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Döbeln

„Ich wollte nie nach Roßwein zurück“

Für diesen Satz schämt sich CDU-Stadtratsbewerber Daniel Müller nicht. Denn inzwischen schwärmt er für die Stadt.

Daniel Müller ist 38 Jahre alt und will in Zukunft als Stadtrat Verantwortung für seine Wahlheimat Roßwein übernehmen. Beruflich beschäftigt sich der ehemalige Soldat und Fahrlehrer mit Förderbändern, Industriegummi und Hydraulikschläuchen.
Daniel Müller ist 38 Jahre alt und will in Zukunft als Stadtrat Verantwortung für seine Wahlheimat Roßwein übernehmen. Beruflich beschäftigt sich der ehemalige Soldat und Fahrlehrer mit Förderbändern, Industriegummi und Hydraulikschläuchen. © Dietmar Thomas

Roßwein. Gib Gummi – also Gas –, das ist nicht nur beruflich der Leitspruch von Daniel Müller. 

Der quirlige 38-Jährige will auch für seine Wahlheimat etwas bewegen. Hier hat er die ersten drei Jahre seines Lebens verbracht. Als die Eltern die Dachkammer mit einer Neubauwohnung in Döbeln tauschen konnten, war er darüber nicht böse. Vielmehr erinnert er sich noch lebhaft an die Ausflüge mit der Kindergartengruppe in die Klostergärten. Am Zaun des Truppenübungsplatzes sei er damals nahezu festgewachsen. „Ich wollte nie etwas anderes werden als Soldat“, sagt er.

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So kam es dann auch. Zwölf Jahre diente er bei der Bundeswehr, bis diese die Fahrausbildung in der Frankenberger Wettin-Kaserne einstellte. Statt sich irgendwo hinversetzen zu lassen, bildete er fortan Fahrschüler bei Steffen Janasek in Döbeln aus. „Dann wollte mein leiblicher Vater geschäftlich etwas kürzer treten. Deshalb stieg ich zunächst in seine Niederlassung in Döbeln ein, bevor wir damit vor drei Jahren nach Roßwein an die Gerbergasse umgezogen sind“, erzählt Müller.

Das Kerngeschäft der Gebrüder Harbauer GmbH sei die Reparatur von Förderbändern gewesen. „Inzwischen lassen wir uns für fast alles, was mit Industriegummi zu tun hat, eine Lösung einfallen“, sagt der 38-Jährige. Nicht mehr alles habe mit Förderbändern zu tun. Trotzdem wird ein Förderband bei der Firmenpräsentation im Sommer 2020 beim Schul- und Heimatfest eine Rolle spielen.

Die Technik steht schon an der Gerbergasse. Dort hat der kleine Betrieb mit drei Mitarbeitern seit dem Kauf der Immobilie ordentlich aufgeräumt. Das Grundstück sieht im Vergleich zu vorher gepflegt aus. Das gefällt nicht nur Daniel Müller. „Auch Nachbarn und Vorübergehende bemerken das“, sagt er. Nicht erst einmal sei er darauf angesprochen worden. „Die Leute erkennen an, wenn man was tut“, findet er.

Inzwischen wohnt Daniel Müller mit seiner Familie wieder in Roßwein. Zunächst wollte er weder zurück, noch konnte er sich mit dem ausgewählten Grundstück anfreunden. Doch mittlerweile ist alles anders. Er schwärmt von der tollen Wohnlage, den netten, umgänglichen Nachbarn – und von Roßwein überhaupt. 

Wenn er auf dem Hof der Firma steht, schaut er auf Hintergebäude der Nossener Straße. Der Putz bröckelt, die Fassade ist trist. „Schöne große Fenster“, findet Daniel Müller. Solch’ ein Haus zu renovieren, dafür könnte er sich zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt begeistern. „Aus der Substanz kann wieder etwas werden.“ Deshalb findet er die neuen Zuschüsse der Kommune zu einem Hauskauf in Roßwein gut. Die nur Eigennutzern zu zahlen, könne aber nur ein erster Schritt sein. Um zu erhalten und Neues zu schaffen, sollten auch andere Investoren willkommen sein und gefördert werden, meint der 38-Jährige.

Auch er hätte schon Zuschüsse für die Fassadengestaltung an der Firmenhalle, in der neuerdings Hydraulikschläuche konfiguriert werden, beantragen können. „Viel zu kompliziert“, findet er. Überhaupt sollten Kommunal- und die große Politik durchschaubarer, viel einfacher werden.“ 

Transparenz sei ihm in allen Bereichen wichtig. „Die Leute sollten verstehen können, weshalb etwas so ist und nicht anders.“ Dies ist etwas, wofür er sich als Stadtrat einsetzen möchte. Schulen und Kitas seien ihm außerdem wichtig. Verständlich: Seine Kinder sind fünf und sieben Jahre alt. Und die treiben auch Sport. Daher weiß Daniel Müller, was es bedeutet, wenn sich ein Verein um Kinder und Jugendliche kümmert. „Deshalb würde ich gern etwas für Vereine tun“, nennt er als Beispiel.

Müller hofft, dass niemand Wunder von ihm erwartet. „Da sind noch 21 andere Räte, die mitbestimmen.“ Wird er gewählt, wolle er sich die Arbeit des Rates zunächst anschauen und sich dann mit seinen Kompetenzen einbringen. Eine sei sicher sein strukturiertes und lösungsorientiertes Denken und Arbeiten. „Das hat mich die Bundeswehr gelehrt. Davon profitiere ich nach wie vor in allen Lebenslagen“, so Müller. Ein Mitgestalter sei er schon immer gewesen, nicht nur als Schülersprecher.

Der 38-Jährige wünscht sich, dass er noch andere junge Leute für die Kommunalpolitik begeistern und zum Mitmachen bewegen kann. Seine Überzeugungsarbeit bekommt im Moment vor allem seine Mutter zu spüren. „Ich versuche sie dazu zu bewegen, wieder nach Roßwein zu ziehen. Denn die Stadt ist alles andere als tot, selbst wenn es hier und da den Anschein hat. Man muss das Schöne und das Potenzial nur sehen wollen.“