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Zittau

"Ich rechne mir große Chancen aus"

Christian Siegert tritt im Zittauer Wahlkreis für die AfD als Direktkandidat an und sagt im SZ-Gespräch, was er sich vorgenommen hat.

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- © Matthias Weber/SZ-Bildstelle

Am 1. September wird ein neuer sächsischer Landtag gewählt. Die SZ stellt die Kandidaten im Zittauer Wahlkreis vor. Heute: Christian Siegert (AfD)

Herr Siegert, ist es Ihnen schwer gefallen für die AfD anzutreten?

Görlitz – Immer eine Reise wert
Görlitz – Immer eine Reise wert

Die Stadt Görlitz wird von vielen als „Perle an der Neiße“ oder „schönste Stadt Deutschlands“ bezeichnet. Warum? Das erfahren Sie hier.

Ein ganz klares Nein.

Seit wann sind Sie in der Partei?

Seit zwei Jahren.

Was war der Grund, aus dem Sie eingetreten sind?

Ich bin ohnehin ein politischer Mensch. Der ausschlaggebende Punkt war 2015 das Öffnen der Grenzen und der ungebremste Zustrom von Wirtschaftsflüchtlingen. Es gibt aber noch viele andere Punkte wie den aufgeblähten Beamtenapparat unseres Staates. Ich kämpfe zum Beispiel seit vier Jahren darum, die Flugarena für unsere Greifvögel in Lawalde uneingeschränkt nutzen zu dürfen. Es geht um 28 Bänke auf meinem Grund und Boden, bei denen 36 Institutionen "Ja" sagen müssen. So verprellt man Leute, die etwas bewegen und investieren wollen.

Wie kommt ein Lawalder auf die Idee in Zittau als Direktkandidat anzutreten? Löbau hätte doch näher gelegen.   

Das war eine Entscheidung der Partei. Sie hat gesagt: Du bist in Zittau bekannter als Mario Kumpf.

Wie viel Prozent der Stimmen erhoffen Sie sich?

Dazu möchte ich mich nicht äußern. 

Anders gefragt: Rechnen Sie sich große Chancen gegen den CDU-Platzhirsch Stephan Meyer aus?

Ja.

Was haben Sie, was Herr Meyer nicht hat?

Er ist Berufspolitiker mit der Karriere "Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal". Er kann mit seinen 38 Jahren noch nicht viel Praxis-Erfahrung gesammelt haben, muss aber im Landtag dauernd praktische Entscheidungen treffen. Ich dagegen bin seit 28 Jahren Unternehmer und weiß, wovon ich rede.

Darauf beruht Ihr Optimismus?

Nein, der kommt von den tagtäglichen Kontakten mit der Bevölkerung. Dort höre ich: Die CDU hat - auch in Koalitionen - 30 Jahre Zeit gehabt, einiges besser zu machen. Nur ein Beispiel, was wir hier ständig vor Augen haben: die neue B178. Es ist eine Schande, dass sie immer noch nicht fertig ist. Die CDU redet neuerdings von der Stärkung des ländlichen Raums und bekommt noch nicht einmal eine Straße gebaut.

Wie hätte die CDU denn die Planungsschleifen, in denen die Behörden gefangen sind, durchbrechen sollen?

Zum Beispiel in dem sie die Voraussetzungen schafft, mit den Gegnern spricht und Lösungen findet. Wer zum Beispiel Ausgleichspflanzungen für die Straße auf den besten Böden der Bauern zulässt, darf sich nicht wundern, wenn es Gegenwind gibt.

Kultur und die Lohnangleichung zwischen Ost und West sind nicht Ihre Themen, haben Sie im Interview mit dem MDR gesagt. Was sind Ihre Themen?

Landwirtschaft und Naturschutz. Auf diese Gebiete, von denen ich glaube, dass ich etwas davon verstehe, will ich mich konzentrieren.

Wie stehen Sie als Naturschützer zu Windrädern?

Wenn man das ganze Geld, mit dem wir die Windräder subventioniert haben, genommen und in die Weiterentwicklung der Atomenergie gesteckt hätte, wäre mir wohler. Die Windräder machen großen Schaden in der Natur. 2.500 Milane, 1.100 Bussarde und 24.000 Fledermäuse sterben jährlich in Deutschland durch die Flügel. 

Sie würden also lieber Atom- und Kohle-Kraftwerke weiter betreiben?

Ja, solange es keine preiswertere Alternative gibt. 

Wie wollen Sie die CO2-Emissionen reduzieren, wenn die Kohlekraftwerke am Netz bleiben würden?

Warum reduzieren? Die CO2-Konzentration in der Luft ist doch sehr gering und jede Pflanze braucht CO2 zum Leben.

Aber viele renommierte Wissenschaftler sagen: Zu viel CO2 ist gefährlich.

Es gibt diese und jene Wissenschaftler. Es kommt darauf an, in welche Kirche man geht. Außerdem produziert Deutschland nur 0,2 Prozent der weltweiten, menschengemachten CO2-Emissionen.

Aber einer muss doch anfangen.

Hat das Sinn, wenn weltweit der Bau von über 1.000 Kohlekraftwerken geplant ist?

Zurück zur Landespolitik: Was soll sich bei Naturschutz und Landwirtschaft in den nächsten fünf Jahren ändern, wenn Sie gewählt werden?

Die Bejagbarkeit des Wolfes muss festgeschrieben werden, auch, damit die Befürworter der Entnahmen keine Morddrohungen mehr erhalten. Ich möchte, dass der Wolf aus unserer Kulturlandschaft zurückgedrängt wird und das diejenigen, bei denen er Schaden macht, zu 100 Prozent entschädigt werden.

