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„Ich muss nicht immer klatschen“

CDU-Abgeordnete Daniela Kuge will sich im Landtag eine eigene Meinung bewahren – auch in Sachen Pegida.

© hübschmann

Seit 143 Tagen vertreten Sie den Wahlkreis Meißen als direkt gewählte Abgeordnete im Landtag. Fühlen Sie sich mittlerweile dort zu Hause?

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Mein Zuhause ist Meißen. Aber beruflich gesehen bin ich gut in Dresden gelandet. Der Anfang hat sich ein bisschen so angefühlt, als wäre ich neu in eine Schulklasse gekommen. Mein Kollege Sebastian Fischer aus Großenhain war bei den ersten Schritten sehr behilflich. Andere Kollegen haben erst einmal Distanz gewahrt. Mittlerweile hat sich ein fester Rhythmus eingestellt. Die Sitzungen im Landtag und seinen Ausschüssen wechseln sich ab mit der vorbereitenden Arbeit in der Fraktion und den Sprechstunden sowie Besuchen im Wahlkreis. Oft ist es so, dass ich die Wohnung spätestens acht Uhr verlasse und kaum vor 22 Uhr zurück bin.

Wie kommen Sie mit den anderen Abgeordneten aus Ihrer Partei und von der Opposition zurecht?

Für mich zählt das persönliche Gespräch. Im direkten Kontakt versuche ich auszuloten, wie weit die Übereinstimmung geht. Das ist mir genauso wichtig, wie eine eigene Meinung und meine Unabhängigkeit. Ich muss nicht bei jedem Redner der Regierungskoalition klatschen oder umgekehrt bei der Opposition Buh rufen. Den rauen Ton im Sitzungssaal empfinde ich als befremdlich.

Womit hatten Sie nicht gerechnet, als Sie Landtagsmitglied wurden?

Der Zeitaufwand für Schreibarbeit ist doch sehr hoch. Momentan bin ich dabei, Petitionen – also Eingaben – aufzuarbeiten, die teilweise bis 2012 zurückgehen. Da muss zunächst gesucht werden, welches Ministerium sich der Sache annimmt. Wenn die Fachleute geantwortet haben, bringen meine Mitarbeiterinnen und ich den Inhalt in eine für die Bürger verständliche Form. Da sind wir bei einem Punkt, der gerade jetzt sehr stark diskutiert wird. Politik muss wieder verständlich werden für die Wähler.

Wie schätzen Sie die ersten Monate der Landesregierung ein? Kantersieg oder Fehlstart?

Um es etwas sanfter auszudrücken: Es ist eine solide Arbeitsgrundlage. Persönlich freue ich mich über die Ernennung der Sozialministerin Barbara Klepsch und des Justizministers Sebastian Gemkow.

Ganz konkret: Was möchten Sie dieses Jahr im Landtag für Ihre Wähler erreichen?

Mir geht es darum, Mittel und Wege zu finden, wie wir Frauen in normalen Berufen helfen können, Familie und Arbeit besser miteinander zu verbinden. Wie lassen sich die Arbeitszeiten an die Bedürfnisse der vielen alleinerziehenden Mütter anpassen? Das ist wichtiger als die Frauenquote in Führungspositionen, weil es viel mehr Menschen betrifft. Sicher wird es dieses Jahr nicht gleich eine fertige Lösung geben. Aber wir arbeiten daran.

Mit welchen Anliegen treten die Wähler an Sie heran?

Erst einmal freue ich mich, dass die Nachfrage so hoch ausfällt. Damit sind wir wieder beim Thema. Politiker haben in den vergangenen Jahren oft zu wenig zugehört und zu schnell abgewiegelt. Auch das ist eine Ursache für Pegida. Meistens sind die Besucher schon dankbar, einfach mal mit jemanden über ihr Problem reden zu können. Das muss nicht immer die große Politik sein, und ich bin auch gar nicht immer zuständig als Landtagsabgeordnete. Aber trotzdem gebe ich eine Antwort und vermittle Ansprechpartner. Egal ob das jetzt die Sorgen wegen des Ausbaus der Mülldeponie in Gröbern sind oder die Beschwerden zu den Zigarettenkippen auf dem Busbahnhof in Meißen. Die Leute haben ein Recht darauf, wahrgenommen und ernst genommen zu werden.

Pegida-Mitorganisator Thomas Tallacker ist weiterhin CDU-Mitglied. Wie stehen Sie dazu?

Das Parteiausschlussverfahren geht jetzt im Januar weiter. Es wurde nach seinem Unfall auf meinen Wunsch ausgesetzt – auch das gehört bei mir dazu. Es ist schwer zu beurteilen, was ihn bewegt. Er bringt sich eben auch sehr stark sozial ein.

Das Gespräch führte Peter Anderson.

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