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„Ich möchte einen anderen Führungsstil“

Fünf Kandidaten wollten Bürgermeister von Hirschstein werden. Einer davon ist Frank Werner aus Heyda.

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Frank Werner ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnt in Heyda. Der gelernte Facharbeiter für Übertragungstechnik qualifizierte sich zu DDR-Zeiten zum professionellen Schallplattenunterhalter an der Kulturakademie Dresden. Seit 1990 ist er selbstständig, war von 2007 bis 2011 in Köln u.a. als Vorstand der DIY Academy AG und Geschäftsführer der Deutschen Event- und Marketing GMBH tätig, betreibt heute die Veranstaltungsagentur Santis Showline mit den Bereichen Kinderarena und Baumarktevents.

Herr Werner, warum wollen Sie Bürgermeister in der Gemeinde Hirschstein werden?

Ich möchte Hirschstein als selbstständige Gemeinde voranbringen und vor allem einen neuen Führungsstil einbringen. Die Bürger sollen in Entscheidungen einbezogen werden, bevor diese gefällt werden, beispielsweise mit Einwohnerversammlungen, offenen Informations- und Diskussionsveranstaltungen. Ich möchte mehr auf die Leute zugehen als das bisher der Fall war.

Zum Beispiel?

Nun, der Bau der neuen Kinderkrippe in Prausitz und die gleichzeitige Schließung der Einrichtung in Bahra ist so ein Fall. Wir müssen bei solchen Sachen frühzeitig informieren und eine offene Diskussion führen.

Welche kommunalpolitischen Erfahrungen haben Sie bisher gesammelt?

Seit dem vergangenen Jahr bin ich für die Wählervereinigung „Für eine starke Gemeinde Hirschstein“ im Gemeinderat, engagiere mich zudem in verschiedenen Vereinen, vor allem im Heimat- und Förderverein.

Warum sollten die Hirschsteiner Sie wählen?

Weil ich aus der Gemeinde stamme, hier geboren bin, hier lebe und tief verwurzelt bin. Ich kenne die Leute, deren Sorgen und Probleme. Das Gespräch über den Gartenzaun, im Dorf, beispielsweise beim Joggen ist mir sehr wichtig. Zudem habe ich konkrete Ziele mit einer entsprechenden Zeitschiene für Vorhaben in unserer Gemeinde.

Welche Chancen rechnen Sie sich für die Wahl aus?

Wer bei einer Bürgermeisterwahl antritt, hat immer das Ziel zu gewinnen. Sollte es im ersten Wahlgang nicht reichen, werde ich auch im zweiten Wahlgang antreten.

Welches Problem würden Sie als erstes anpacken im Falle Ihrer Wahl?

Es gibt mehrere Brennpunkte: das Schloss Hirschstein, die Kindereinrichtungen, die beiden Gaststätten in Prausitz und Boritz.

Haben Sie Ideen, wie das Schloss Hirschstein künftig genutzt werden könnte?

Ja, ich habe ein Konzept, doch es ist in der derzeitigen Konstellation nicht umsetzbar. Ich hoffe, dass sich das nach der Wahl ändert. Mehr möchte ich dazu im Moment nicht sagen.

Und die Gasthöfe?

Die „Dorfheimat“ in Prausitz ist schon einige Zeit zu, das „Goldene Lamm“ in Boritz wird demnächst schließen. Wenn es nicht gelingt, Pächter für diese gemeindeeigenen Gebäude zu finden, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Zum Beispiel die Räume für Vereine zu nutzen oder für Familienfeiern zu vermieten. Wir sollten auch versuchen, das neue Leader-Förderprogramm zu nutzen.

Wie lange glauben Sie kann eine Gemeinde wie Hirschstein mit rund 2 000 Einwohnern selbstständig bleiben?

Aus finanziellen Gründen ist es derzeit nach meinem Kenntnisstand möglich, dass wir weiterhin selbstständig bleiben können. Wenn es uns gelingt, junge Familien anzusiedeln, wird das auch so bleiben. Dazu müssen wir aber zum Beispiel günstiges, bezahlbares Bauland anbieten, uns um unseren Leerstand in den Dörfern kümmern, sowie Schulen und Kindereinrichtungen in der Gemeinde halten.

Falls eine Fusion mit einer anderen Gemeinde ansteht, wer wäre ihr Favorit und warum?

Hirschstein sollte im ländlichen Raum bleiben, die Stadt Riesa scheidet für mich deshalb als möglicher Fusionspartner aus. Der linkselbische Teil von Diera-Zehren wäre zwar eine Option, doch die Gemeinde ist ja noch an den Bürgerentscheid gebunden, darf sich vorläufig nicht aufspalten. Stauchitz wäre deshalb eine realistische Option.

Sie sind selbstständig, betreiben seit 1990 eine Veranstaltungsagentur, die Zelte, Hüpfburgen, Moderation, Tanzböden u.a. verleiht. Wollen Sie diese Firma im Falle einer Wahl nebenberuflich weiter betreiben?

Nein, auf keinen Fall. Bürgermeister ist ein Vollzeitjob. Sollte ich zum Bürgermeister gewählt werden, übernimmt mein ältester Sohn die Firma und diese wird entsprechend umstrukturiert.

Das Gespräch führte Jürgen Müller

Informationsabende finden am 1. Juni im Gasthof Prausitz 19 Uhr, am 2. Juni im Dorfgemeinschaftshaus Mehltheuer und am 4. Juni in der Feuerwehr Heyda statt. Beginn ist jeweils 19 Uhr.