merken
PLUS

Meißen

„Ich will nicht wegschauen“

Bert Xylander ist der neue Schulleiter am Gymnasium. Seine Leidenschaft für den Lehrerberuf erkannte er spät.

Ein komplettes Chemielabor in einer Schule: eine Einmaligkeit. Das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Nossen hat eins. Darüber freut sich Bert Xylander. Er ist seit August 2018 Schulleiter am Gymnasium.
Ein komplettes Chemielabor in einer Schule: eine Einmaligkeit. Das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Nossen hat eins. Darüber freut sich Bert Xylander. Er ist seit August 2018 Schulleiter am Gymnasium. © Claudia Hübschmann

Nossen. So etwas gibt es ansonsten nur an Hochschulen: ein Chemielabor. „Selbst das Landesgymnasium Sankt Afra in Meißen hat nicht so ein Labor“, sagt Dr. Bert Xylander. 

Er ist seit August vorigen Jahres neuer Schulleiter am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Nossen. Zuvor arbeitete der Mathematik- und Physiklehrer elf Jahre am St. Afra für Hochbegabte, viele Jahre als stellvertretender Schulleiter. „Das ist eine tolle Schule, aber ich wollte eine neue Herausforderung“, sagt der 49-Jährige.

Anzeige
Der perfekte Ort für (D)eine Ausbildung!

Das Autohaus Dresden bildet sowohl kaufmännisch als auch handwerklich aus - und kümmert sich im besonderen Maße um seine Schützlinge.

Eine Veränderung um jeden Preis sollte es aber nicht sein. Und in der Region wollte Xylander auch wegen der tollen Leute bleiben, wie er sagt: In den vielen Jahren am St. Afra habe er sich ein kleines Netzwerk aufgebaut, auf das er jetzt zugreifen kann. 

Eine große Schule in einer Stadt wie Dresden war für ihn keine Option. „Ich wollte in der Region, im ländlichen Raum bleiben“, sagt er. Zwar ist Nossen auch eine Stadt, aber irgendwie immer noch ländlich. Das vierzügige Gymnasium mit etwa 700 Kindern ist noch verhältnismäßig klein. „Es ist einfach persönlicher und mit rund 60 Kollegen überschaubar“, sagt er. „Das erste Jahr hier war richtig toll.“ Das Motto der Schule „Gemeinschaft, Leistung, Lebensfreude“ treffe für diese Schule wirklich zu. Die Lebensfreude und der Enthusiasmus sind Xylander anzumerken. „Ich freue mich jeden Tag auf die Schule.“

Trotzdem steht auch diese Schule nicht auf einer Insel. Probleme gibt es, sagt der Schulleiter offen. „Ich will nicht wegschauen.“ Und er will seine Kollegen unterstützen. Deshalb wird derzeit ein Konzept zur „Beratung und Prävention“ entwickelt. Denn neben dem Unterricht und Abitur ist auch die Begleitung der Kinder und Jugendlichen beim Erwachsenwerden eine Aufgabe der Schule, meint Xylander. So gibt es seit September eine Schulsozialarbeiterin – eine ausgebildete Sozialpädagogin – die für große Entlastung der Lehrer sorgt. Denn Lehrer stoßen bei erkannten Problemen häufig an ihre Grenzen: „Sie sind weder Psychologen noch Sozialpädagogen.“

Nach dem Konzept wird über unterschiedliche Themen informiert. Teilweise übernehmen es Lehrer, wenn sie ohnehin zum Lehrplan gehören wie beispielsweise das Thema Sexualität in Klasse 8. „Wir arbeiten aber auch mit vielen externen Experten zusammen“, sagt Xylander. 

So wird beispielsweise in den Klassen 7 und 10 über Schönheit und Ernährung gesprochen, in den Klassen 7 und 9 über Drogen und in den Klassen 5 und 6 über die Mediennutzung. „Mein Traum ist es, in den 6. Klassen Mitte/Ende Mai eine Prüfung ‚Medien-Führerschein‘ absolvieren zu lassen“, sagt Xylander. Und wer diesen erworben hat, dürfe dann ab Klasse 7 das Handy auch in den Pausen nutzen, meint Xylander. 

Aber das sind noch Visionen. Derzeit ist das erst den Achtklässlern erlaubt. In den Stufen 10, 11 und 12 soll vor allem über Stress und Selbstachtsamkeit gesprochen werden. „Das ist natürlich auch an unserer Schule ein Thema“, sagt Xylander. „Wir wollen mit den Jugendlichen im Gespräch bleiben. Ich will, dass Kinder und Lehrer sich hier wohlfühlen.“ In dem Konzept sind zugleich verschiedene Angebote für Eltern vorhanden. Beispielsweise das Thema zum Umgang mit dem Smartphone bei 13- oder 14-Jährigen.

Ein neues Profil soll es demnächst auch geben: Gesellschaftswissenschaften. Doch entsprechende Schülerzahlen sind damit verbunden. Mit dem neuen Gymnasium in Wilsdruff könnten diese zu gering sein. Aber der Schulleiter sieht trotzdem keine Probleme: „Mein Credo ist Miteinander, kein Gegeneinander.

Eigentlich wollte Bert Xylander, in Radeberg geboren und in Schkopau bei Halle aufgewachsen, nach seinem Studium nicht als Lehrer arbeiten. Eine negative Erfahrung mit demotivierten Kindern sorgte dafür. Deshalb ging er zunächst in die Wirtschaft und promovierte im Zuge des Bundesprojektes E-Learning. Erst mit 35 Jahren, als er als Referendar in einer Geraer Schule für sein zweites Staatsexamen lehrte, erkannte er: „Schule macht Spaß.“