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„Ich werde auf keinen Fall das Terminal räumen“

Der Flughafen will den Gastronomen Roland Hess loswerden. Dieser wehrt sich jetzt mit einer Millionenforderung.

© Steffen Füssel

Von Sandro Rahrisch

Jetzt geht es ums Geld: Der Gastronom Roland Hess fordert vom Dresdner Flughafen rund 1,1 Millionen Euro Schadenersatz. Der Betreiber aller Cafés und Bars im Terminal wirft dem Airport Vertragsverletzung, Unzuverlässigkeit und Ignoranz vor. Obwohl ihm der Flughafen den Mietvertrag fristlos gekündigt hat, will er seine Bistros nicht schließen. Nur ein Gericht könne ihn dazu zwingen, sagte er am Dienstag.

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Hess behauptet, der Flughafen habe ihm bei der Vertragsunterzeichnung zugesichert, dass nur er Snacks und Getränke im Terminal verkaufen darf – eine verabredete Konkurrenzlosigkeit also. Der Exklusivvertrag sollte den Umsatz des Generalgastronomen sichern. Doch vor sieben Jahren habe der Flughafen plötzlich sechs Getränkeautomaten aufstellen lassen. Die gerade erst eröffnete Bar im Sicherheitsbereich sei in die Knie gegangen, der Gastronom habe sie schließen müssen.

Allein vom Sommer 2007 bis zum November 2009 seien ihm 85.000 Euro durch die Automaten entgangen, schätzt der Unternehmer. Anschließend soll der Flughafen noch einen draufgesetzt haben, indem er einem anderen Händler erlaubt habe, Getränke zum Mitnehmen zu verkaufen. Auf weitere 870.000 Euro beläuft sich laut Hess’ Rechnung der Schaden bis heute.

Airbus vergeblich gekauft

„Eigentlich müsste der Flughafen ein Interesse daran haben, dass das Geschäft läuft“, sagt er. Die Miethöhe richte sich schließlich nach seinem Umsatz, der Airport bekomme rund 15 Prozent davon. Stattdessen, so der Bistrobetreiber, gewährten ihm die Getränkelieferanten zeitweise keinen Kredit mehr. „Sie wollten aufgrund der Absatzeinbußen das Risiko nicht übernehmen.“ Dadurch habe Hess die Bar „Cassis“ nicht zu dem Termin sanieren können, wie es mit dem Flughafen vereinbart worden sei. „Die Vertragsstrafe folgte prompt und kostete uns 24 000 Euro“, sagt er.

Finanziellen Schaden hat der Unternehmer auch erlitten, als er versuchte, mehr Dresdner an den Flughafen zu locken: Neben dem ehemaligen Terminal 1 wollte er einen stillgelegten Airbus A 310 hinstellen. Ein Flugzeug, das als Eventlocation und Seminarzentrum für Menschen mit Flugangst genutzt werden sollte. Der damalige Flughafenchef Michael Hupe habe die Idee toll gefunden. Also kaufte Hess den Flieger. Aber dann kam alles ganz anders: Es stellte sich heraus, dass das Grundstück gar nicht genutzt werden darf, weil es außerhalb des Bebauungsgebiets liegt. „Da der Kauf nicht zustande kam, musste ich 14.000 Euro Vertragsstrafe zahlen.“

Kommentieren will die Flughafen Dresden GmbH die lange Liste von Vorwürfen nicht. „Das ist ein schwebendes Verfahren“, so ein Sprecher. Hauptgesellschafter des Flughafens ist die Mitteldeutsche Airport Holding. Deren Hauptaktionär ist der Freistaat Sachsen, die Stadt Dresden hält 1,9 Prozent der Aktien. Die Geschäftsführer behaupten ebenso wie Roland Hess, dass sie in den vergangenen Jahren immer wieder versucht hätten, miteinander zu sprechen. Weil sich der Flughafen aber bis heute nicht mit dem Gastronomen über einen Schadenausgleich einig geworden ist, hat dieser einen Teil der Miete nicht gezahlt. Der Airport reagierte im Februar mit der Kündigung, die der Unternehmer nicht anerkennen will. „Jetzt wird es zu einem Räumungsrechtsstreit kommen“, sagt Anwalt Frank Hannig, der Hess vertritt. Ein Gericht müsse jetzt klären, ob die Mietminderung rechtens ist und seinem Mandanten der geforderte Schadenersatz zusteht.

Bis das entschieden wird, vergeht mindestens ein Jahr, sagt der Jurist. Solange würden die Cafés und Bars auch drinbleiben. Unverschämt findet er deshalb die öffentliche Mitteilung des Flughafens am Tag der Kündigung, der Airport werde Imbissbuden für die Passagiere aufstellen, falls Hess das Terminal doch freiwillig verlassen sollte. „Das ist rechtswidrig, das ist Wild West.“

Mietvertrag läuft bis 2018

Angesichts der Umsatzprobleme verwundert es, dass der Gastronom im Terminal bleiben möchte. Mangels Kunden musste er Anfang Februar schon das Panoramarestaurant schließen. „Aber wenn wir die Kündigung jetzt anerkennen, müssten wir bis 2018 Miete zahlen“, so Hannig. Denn bis dahin läuft der Vertrag regulär. Hess kündigt an: „Ich werde auf keinen Fall so einfach das Feld räumen. Ich beharre auf meinem Standpunkt.“ Weiteren Druck wolle er auf den Flughafen aber nicht aufbauen.