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Riesa

„Ich hätte nie damit gerechnet, dass so viele helfen“

Als Anfang Juli eine Wohnung  ausbrennt, ruft Ramona Kasüske eine Spendenaktion für die Betroffenen ins Leben. Die Resonanz darauf überwältigt sie.

Die Strehlaerin Ramona Kasüske hat einem befreundeten Vater-Sohn-Paar nach einem Wohnungsbrand geholfen und eine Spendenaktion ins Leben gerufen, bei der viele Menschen sich beteiligten.
Die Strehlaerin Ramona Kasüske hat einem befreundeten Vater-Sohn-Paar nach einem Wohnungsbrand geholfen und eine Spendenaktion ins Leben gerufen, bei der viele Menschen sich beteiligten. © Eric Weser

Strehla. Ramona Kasüske ist zu Hause, als es passiert. „Ich habe die Sirene gehört, die ging ja an dem Tag ununterbrochen“, erzählt die Strehlaerin. Es ist Dienstag, der 2. Juli 2019. Jener Tag, an dem Feldbrände die Region in Atem halten. Am Abend können die Einsatzkräfte gerade noch eine Katastrophe in Pochra abwenden und eine Feuerwalze, die von einem Feld heranrollt, rechtzeitig stoppen.

Für die Kameraden aus Strehla, Cavertitz und Oschatz war es das aber nicht. Denn gegen 21 Uhr werden sie auch noch zu einem Wohnungsbrand an die Riesaer Straße alarmiert. Jenen Brand, den Ramona Kasüske von ihrem Wohnzimmer aus sieht. Ihr wird relativ schnell klar, dass es die Wohnung eines Bekannten ist, in der es da brennt. „Ich bin dann auch gleich raus, um zu schauen, ob ich helfen kann“, erzählt die Strehlaerin. „Ich habe fast 15 Jahre im Rettungsdienst gearbeitet.“

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Helfen wird Ramona Kasüske, die inzwischen an anderer Stelle aber noch immer im Gesundheitswesen arbeitet, wenig später auf eine ganze eigene Weise. Noch an dem Abend startet sie eine Spendenaktion über das soziale Netzwerk Facebook. „Hallo ich wende mich an alle, weil ich Eure Hilfe brauche. Heute Abend ist von einem Freund von mir ... die Wohnung total ausgebrannt“, schreibt sie dort. „Er ist alleinerziehender Vater eines elfjährigen Sohnes. Er ist trotz der Erziehung seines Sohnes berufstätig. Beide stehen vor dem Nichts und haben alles verloren ... Wer kann helfen? Es wird alles benötigt.“

Der Aufruf macht binnen kürzester Zeit die Runde. „Die ersten haben mir noch in derselben Nacht geschrieben“, erzählt Ramona Kasüske. In der Zeit nach dem Brand habe ihr Handy nicht mehr stillgestanden. Viele Menschen, vor allem aus Riesa und der Umgebung, melden sich. Mancher möchte Geld geben. Andere spenden Kleidung, wieder andere Möbel. „Ich habe dann gemanagt, dass die Sachen eingelagert werden“, so die Strehlaerin. Vom Bett über die Couch bis zur Schrankwand sei dank einer zweistelligen Zahl an Spendern so gut wie alles da, was benötigt werde. Alles sei brauchbar. – Die große Hilfsbereitschaft hat Ramona Kasüske überwältigt. „Wahnsinn. Ich hätte nie damit gerechnet, dass so viele helfen wollen.“ Sie freue sich, dass so etwas überhaupt noch gebe. „Dass andere für andere da sind, die in so eine Situation kommen.“ Zu ihrer eigenen Motivation sagt die Strehlaerin, sie habe ein Helfersyndrom. „Ich bin für jeden da, der Hilfe braucht.“

Nach ihrem Bekannten und dessen Sohn gefragt, erzählt Ramona Kasüske, beiden gehe es gut. In die Öffentlichkeit würden sie nicht wollen. Momentan lebt das Vater-Sohn-Duo in einer Gastwohnung in Strehla, die ihr Vermieter zur Verfügung gestellt hat. Dass beide das schlimme Ereignis, bei dem sie bis auf wenige Erinnerungsfotos im Grunde die gesamte Existenz verloren haben, ganz gut verkraftet hätten, verdanke sich auch den vielen Unterstützern, meint Ramona Kasüske. Die am 2. Juli ausgebrannte, inzwischen leer geräumte Wohnung soll nun wieder hergerichtet werden. Geplant sei, dass Vater und Sohn wieder einziehen. Das bestätigt auch Vermieter Wolfgang Ruhland, der eine Sanierung bis November für realistisch hält.

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