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Döbeln

„Ich renne nicht mit einem Messer durch die Gegend“

Ein 58-jähriger Döbelner soll einen 24-Jährigen erheblich mit einem Messer verletzt haben. Zeugen widersprechen sich.

© David-Wolfgang Ebener/dpa (Symbolbild)

Von Helene Krause

Döbeln. Zu einer gefährlichen Körperverletzung soll es am späten Abend des 30. April 2018 an der Einmündung Albertstraße/Waldheimer Straße in Döbeln gekommen sein. 

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Nach einer verbalen Auseinandersetzung soll dort ein Mann einen 24-jährigen am Rucksack und an der Kleidung gepackt und ihm, mit einem Messer, das eine 15 Zentimeter lange Klinge hatte, Hautverletzungen am rechten Ober- und linken Unterarm, am oberen Rücken und unter der Brust beigebracht haben. Wegen des Vorfalls stand ein 58-jähriger Mann aus Döbeln vorm Amtsgericht. Vorgeworfen wurde ihm gefährliche Körperverletzung.

Die Tat leugnete der Angeklagte. „Wie kommt man auf mich?“, fragte er. „Ich kenne die Leute nicht, die mich beschuldigen. Ich weiß auch nicht, was es für eine Auseinandersetzung war. Ich renne nicht mit einem Messer durch die Gegend.“ 

Wie er schilderte, stehen manchmal Jugendliche nachts vor dem Haus in der Waldheimer Straße und lärmen herum. Deswegen und auch weil es um Drogen ging, wäre die Polizei schon öfter dort gewesen. In dem Haus, in dessen Nähe die Tat geschehen sein soll, wohnt seine schwerstbehinderte Mutter. Ab und zu muss er bei ihr nach dem Rechten schauen. „Es kann schon sein, dass ich aus dem Fenster geschaut und gesagt habe, dass sie verschwinden sollen“, sagte er.

Der Geschädigte und weitere Zeugen schildern das Geschehen unterschiedlich und widersprüchlich. Während sie bei der Polizei aussagten, dass die Tatwaffe ein Messer gewesen sei, sprachen sie in der Verhandlung von einem Schraubenzieher. Einig sind sie sich nur, in der Tatnacht vor dem Haus in der Waldheimer Straße gestanden, sich unterhalten und laut Musik gehört zu haben.

Ein Mann hätte dann in dem Haus ein Fenster geöffnet und gebrüllt, sie sollten verschwinden, sonst würde er runterkommen. Sie hätten eine Weile gewartet und wären dann weggegangen. Da wäre der Mann gekommen und hinter dem Opfer hergerannt. Die hätten sich in einen Hauseingang geflüchtet. Ob der Angeklagte der Mann war, der aus dem Fenster schaute und ob er mit dem identisch ist, der später auf das Opfer einstach, wusste keiner der Zeugen. Erkannt haben sie ihn nicht. Seinen Namen wussten sie nur vom Hörensagen.

Zwei weitere Zeugen waren nicht zur Verhandlung erschienen. Sie erhielten deshalb ein Ordnungsgeld von 150 Euro, zahlen sie nicht, müssen sie ersatzweise drei Tage in Ordnungshaft. Der mutmaßliche Geschädigte, der ebenfalls aus Döbeln stammt, ist gerichtsbekannt. Schon mehrfach saß er auf der Anklagebank. Seine Verletzungen, die nach der Tat von der Polizei dokumentiert wurden, waren auch nicht frisch, sondern schon vernarbt.

Richterin Marion Zöllner sprach den Angeklagten frei. „Ich habe ganz erhebliche Zweifel, dass es die Auseinandersetzung gegeben hat“, sagte sie in der Urteilsbegründung. Auf Freispruch hatte auch die Staatsanwaltschaft plädiert. Das Urteil ist rechtskräftig.