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Idee für Klein-Tirol geplatzt

Fachleute haben die Ruine in Schlottwitz untersucht. Das Risiko für einen Investor ist sehr hoch.

© Frank Baldauf

Von Franz Herz

Vor vier Wochen hat das ehemalige Ausflugslokal Klein-Tirol in Schlottwitz noch einmal für Aufsehen gesorgt. Damals ist im Bettenhaus ein Brand ausgebrochen, der das ohnehin schon verfallende Gebäude weiter zerstört hat. Die Ermittlungen der Polizei in dieser Sache laufen noch, wie Jana Ulbricht von der Polizeidirektion Dresden mitteilte. Es besteht ein Verdacht auf Brandstiftung. Aber in solchen Fällen werden viele Spuren durch Löscharbeiten zerstört, so auch in Schlottwitz. „Wir haben im Moment keinen neuen Sachstand“, sagt die Polizeisprecherin.

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Große Werte zerstören konnte der Brand ohnehin nicht mehr. Denn das Klein-Tirol steht seit der Augustflut 2002 als Ruine, die immer mehr verfällt. Vor zwei Jahren hat die Stadt das Anwesen gekauft. Sie kann nun entscheiden, was daraus wird. Aber das will gut überlegt sein.

Hier ist inzwischen auch eine erste Entscheidung gefallen. Das Klein-Tirol wird wohl nie wieder eine Gaststätte werden. „Diese Entscheidung hat aber nichts mit dem Brand zu tun“, sagt Bürgermeister Markus Dreßler (CDU). Sondern zu diesem Schluss kommt eine Studie, welche die Stadtverwaltung Glashütte schon vorher für den Standort ausarbeiten ließ.

In den Beratungen des Stadtrats über Klein-Tirol war die Anregung gekommen, es als Hotelstandort zu nutzen. Für diese Idee sprechen zwei Argumente. Erstens sucht Glashütte seit Jahren nach einem möglichen Standort für ein Hotel. Zweitens war das Klein-Tirol früher ein beliebtes Ausflugslokal und lange Jahre auch ein Ferienheim. Könnte man daran nicht anknüpfen, war die Überlegung. Doch die Vergangenheit zählt heute nicht mehr.

Fachleute von der Kommunalentwicklung Mitteldeutschland, die Glashütte schon seit Jahren in Städtebaufragen begleiten, haben sich das Grundstück angesehen. Sie kamen zu dem Schluss, dass sich dort ein Hotel nicht rechnet. Das jetzige Gebäude ist zu klein. Dort wäre Platz für 25 Zimmer. Das reicht jedoch nicht, um eine komplette Reisebus-Besatzung unterzubringen. Dafür wären 45 Zimmer erforderlich. Diese Zahl gilt in der Tourismusbranche als entscheidende Schwelle, um ein Hotel wirtschaftlich zu betreiben. Doch dafür wäre ein Neubau erforderlich. Das Klein-Tirol steht aber unmittelbar an der Müglitz. Diese Ecke wird auch in Zukunft immer von Hochwasser gefährdet bleiben. Deswegen würde ein Neubau schwierig und auf jeden Fall teurer als an anderen Stellen, die nicht in dieser Art flutgefährdet sind. Die Frage ist sogar, ob dort überhaupt ein Neubau genehmigt würde.

„Die Weiterführung der historischen Anlage als Hotel und Gastwirtschaft stellt für jeden Investor ein sehr hohes wirtschaftliches Risiko dar“, schreibt Michael Kroll, der Bearbeiter der Studie. Deswegen empfiehlt er, Klein-Tirol im Zuge des Hochwasserschutzes abzureißen und die Flächen zu bepflanzen.

Es gibt noch andere Ideen, wie der Standort sinnvoll genutzt werden könnte. Investoren wollten dort schon ein Wohnhaus mit Discounter im Erdgeschoss errichten. Die Idee stieß jedoch auf Ablehnung im Rat, die Abgeordneten befürchteten Nachteile für die ansässigen Händler. Daher gingen die Investoren auf Abstand. Eine andere Nutzungsvariante wäre die als Parkplatz, um die Kernstadt Glashütte zu entlasten. Dort fehlt Parkraum für die Mitarbeiter der Betriebe.

Um dieses Problem zu lösen, gab es vor einem halben Jahr schon den Testlauf für einen Pendelverkehr, bei dem Mitarbeiter der Uhrenbetriebe ihr Auto in Schlottwitz stehenließen und die letzten Kilometer mit dem Bus zur Arbeit fuhren. Das Echo war verhalten.

Jedoch ist die Idee noch nicht begraben. Denn wenn weitere Arbeitsplätze in Glashütte entstehen, wird dort Parkraum noch knapper. Vielleicht bleibt dann gar nichts anderes mehr übrig, als in Nachbarorte auszuweichen wie eben an den Standort in Oberschlottwitz.

Diese Variante ist aus Sicht der Stadtverwaltung die Wahrscheinlichste für die Zukunft von Klein-Tirol.