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"Ich stehe für Sach-, nicht für Parteipolitik"

Johannes Nitzsche wurde zum Bürgermeister von Oßling gewählt. So geht er an seine neue Aufgabe heran.

Der neue Bürgermeister von Oßling: Johannes Nitzsche von der Wählervereinigung "Bündnis Zukunft gestalten". Bei der Wahl am 2. August stimmten 651 Personen – 53,3 Prozent der Wähler – für ihn.
Der neue Bürgermeister von Oßling: Johannes Nitzsche von der Wählervereinigung "Bündnis Zukunft gestalten". Bei der Wahl am 2. August stimmten 651 Personen – 53,3 Prozent der Wähler – für ihn. © Matthias Schumann

Oßling. Die Oßlinger haben am vergangenen Sonntag ein neues Gemeindeoberhaupt gewählt. Der parteilose Johannes Nitzsche (31) ist für die Wählervereinigung "Bündnis Zukunft gestalten" angetreten. Sächsische.de sprach mit ihm über seine Pläne. 

Herr Nitzsche, wie bewerten Sie das Wahlergebnis?

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Ich habe mich auf beide mögliche Wahlausgänge eingestellt. Das Ergebnis war knapp, aber es ist ein Lohn für die viele Arbeit im Wahlkampf und auch für meine bisherige Tätigkeit im Gemeinderat. Den Wahlabend habe ich ganz privat mit einigen Unterstützern ausklingen lassen. Landrat Michael Harig hat mir übrigens noch am Wahlabend gratuliert.

Sie arbeiten derzeit noch als Ingenieur für Werksplanung bei Accumotive in Kamenz. Diese Arbeit müssen Sie aufgeben. Werden Sie kündigen, und wann fangen Sie als Bürgermeister in Oßling an?

Ich hatte schon mit meinem Chef bei Accumotive geredet, als klar war, dass ich als Bürgermeister kandidiere. Jetzt werde ich  kündigen und dann meine Arbeit in der Gemeinde voraussichtlich am 14. September aufnehmen.  

Sind schon Absprachen mit dem bisherigen Amtsinhaber zwecks einer Übergabe geplant?

Zuerst muss alles rechtlich abgeklärt werden, wann genau der Übergang erfolgt. Parallel dazu werde ich auf den Amtsinhaber zugehen, um alles genau abzusprechen. Aber erst einmal mache ich eine Woche Urlaub, um neue Kraft für die anstehenden Aufgaben zu tanken.

Sie selbst sind parteilos und Mitglied der Wählervereinigung "Bündnis Zukunft gestalten". Außerdem sitzen Sie für die AfD im Kreistag. Welche Rolle spielt AfD-Politik bei Ihrer künftigen Arbeit?

Ich bin parteilos und werde es auch bleiben. In unserer Wählervereinigung sind Menschen verschiedener politischer Ausrichtungen, uns geht es aber vor allem um eine gute und transparente Sachpolitik für Oßling. AfD-Politik wird in meiner Arbeit keine Rolle spielen. Ich stehe für Sach- und nicht für Parteipolitik. Ich bin den Bürgern verpflichtet.

Ihr Vater war selbst Bürgermeister von Oßling, ist jetzt Fraktionsvorsitzender der AfD im Kreistag. Wird er Ihre Arbeit beeinflussen?

Nein, er wird meine Arbeit nicht beeinflussen. Ich bin mit meinen 31 Jahren eine eigenständige Person. Das werde ich auch in Zukunft so zeigen.

Was wird eine Ihrer ersten Amtshandlungen als Bürgermeister sein?

Natürlich werde ich zuerst alle Gemeindemitarbeiter begrüßen und mich mit ihnen besprechen, wie die Lage im jeweiligen Bereich ist. Wichtig ist mir auch, dass wir offen darüber reden, wie ihre persönliche Situation bei der Arbeit ist. Sie können offen sagen, wie sie sich selbst die Zusammenarbeit vorstellen. Auf die Gemeinde bezogen ist eine der ersten Aufgaben, eine Lösung für das Problem der Niederschlagswassergebühr zu finden. Die Rechtsaufsicht drängt darauf, Gebühren zu erheben. Das muss erst alles genau abgewogen werden, um für die Bürger die bestmögliche Lösung zu erzielen.  

Welche größeren Aufgaben wollen Sie in der Anfangszeit in Angriff nehmen?

Bereits im Wahlprogramm hatte ich mir klare Ziele gesetzt. Eines der wichtigsten ist es, in jedem Ortsteil Bauland zu schaffen, um junge Familien auf dem Land zu halten beziehungsweise in die Gemeinde zu locken. Außerdem muss für die Milstricher Feuerwehr, die stärkste Wehr in der Gemeinde, eine neue räumliche Lösung geschaffen werden. Gleich nach der Einarbeitungszeit werde ich mit Rundgängen in allen Ortsteilen beginnen, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. 

Die Finanzsituation der Gemeinde Oßling ist nicht gerade rosig. Wie wollen Sie in diesem Bereich eine Verbesserung erzielen?

Wir müssen versuchen, die Ausgaben zu senken. Das ist möglich durch eine Umschuldung von Krediten, um die Tilgungsrate zu senken. Damit bleibt mehr Geld in der Gemeindekasse. Außerdem muss man versuchen, höhere Einnahmen zu erzielen - aber nicht über Steuererhöhungen. Ich denke da eher an die weitere Vermietung von gemeindeeigenen Räumen.

Außerdem will ich mir die Verwaltungsstruktur anschauen. Ein Teil der Aufgaben der Gemeinde  wird ja von umliegenden Kommunen wie Kamenz erledigt. Da muss man schauen, welche Variante finanziell die bessere für Oßling ist, und mit den Kommunen sprechen. Hier ist es aber wichtig, mit Augenmaß und in Abstimmung mit den Verwaltungsmitarbeitern vorzugehen. Und ein Punkt bei den Finanzen ist auch, Fördermittel konsequent zu nutzen.  

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, den Ortsteilen, den Vereinen, den Bürgern vor?

Offen und ehrlich - das ist mein Credo. So wie ich mit den Mitarbeitern offen kommuniziere, soll es auch mit allen anderen geschehen. Jeder kann auf mich zukommen und eine Problematik ansprechen oder Fragen stellen. Das Wichtigste in einer Gemeinde ist die Kommunikation, es geht um Transparenz der Arbeit. Nur alle zusammen können die Probleme im Ort lösen.

Die Arbeit als Bürgermeister erfordert einen großen Zeitaufwand, auch über gewöhnliche Arbeitszeiten hinaus. Wie wollen Sie Arbeit und Freizeit unter einen Hut bekommen?

Ich habe bisher in meiner Freizeit immer viel Sport getrieben. In Zukunft muss ich mich gut strukturieren, damit ich mindestens einmal die Woche Sport treiben kann. Denn körperliche Bewegung ist ganz wichtig.  

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