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„Ich wollte eigentlich Modedesignerin werden“

Sabine Jakob betreibt seit 25 Jahren einen Friseursalon. Und das, obwohl der Beruf nicht ihre erste Wahl war.

Von Tina Soltysiak

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Sabine Jakob wünschte sich zu Beginn ihres Berufslebens, Modedesignerin zu werden. Vom Friseurhandwerk wollte sie nichts wissen. Doch kurz bevor sie als Azubi antreten sollte, wurde ihre Ausbilderin krank. „Ich sollte in der Jugendmode in Waldheim anfangen. Aber den ganzen Tag Reißverschlüsse einnähen – das wollte ich nicht“, erzählt Sabine Jakob. Also landete sie doch in einem Friseursalon. „Ich habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut“, sagt die 51-Jährige.

Seit 34 Jahren arbeitet sie in diesem Beruf, seit 25 Jahren ist sie selbstständig. Im Herbst 1989 kam von der Stadt Leisnig das Angebot, dass sie den Laden an der Chemnitzer Straße übernimmt. Sie stimmte zu. am 1. Januar 1990 wurde sie die Chefin. Da war sie gerade einmal 25 Jahre alt. „Lilo Dobosch hat mich als erfahrene Kollegin unterstützt“, erzählt sie.

Die Anfangszeit sei dennoch hart gewesen. Die Ladenübernahme war mit der Auflage verbunden, dass sie ihre Meisterschule absolviert. Ihre Tochter kam damals gerade in die Schule. „Ich ging vormittags voll arbeiten, dann musste ich von 17 bis 22 Uhr zur Meisterschule nach Leipzig. Und dann noch das kleine Kind. Ohne meinen Mann und meine Familie wäre das alles nicht zu schaffen gewesen“, sagt sie.

Chefin von zwei Salons

Nur eineinhalb Jahre später beschäftigte sie bereits fünf Mitarbeiter. Im Salon an der Chemnitzer Straße wurde es zu eng. „1992 kam das Angebot, den Laden an der Jahnstraße zu übernehmen“, erinnert sich Sabine Jakob. Bis vor drei Jahren liefen beide Läden unter ihrer Führung. „Aus bautechnischen Gründen habe ich den Salon an der Chemnitzer Straße aufgegeben.“

Trotzdem habe sich an der Gesamtzahl an Kunden kaum etwas geändert, so die Unternehmerin. Denn der derzeitige Standort an der Jahnstraße sei sehr attraktiv. Er liegt unmittelbar neben dem Supermarkt. Gegenüber befinden sich einige Ärzte. Die Neubausiedlung ist direkt um die Ecke. „Zahlreiche Kunden sind mir treu geblieben – obwohl ich im Laufe der Zeit immer mal wieder die Preise erhöhen musste“, erzählt Sabine Jakob.

Ihr Klientel bezeichnet sie als „reife Kunden“ – also Personen ab 30 Jahre. Die machen etwa 80 Prozent aus. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass „Experimentieren nicht das Konzept ist, dass ich verfolge“, sagt sie. „Ein gesundes Haar ist Gold wert“, lautet ihr Credo. Ziel der Arbeit von ihr und ihren Mitarbeitern sei es, dass die Kunden gesundes Haar haben, das glänzt.

Festfrisuren seien eine tolle Herausforderung, bei der sie sich kreativ ausprobieren kann. „Hier ist alles Handarbeit. In jeder Frisur steckt deshalb auch ein Stück von uns“, sagt Sabine Jakob. Jede Zeit habe ihre Formen, Farben und ihre Kreativität. Sie kann sich genau daran erinnern, wie es war, als die Wasserwellen gefragt waren.

Die Kunden haben Vertrauen zu ihr und ihrem Team. Ohne das ginge es nicht. „Niemand kommt so nah an die Menschen ran, wie der Arzt und der Friseur“, sagt sie. Oftmals sind die Frauen auch ein Stück weit Seelsorger.

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