bürgermeister geworden war. Damals habe ich einiges probiert, mich an Ministerpräsident Milbradt gewandt, ich habe einen Bus organisiert und bin mit Bürgern zu einer Sitzung des Kreistages gefahren. Das hat alles nichts geholfen. Das hat mich wirklich frustriert. Und dann kam der 1. April 2016. Ich habe auf einen Fördermittelbescheid der Sächsischen Aufbaubank über 800 000 Euro für die Sanierung der Oberschule gewartet. Ich schlage die Postmappe auf und sehe den ablehnenden Bescheid. Das kann nicht wahr sein, schoss es mir durch den Kopf. Ich war auf hundertachtzig, kurz davor, zu explodieren. Da bemerkte ich das Grinsen eines Mitarbeiters und schaute mir den Bescheid genauer an. Der war unterzeichnet von „Kleiner Scherz“ und „Erster April“ ...

Es ist Ihnen immer wieder gelungen, größere Projekte in Gang zu bringen. Stichwort Straßenbau und Abriss von alten Industriebrachen. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Ich mag das Motto „Geht nicht, gibt‘s nicht“. Und für mich ist ein Glas immer halbvoll. Das ist auch das, was ich versuche, den jungen Leute bei der Jugendweihe zu vermitteln. Positives Denken. Und man darf bei Gegenwind auch nicht gleich aufgeben. Unabhängig davon benötigt man Kontakte, eine gute Verwaltung, die mitzieht, und einen Stadtrat, der keine Parteipolitik betreibt, sondern im Sinne der Stadt arbeitet. Viel mehr braucht es nicht.

Eine Bürgermeister-Amtszeit dauert sieben Jahre. Was sind Ihre Pläne für die Stadt in dieser Zeit?

Ich möchte gern, dass wir das neue Gewerbegebiet in Straßgräbchen entwickeln. Der neue Eigenheimstandort hier in Bernsdorf an der Friedrich-Engels-Straße ist bereits auf einem guten Weg. Die Zinkweißhütte liegt mir am Herzen. Dort muss es nach dem Abriss mit der Altlastensanierung weitergehen, sodass wir das Gelände in Zukunft einmal als Gewebestandort vermarkten können. Der Tourismus gewinnt für Bernsdorf zunehmend Bedeutung. Da rückt zwangsläufig unser Waldbad in den Fokus. Dort müssen wir sehen, was sich mit Fördermitteln bewerkstelligen lässt. Mir geht es auch darum, dass wir Bernsdorf als Wohnstandort gestalten und noch attraktiver machen. Und was mir noch sehr am Herzen liegt, ist die stärkere Beteiligung der jüngeren Generation. Die jungen Leute bringen sich zu wenig ein. Deswegen freue ich mich über das Projekt „Bike & Chill“. Das ist das erste Mal, dass Jugendliche und deren Eltern von sich aus zu uns, zur Verwaltung gekommen sind.

Sachsens Ministerpräsident bezeichnete das Straßenbauprojekt „Milau“, das unter anderem Ruhland, Lauta und Hoyerswerda verbinden soll, unlängst im TAGEBLATT-Interview als künftigen Autobahnzubringer von Hoyerswerda. Damit würde die ursprünglich mal vorgesehene Fortführung der Umgehungsstraße von Bernsdorf aus an Leippe vorbei Richtung Autobahnzubringer bei Lauta-Dorf wieder Sinn machen, oder?

Das wäre optimal für alle Beteiligten, wenn wir zu dieser Lösung kommen, die, wie gesagt, schon mal angedacht war.

Dann würde auch die Umgehungsstraße von Wiednitz kein Thema mehr sein? Die sorgt ja hinsichtlich der Trassenführung aktuell für Unruhe im Dorf.

Ich möchte noch mal klarstellen, dass es bisher keine verbindliche Trassenführung für eine Umgehungsstraße von Wiednitz gibt. Es sind nach wie vor Voruntersuchungen im Gange. Wichtig ist wirklich, dass wir Bernsdorf entlasten, speziell geht es um die Ampelkreuzung an der Straße des 8. Mai, wo es schon mehrere tödliche Verkehrsunfälle gab, und auch die Staatsstraße zwischen Wiednitz und Bernsdorf, wo es seit der Wende ebenfalls schon zwei Unfälle mit tödlichem Ausgang gegeben hat. Eine Verbindung zwischen Bernsdorf und dem Autobahnzubringer bei Lauta-Dorf wäre ideal. Dann bräuchten wir auch tatsächlich keine Ortsumfahrung von Wiednitz mehr.

Zurück zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl. Bedauern Sie, dass es keinen Gegenkandidaten gibt?

Ich mache mir immer wenig Gedanken um Dinge, die ich nicht beeinflussen kann.

Tag des offenen Unternehmens am Samstag und Bürgermeisterwahl am Sonntag. Wird das den Bernsdorfern nicht zu viel?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Dass beides nun an einem Wochenende stattfindet, ist daraus entstanden, dass von TDDK schon längerfristig für den 22. Juni der „Azubi- und Familientag“ geplant war. Da bot es sich an, das mit dem Tag des offenen Unternehmens zu verbinden. Ansonsten hätte der schon Ende Mai stattgefunden.

Wahlkampf als Einzelkandidat macht ja wenig Sinn. Trotzdem sind Plakate von Ihnen zu sehen. Warum das?

Ich habe 50 Plakate in der Stadt und den Ortsteilen aufgehängt. Genauso viele waren es auch schon bei der zurückliegenden Bürgermeisterwahl. Das ist ganz einfach meine Art, den Wählern gegenüber meinen Respekt zu bekunden, und natürlich auch ein Hinweis auf die Wahl, in der Hoffnung, dass möglichst viele wählen gehen.


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