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„Ich will, dass Gohrisch eigenständig bleibt“

Maik Günther kandidiert für das Bürgermeisteramt in Gohrisch. Obwohl er als Einziger antritt, hat er es nicht leicht.

Der Gohrischer Bürgermeisterkandidat Maik Günther. Bei einer Aktion auf dem Dorfplatz hat der 38-Jährige für die Einwohner schon mal den Kochlöffel geschwungen.
Der Gohrischer Bürgermeisterkandidat Maik Günther. Bei einer Aktion auf dem Dorfplatz hat der 38-Jährige für die Einwohner schon mal den Kochlöffel geschwungen. © Foto: Norbert Millauer

Er will der Nachfolger von Heiko Eggert (parteilos) werden. Maik Günther (Linke) wird zur Bürgermeisterwahl in Gohrisch auf dem Wahlzettel stehen – als einziger Kandidat. Der 38-Jährige hat zwar keine direkte Konkurrenz zu befürchten, einfach wird die Sache für ihn dennoch nicht. Denn vor dem neuen Bürgermeister von Gohrisch liegt eine Menge Arbeit. Im Interview mit der SZ verrät Günther, was ihn motiviert und welche Projekte er für Gohrisch anpacken will.

Herr Günther, sie engagieren sich seit 15 Jahren im Gohrischer Gemeinderat. Jetzt gehen Sie den nächsten Schritt und bewerben sich um den Bürgermeisterposten. Warum?

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Ich spiele seit ein, zwei Jahren mit dem Gedanken. Schon als Jugendlicher war ich immer politisch interessiert, bin zeitig in die Linke eingetreten. Vielleicht liegt es daran, dass ich in der DDR aufgewachsen bin und ein anderes politisches System erlebt habe. Die Nachwendezeit war für viele Menschen nicht einfach. Mir geht es in meiner Arbeit um Gerechtigkeit. Dafür kann man nur sorgen, wenn man sich engagiert. Als Heiko Eggert erklärte, nicht mehr zur Wahl antreten zu wollen, war für mich klar, dass ich kandidiere. Ich habe großen Respekt vor seiner Arbeit. Gohrisch ist flächenmäßig eine sehr große Gemeinde mit vielen Ortsteilen. Es gibt etliche Probleme, die gelöst werden müssen. Das alles unter einen Hut zu bekommen ist alles andere als einfach.

Welche Probleme sind das?

Ich meine damit vor allem die Haushaltssituation. Gohrisch hat keinen großen finanziellen Spielraum. Wenn die Kommune mehr Geld zur Verfügung hätte, könnte man auf einen Schlag etliche Investitionen angehen. Projekte, die dringend notwendig sind. Ärmere Gemeinden, zu denen ich Gohrisch zähle, haben trotz Fördertöpfe aber oft Probleme, den nötigen Eigenanteil aufzubringen. Deshalb bleibt vieles auf der Strecke. In einer Verwaltungsgemeinschaft ist es generell nicht ganz einfach. In Gohrisch wird in diesem Zusammenhang viel auf die Verwaltung in Königstein geschimpft. Die Schuldigen dort zu suchen, kann aber nicht die Lösung sein. Die Mitarbeiter im Königsteiner Rathaus machen auch nur ihren Job. Sie haben trotz Verwaltungsgemeinschaft leider nicht mehr Zeit für die Arbeit zur Verfügung bekommen. Das sollte man bedenken.

Wie stehen Sie zu einer möglichen Eingemeindung nach Königstein?

Ich persönlich werde eine Fusion mit Königstein ablehnen. Diese Haltung habe ich bislang auch vertreten. Ich will, dass Gohrisch eigenständig bleibt. Denn umso größer ein kommunales Gebilde wird, umso größer ist die Gefahr, dass einzelne Orte und Ortsteile eingehen. Außerdem würde sich die Ratssituation erheblich verändern. Gohrisch hätte dann keinen eigenen Gemeinderat mehr, sondern wäre nur durch einige wenige Räte in Königstein vertreten. In solch einem Gremium die Interessen von Gohrisch durchzusetzen, wird schwer. Im Moment ist eine mögliche Eingemeindung aber sowieso kein Thema.

Gohrisch hat mit dem Neubau der Kita „Felsenzwerge“ in Papstdorf eine wichtige Investition abhaken können. Auf welche Projekte sollte sich Gohrisch nun konzentrieren?

