SZ +
Merken

„Ich hätte einfach weitergehen sollen“

Auf dem Stadtfest in Heidenau gerieten zwei junge Männer aneinander. Für einen endete das vor dem Strafrichter.

Von Yvonne Popp
Teilen
Folgen
© dpa

Worum es eigentlich ging, daran können sich Täter und Opfer heute nicht mehr richtig erinnern. Beide hatten zum Stadtfest in Heidenau das ein oder andere Bier zu viel getrunken. In den frühen Morgenstunden des 26. Mai 2018 hatte der eine Mann seinen wesentlich stärker alkoholisierten Kumpel ins Sanitätszelt gebracht.

„Dort gab es dann Stress mit zwei anderen Männern. Ich habe gesehen, wie mein Freund herumgeschubst worden ist“, erzählt der 21-Jährige am Amtsgericht in Pirna. Er sei dann hingegangen. „Da gab es noch Diskussionen und dann kam schon der Faustschlag“, sagt er weiter. Dieser war so heftig, dass dem jungen Mann die Lippe aufgeplatzte und ein Schneidezahn zur Hälfte abbrach.

Die Polizei nahm den Vorfall auf, der Schläger stand nun vor dem Jugendschöffengericht in Pirna. „Der Schlag war völlig unnötig“, räumt der Angeklagte ein. „Ich hätte einfach weitergehen sollen“, meint er aus heutiger Sicht. Seiner Erinnerung zufolge war es damals wegen eines umgestoßenen Bieres zum Streit gekommen. Das wollte der 20-jährige Deutsche damals unbedingt ersetzt haben. Eine Weile sei es dann hin und her gegangen, bevor er schließlich zugeschlagen habe, schildert er. Im Gerichtssaal entschuldigt sich Benjamin G. für diesen Ausbruch.

Nicht das letzte Mal vor Gericht

Tatsächlich ist gewalttätiges Verhalten untypisch für den jungen Mann. Einträge ins Strafregister hat er dennoch, allerdings wegen anderer Delikte. Dafür hat er bereits eine Strafe im Jugendarrest absitzen müssen, kommt vor Gericht zur Sprache. Nach dieser Haft-Erfahrung habe er sein Leben umgekrempelt, versichert Benjamin G. dem Gericht. Von seinem alten Freundeskreis in Heidenau habe er sich zurückgezogen, lebt nun mit seiner Partnerin in einer eigenen Wohnung in Pirna und strebt eine Ausbildung an.

Sowohl die Jugendgerichtshilfe als auch die Staatsanwaltschaft würdigen, dass sich der Angeklagte redlich bemüht, sein Leben in geordnete Bahnen zu lenken. Auch das Jugendschöffengericht erkennt die positive Entwicklung an. Es spricht Benjamin G. zwar der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig, jedoch verhängt es keine kurze Bewährungsstrafe, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt. Das Gericht weist den jungen Mann lediglich an, einen sozialen Trainingskurs zu absolvieren.

Damit räumt es Benjamin G. einen großzügigen Vorschuss ein, denn er wird schon bald wieder vor Gericht erscheinen müssen. Ein Verfahren gegen ihn wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in sechs Fällen ist noch anhängig. Das sei noch einmal eine Hausnummer, für die er viele Pluspunkte brauche, begründet der vorsitzende Richter die Entscheidung.


Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/pirna vorbei.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

Und unseren ebenfalls kostenlosen täglichen Newsletter abonnieren Sie unter www.sz-link.de/pirnaheute.