Welcher Abschussbefürworter bekommt Morddrohungen?

Zum Beispiel die Landräte Lange und Harig.

Wirklich Morddrohungen?

Gelesen habe ich sie nicht, aber das ist mir zugetragen worden. Drohungen waren es auf jeden Fall.

Was haben Sie gegen den Wolf?

Er steht nicht mehr auf der roten Liste der von Aussterben bedrohten Tiere. Vermutlich liegt der Anteil der gefährlichen Hund-Wolfshybriden an der Population inzwischen bei 60, 70 Prozent ...

Wie bitte?

Ja, in der Population ist schon so viel Hund drin. Die Stadtbevölkerung findet den Wolf Klasse und hier hergehörend. Die Landbevölkerung sieht das anders. Es kann doch nicht sein, dass man einer jungen Familie mit kleinen Kindern, die im Wald spazieren gehen will, sagt: Der Wolf beißt euch nicht. 

Wie erklären Sie sich dann, dass es seit der Wiedereinwanderung des Wolfes in die Lausitz vor 20 Jahren noch keine Angriffe auf Menschen gegeben hat?

Weil es noch genügend Wild und Haustiere als Nahrungsgrundlage gibt. Es dauert vielleicht noch eine Weile, aber dann werden Menschen angegriffen, denn die Nahrungsgrundlage wird kleiner. Wegen der Wölfe gibt es zum Beispiel bei uns keine Mufflons mehr. Das ist meiner Meinung nach übrigens auch eine Enteignung der Jagdgenossenschaften.

Sie sind selber Jäger. Verstehen Sie sich als Lobbyist für Jäger und Landwirte?

Ja.    

Was möchten Sie außerhalb Ihrer Kernthemen in den nächsten fünf Jahren umgesetzt sehen?

Die B178 muss fertig werden und die GEZ gehört abgeschafft. Die Gebühr soll die Grundversorgung sichern. Zum einen beweisen die Privatsender, dass es auch ohne Gebühren geht. Zum anderen haben 130 öffentlich-rechtliche Sender nichts mehr mit Grundversorgung zu tun. Zumal sie für meinen Geschmack nicht umfassend und objektiv berichten.

Bei welchem Thema zum Beispiel?

Für mein Dafürhalten ist angesichts der Tragweite über die Gelbwesten-Proteste in Frankreich viel zu wenig berichtet worden.

Ein AfD-Kernthema ist die Flüchtlingspolitik, die Sie schon ansprachen. Wie stehen Sie zum Flüchtlingsthema?

Ein Flüchtling, dem zu Hause nach dem Leben getrachtet wird, hat das Recht, bei uns zu bleiben. 

Und die anderen?

Wirtschaftsflüchtlingen dürfen gar nicht erst reingelassen werden. Die Ursachen für ihr Kommen sind vor Ort zu bekämpfen. Und Kriminelle sind auszuweisen. 

Wie wollen Sie den Fachkräftemangel ohne Zuzug bewältigen?

Nicht mit Analphabeten. Wir können das in Europa klären, wo alle in der abendländlichen Kultur zu Hause sind. 

Sympathisieren Sie mit dem "Flügel" in der AfD?

Das hat damit nichts zu tun. Ich bin nur dafür, dass unsere Gesetze einhalten und nicht ausgehebelt werden. Das würde schon reichen, damit sich vieles zum Positiveren wendet.

Sie haben meine Frage nicht beantwortet.

Nein, ich sympathisiere nicht mit dem Flügel. Trotzdem möchte ich, dass die Willkommenskultur abgeschafft wird.

Christian Siegert im Internet: Greifvogelwarte Oberlausitz

Christian Siegert ist 63 Jahre alt, verheiratet und hat vier Kinder. Der diplomierte Agraringenieur ist gebürtiger Schönbacher, lebt in Lawalde und ist selbstständiger Unternehmer im Futtermittel-Verkauf. Öffentlich bekannt geworden ist der Hobby-Falkner durch seine Flugshows.

Anmerkungen der Redaktion: 

Der Aussage "Vermutlich liegt der Anteil der gefährlichen Hund-Wolfshybriden an der Population inzwischen bei 60, 70 Prozent ..." von Christian Siegert widerspricht das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und stützt sich dabei auf die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, die erklärt: "Die Hybridisierungsrate beträgt anhand der umfassenden Datenerhebung aus dem Wolfsmonitoring unter 1 Prozent."

Der Aussage von Christian Siegert, dass die Abschussbefürworter "Landräte Lange und Harig" Morddrohungen erhalten hätten, widerspricht Landrat Bernd Lange (CDU). "Im Zusammenhang mit der Diskussion um den Abschuss von Wölfen hat Landrat Bernd Lange eine Vielzahl an Beleidigungen und Anzeigen erhalten. Morddrohungen hat er jedoch nicht erhalten", teilte eine Sprecherin des Landratsamtes nach Rückfrage beim Landrat mit. 

Für den Bautzener Landrat stimmt die Aussage. "Es stimmt und es kam mehrere Male vor", teilte das Bautzener Landratsamt im Namen Harigs mit. "Im Wesentlichen handelt es sich um Mails aus ganz Deutschland, meist von eifernden Umweltschützern. Sinngemäß wurde formuliert, dass nicht die Wölfe, sondern der Landrat abgeschossen werden solle. Bei zu direkten Formulierungen wurden Strafanzeigen gestellt, welche aber wegen der Anonymität regelmäßig ins Leere laufen."

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