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„Ich muss meinen eigenen Stil finden“

Bürgermeister Frank Seifert zieht nach seinen ersten 100 Tagen im Amt für den DA Bilanz.

Er ist der Neue im Stauchitzer Bürgermeisterbüro. Vor gut 100 Tagen wagte Frank Seifert (parteilos) den Sprung von der Fleischtheke im Riesaer Real-Markt auf den Gemeinde-Chefsessel im Rittergut Staucha. Was er in seiner neuen Funktion seither alles gelernt und angeschoben hat, berichtet der 57-Jährige nun ausführlich im DA-Interview.

Herr Seifert, Sie sind seit Anfang August Bürgermeister in Stauchitz. Sind Sie inzwischen im Amt angekommen?

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Ja, ich fühle mich angekommen. Der August und der September waren noch recht ruhige Monate, seit Oktober läuft nun das Amtsgeschäft richtig an. Das war ideal, denn so konnte ich mich zunächst mit allem vertraut machen. Ich habe diese ruhigere Übergangsphase genutzt, um die Verwaltung und die Strukturen kennenzulernen, habe mich vielen Menschen in und außerhalb der Gemeinde vorstellen können, an einigen Personalversammlungen teilgenommen und natürlich auch schon mit den wichtigen Objekten der Gemeinde beschäftigt, zum Beispiel mit den Kindertagesstätten.

Sie mussten doch aber auch schon Entscheidungen für die Gemeinde treffen?

Ja, natürlich. Der Brückenbau über die Jahna in Seerhausen war eines der ersten Projekte, bei denen ich die Bauaufträge unterzeichnen musste. Die Brücke ist inzwischen fertiggestellt. Ein weiteres großes Bauprojekt ist der Durchlass in Ibanitz. Zudem läuft derzeit die Baumaßnahme für den neuen Schulsportplatz und die Außenanlagen der Grundschule Ragewitz. Hier starten bald die Pflasterarbeiten.

Gab es auch schon Gelegenheiten, Neuerungen anzustoßen?

Ich versuche, mit den Kollegen in Nachbargemeinden ins Gespräch zu kommen. Es wird keine Zusammenschlüsse geben, das ist wirklich nicht geplant. Aber wir sollten in Zukunft versuchen, uns für kulturelle Veranstaltungen oder auch unsere Markttage hier in Staucha noch stärker zu vernetzen. Wichtig ist, dass die Informationen besser weitergetragen werden. Denn Ostrau oder Lommatzsch ist fast näher als Riesa für uns – und daher sollten wir zusehen, dass die Grenzen hier auch nicht so stur gezogen werden. Zudem bin ich jetzt Mitglied im Koordinierungskreis Lommatzscher Pflege.

Sie haben im Wahlkampf auch mit einer soliden Finanzaufstellung für die Gemeinde geworben. Wie wird sich das im Haushaltsplan für 2014 zeigen?

Die Finanzen der Gemeinde sind solide aufgestellt. Ich arbeite in diesem Punkt eng mit der Kämmerin zusammen. Sie ist eine der wichtigsten Personen für die Gemeinde, und ich muss mich auch auf ihr Wissen verlassen können. Stauchitz hat in den vergangenen Jahren sehr viel Geld in den Ausbau von Kitas und Schulen investiert. Für mich ist es nun das Wichtigste, diesen Status zu erhalten. Priorität hat bis 2014 jedoch zunächst einmal die Umsetzung des Abwasserbeseitigungskonzepts in der Gemeinde. Große Investitionen müssen daher erst einmal ruhen. Ich hoffe, meine Bürger haben dafür Verständnis.

Bei all den verantwortungsvollen Aufgaben als Gemeindechef: Vermissen Sie die Fleischtheke im Real manchmal?

Das Gleiche hat mich erst meine Frau gefragt. Ich muss sagen, dass ich den alten Job wirklich nicht vermisse. Ich unterhalte mich immer noch gern mit den früheren Kollegen, bin aber mit dem neuen Job jetzt voll ausgefüllt und auch erfüllt. Meine Woche ist mittlerweile oft von Montag bis Sonnabend ausgebucht, aber das stört mich nicht. Ich habe auch nie den Eindruck gehabt, dass ich das Bürgermeisteramt nicht schaffen könnte. Ganz abgesehen davon kann ich meine Kenntnisse aus der Wirtschaft in der Gemeindearbeit, vor allem in Bezug auf den Umgang und die Einbeziehung der Mitarbeiter in Entscheidungen, oft anwenden.

Peter Geißler hat die Gemeinde sehr lange geprägt. Ist es manchmal nicht schwer, in diese Fußstapfen zu treten?

Die Messlatte liegt hoch, und oft höre ich den Satz: „Beim alten Bürgermeister war das aber so und so ...“ Aber man muss auch sehen, dass das noch andere Zeiten waren. Ich denke, was hier seit der Wende geschaffen worden ist, ist enorm, und Herr Geißler hat einen großen Anteil daran, dass die Gemeinde heute besser dasteht als andere. Trotzdem merke ich inzwischen, dass man als Bürgermeister seinen eigenen Stil finden muss. Bis ich diesen gefunden habe, werden sicher noch einmal 100 Tage ins Land gehen, aber ich habe viele Ideen.

Wie haben sie die Bürger denn insgesamt aufgenommen?

Die Bürger akzeptieren mich sehr gut. Manchmal komme ich bei den vielen Einladungen, die ich von Vereinen oder der Feuerwehr erhalte, gar nicht hinterher. Ich versuche, immer ein offenes Ohr für die Menschen in der Gemeinde zu haben. Die haben mich schließlich auch gewählt, weil ich versprochen habe, dass ich für sie da bin, und das möchte ich halten.

Gespräch: Nicole Czerwinka