Der Brandschutzbedarfsplan hat für mich Priorität. Darin werden die Mängel aufgelistet, die unsere Feuerwehren betreffen. Wenn ich den Brandschutzbedarfsplan lese, wird mich ehrlich gesagt nicht besser. Vor allem im Hinblick auf die Finanzsituation. Umsetzen müssen wir ihn dennoch, nach und nach. Dafür ist im ersten Schritt ein Gespräch mit den Wehrleitern nötig. Daraus ergibt sich dann ein Fahrplan für die Investitionen. Geld sollte auch in das Waldbad in Cunnersdorf gesteckt werden. Im Kassen- und Technikgebäude ist das Dach undicht, es regnet hinein. Das Bad wird für die Kommune immer ein Zuschussgeschäft bleiben. Dennoch sollten wir dafür sorgen, dass es erhalten bleibt. Es wurde schließlich von den Einwohnern selbst gebaut. Investitionen werden auch für die Papstdorfer Grundschule nötig sein. In diesem Jahr bekommt die Schule eine neue Heizungsanlage. Auch die Fassade muss dringend erneuert werden. Die Kinder und Lehrer wünschen sich zudem eine neue Küche. Die Klassenräume müssten auch renoviert werden. Die Wunschliste für Gohrisch und die Ortsteile ist noch viel länger. Als Bürgermeister will ich etwas für alle erreichen. Das sind aber keine Einzelentscheidungen, die man als Bürgermeister allein treffen kann. Der Gemeinderat hat immer das letzte Wort.

Die Stimmung innerhalb des Gohrischer Gemeinderates ist angespannt. Oft gibt es Streitereien, die die Arbeit blockieren. Was würden Sie sich vom neu gewählten Rat wünschen?

Egal welche Fraktionen im Rat vertreten sein werden, es muss eine konstruktive und sachliche Zusammenarbeit möglich sein. Gohrisch hat viele Ortsteile. Jedes Ratsmitglied will das Beste für seinen Ort herausholen. Das ist nachvollziehbar. Diese Ortsteil-Mentalität ist aber nicht immer gut. Der Rat sollte die Interessen aller Einwohner vertreten.

Das Bürgermeisteramt in Gohrisch ist ein Ehrenamt. Wie vereinbaren Sie das mit ihrem Job als Papiermacher?

Sollte ich zum Bürgermeister gewählt werden, werde weiter hauptberuflich in der Papierfabrik in Königstein arbeiten. Anders funktioniert es nicht. Ich bin leider kein Verwaltungsfachmann. Das wird mir oft als fehlende Kompetenz angekreidet. Dennoch habe ich als Gemeinderat in den letzten 15 Jahre viele Erfahrungen gesammelt.

Gespräch: Katarina Gust

Zur Person: Maik Günther stammt aus Kleinhennersdorf bei Gohrisch. Der 38-Jährige ist bis 1997 in Papstdorf zur Schule gegangen, danach absolvierte er eine Lehre als Papiermacher in der Papierfabrik in Königstein, wo er noch heute arbeitet. 

Günther wohnt in Kleinhennersdorf, ist ledig und hat keine Kinder. Er trat schon als Jugendlicher bei den Linken ein, kurz vor seinem 18. Geburtstag. Seit 15 Jahren vertritt er die Partei im Gohrischer Gemeinderat. Nun tritt er als einziger Kandidat zur Bürgermeisterwahl in Gohrisch am 26. Mai an. (SZ/kat)

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Kita-Bau vor dem Abschluss, schnelles Internet mit Lücken

© Norbert Millauer

Kita „Felsenzwerge“ Papstdorf: 

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© Norbert Millauer

Waldbad Cunnersdorf: 

Das Freibad ist für die Gemeinde Gohrisch jährlich ein Zuschussgeschäft. Aktuell müsste in das Kassen- und Technikhaus investiert werden. Denn beide Dächer sind undicht, es regnet hinein. Auch die Filteranlage müsste modernisiert werden. Projekte, die bislang aber warten mussten.

© Norbert Millauer

Grundschule Papstdorf: 

Das Schulhaus bekommt dieses Jahr eine neue Heizungsanlage. Die Kosten sind im Haushalt eingeplant. Investiert werden soll auch an anderer Stelle. Die Fassade muss erneuert, Klassenräume renoviert werden. Die Schüler und Lehrer wünschen sich zudem eine neue Küche. Fotos: Norbert Millauer, dpa

© dpa

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