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„Ich traue mir das zu“

Martina Höllerl ist im Dorf als Heilpraktikerin bekannt. Doch sie bringt als Kandidatin für das Bürgermeisteramt weitaus mehr Berufserfahrungen mit.

Martina Höllerl tritt am 1. September als eine von zwei Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Lampertswalde an.
Martina Höllerl tritt am 1. September als eine von zwei Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Lampertswalde an. ©  Kristin Richter

Frau Höllerl, Sie hatten sich bereits 2014 für das Bürgermeisteramt in Lampertswalde zur Wahl gestellt. Was ist Ihr Beweggrund, es noch mal zu tun?

Damals war mein Hauptbeweggrund, dass die Leute eine Alternative zum Amtsinhaber erhalten, eine echte Wahl haben sollten. Aber viel wichtiger ist, dass ich mir dieses Ehrenamt zutraue. Ich möchte als Lampertswalder Bürgermeisterin Akzente setzen und gestalten. Ich möchte etwas bewegen, möchte für die Einwohner ansprechbar sein, was in unserer Gemeinde bisher für manche Bürger schwierig war.

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Warum sollten sich die Bürger der Gemeinde Lampertswalde für Sie entscheiden?

Ich bin seit zehn Jahren im Gemeinderat, jetzt wiedergewählt für weitere fünf Jahre, und bringe viel Erfahrung mit. Ich glaube, ich wäre eine gute Bürgermeisterin, ich stamme selbst vom Lande, kenne viele Leute, fühle mich den Dörfern verbunden. Und weil es immer wieder Dinge gibt, die mich berühren, wie der berühmte Stein im Schuh, wo ich denke, da müsste was passieren, da müsste man was tun, da muss sich was ändern.

Welcher Stein im Schuh drückt Sie denn am meisten?

Es gibt einigen Sachen, die mir da am Herzen liegen. Zum Beispiel bei der Kinderbetreuung. Da hätte ich gern ein neues Konzept. Dabei geht es mir nicht darum, alles über den Haufen zu werfen, sondern Bewährtes zu erhalten. Besonders gut finde ich, dass wir uns als Gemeinde eine eigene Küche leisten, wo wir vollwertig kochen können. In der Vergangenheit war diese ja immer mal wieder infrage gestellt worden. Was ich auch gut finde, ist, dass es hier in Lampertswalde so viele sportliche Angebote gibt.

Wo mir aber der sprichwörtliche Stein im Schuh drückt: Ich möchte gern eine Balance schaffen zwischen der sportlichen und der musisch-künstlerischen Seite.

Ich habe hier zwei Kinder großgezogen. Unser Junge war eine Sportskanone und war glücklich im Sportverein. Das war klasse. Unsere Tochter, die eher musisch veranlagt ist, hat dagegen darunter etwas gelitten, dass es für ihre Interessen in der Gemeinde wenig bis gar keine Angebote gab.

Was möchten Sie daran ändern?

Ich könnte mir gut vorstellen, dass es hier mehr Möglichkeiten gibt, ein Instrument zu erlernen. Das kenne ich auch von anderen Grundschulen – und das gefällt mir gut. Wenn sich nächste Woche der neue Bildungsausschuss im Gemeinderat formiert, hoffe ich, dass sich da Dinge in diese Richtung bewegen.

Man kennt Sie im Dorf als Heilpraktikerin. Aber Sie haben ursprünglich eine kaufmännische Ausbildung. Das wäre ja nur von Vorteil für das Bürgermeisteramt, oder?

Ich denke schon, dass ich durch meine kaufmännische Tätigkeit in einem großen bayerischen Anlagenbau-Konzern ebenso wie im Prüfungswesen der Industrie- und Handelskammer Kenntnisse und Fähigkeiten erworben habe, die mir auch als Bürgermeisterin zu Gute kommen. Ich habe da eine ganze Menge gelernt. Da musste ich mich als 1,66 Meter kleine Frau schon manchmal gegen große Recken aus dem Baugewerbe behaupten.

Apropos Frau. Sie wären die erste Bürgermeisterin in Lampertswalde. – Weißig hatte ja schon mal eine. – Ist die Zeit reif für eine Frau auf dem Bürgermeisterstuhl im Lampertswalder Gemeindeamt?

Da sag ich ganz keck: Na klar. Ich weiß natürlich, dass es große Fußstapfen sind, in die ich treten würde. Ich weiß auch, dass Bürgermeisterin nicht bedeutet, nur einmal im Monat eine Gemeinderatssitzung zu leiten oder zu Bauberatungen zu gehen. Dazu braucht es viel mehr. Es geht darum, auf die Leute zuzugehen, sich für sie Zeit zu nehmen und ihnen zuzuhören, Organisationstalent zu beweisen, die Gemeinde auch nach außen hin zu vertreten. Ich denke, das kann ich gut. Ich trau mir das zu.

Meine Kinder sind jetzt aus dem Haus. Und meine selbstständige Tätigkeit könnte ich gut auf dieses Ehrenamt abstimmen. Meine Stärke ist die geografische Nähe. Ich bin zu finden und sieben Tage die Woche in Lampertswalde. Durch meine Patienten bin ich sowieso gewöhnt zu arbeiten, wenn andere es nicht tun, nach „Feierabend“ für andere da zu sein.

Sie waren sehr aktiv in der Bürgerinitiative „Dörfer mit Zukunft“, die sich vorwiegend gegen Kronospan richtete. Wie würden Sie sich als Bürgermeisterin zu Kronospan positionieren?

In unserem Verein haben wir für die Anwohner von Kronospan viel bewegt. Aber ich bin nicht gegen Kronospan, sondern für die Bürger, die hier wohnen. So betrachte ich es. Was damals aus der Esse kam, konnte nicht gut für die Leute sein, die ihre Kinder hier großziehen. Auch stimmte die Art der Kommunikation zwischen Kronospan und der Bevölkerung nicht. Das war mein persönlicher Beweggrund, mich in unserem Verein zu engagieren.

Wie stehen Sie zu der Erweiterung von Kronospan?

Im Amt wäre ich Bürgermeisterin für alle. Also für alle Einwohner, alle Gewerbetreibenden, für alle Rentner, für alle Kinder, für alle Betriebe und für die Industrie. Wenn Kronospan oder andere Gewerbetreibende Visionen für die Zukunft haben, dann könnte man das durchaus unterstützen. Dabei sind aber auf jeden Fall das Wohl und die Gesundheit der Bevölkerung im Auge zu behalten, müssen diese Visionen zu den Entwicklungsplänen der Gemeinde passen, nicht nur, aber auch in finanzieller Hinsicht. Es geht darum, ein gutes Miteinander zu schaffen.

Gespräch: Jörg Richter

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Martina Höllerl ist 52 Jahre alt, verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Sie stammt aus einem kleinen Dorf bei Gera und lebt seit knapp 25 Jahren mit ihrer Familie in Lampertswalde. Seit zehn Jahren arbeitet sie ehrenamtlich im hiesigen Gemeinderat mit. Die gelernte Bürokauffrau ist seit zwölf Jahren als geprüfte Heilpraktikerin tätig.

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