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Sebnitz

Was wird aus dem Waldbad?

Restaurieren, renaturieren oder umnutzen - für das Polenzer Waldbad muss eine Entscheidung her. Wie sie aussehen könnte.

Das Polenzer Waldbad ist beliebt. Lange kann es aber im heutigen Zustand nicht betrieben werden.
Das Polenzer Waldbad ist beliebt. Lange kann es aber im heutigen Zustand nicht betrieben werden. © privat

Wenn die Sonne lacht und ihre warmen Strahlen durch die Baumkronen schickt, werden wieder viele Besucher ins Polenzer Waldbad pilgern. Hier können sie kostenlos ins Wasser springen. Spielt das Wetter mit, will der Betreiber und Pächter des städtischen Freibades, Bernd Mutscher, am 25. Mai die Saison eröffnen.

Allerdings befinden sich Teile des Bades in einem schlechten Zustand. Die Duschen müssten dringend repariert werden. „Früher gab es hier vier, jetzt ist nur noch eine Dusche da“, sagt Betreiber Mutscher. Außerdem seien die Wasserleitungen kaputt. Die Toiletten stammten noch aus DDR-Zeiten. „Das ist auch schon vom Gesundheitsamt bemängelt worden“, erklärt Mutscher. „Das Becken wurde wohl zum letzten Mal in den 1990er-Jahren saniert, das ist aber nirgends schriftlich festgehalten.“

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Neustadts Bürgermeister Peter Mühle (NfN) sagt im SZ-Gespräch, dass die Toiletten im Waldbad erst im letzten Jahr repariert worden seien. „Für insgesamt rund 6 000 Euro haben wir außerdem Malerarbeiten durchgeführt, das Eingangstor sowie das Duschbecken repariert und die Stauanlage erneuert“, zählt Mühle auf. Alle Investitionen sind in einem dicken Aktenordner aufgelistet. Die Toiletten seien zwar alt, aber sauber und ok, sagt der Bürgermeister. Außerdem zahlte die Stadt 2018 zusätzlich rund 7 650 Euro Betriebskostenzuschuss.

Ob es so wie bisher weitergehen kann, das ist die große Frage, die Stadt und Pächter derzeit beschäftigt. „Zeitnah muss eine Grundsatzentscheidung zur Zukunft des Waldbades her“, ist Mühle überzeugt.

Im Jahr 2017 war der gesamte Stadtrat zu einer Vor-Ort-Begehung ins Waldbad eingeladen. Die Räte sollten sich ein Bild machen, um über eine künftige Gestaltung mitdiskutieren zu können. Zu einem Ergebnis sei man aber nicht gekommen, muss der Bürgermeister eingestehen. Deshalb sind derzeit keine Investitionen im Haushalt der Stadt Neustadt für das Polenzer Waldbad eingeplant. Bernd Mutscher hat mit der Stadt als Eigentümer des Geländes einen unentgeltlichen Pachtvertrag geschlossen. „Wir übernehmen dafür jedes Jahr im Durchschnitt rund 10 000 Euro der Gesamtbetriebskosten, also zum Beispiel für Wasser, Abwasser, die Kosten für das Rasenmähen, Stromkosten und Kleinstreparaturen“, zählt Peter Mühle auf.

Jetzt liegt der Aktenordner zum Waldbad erst einmal beim städtischen Bauamt. Grund: Es sollen neue Ideen gesammelt werden, wie die Zukunft des Freibades aussehen könnte. Es gäbe aktuell verschiedene Varianten. „Eine Restaurierung oder der Erhalt des Bades in der jetzigen Form oder eine Renaturierung oder auch eine Nutzung als Erholungsort mit Caravanstellplätzen sind denkbar“, sagt Peter Mühle. Nach Aussage des Bürgermeisters muss diese Entscheidung aber auch von den Stadträten getragen werden. „Ich hatte Herrn Mutscher 2018 auch schon angeboten, die Gesamtbewirtschaftung des Waldbades zu übernehmen, von Kauf war nie die Rede. Wie genau, das müsste verhandelt werden, und dann könnte Herr Mutscher grundsätzlich seine eigenen Entscheidungen treffen. Er könnte, ohne extra Anfragen bei der Stadtverwaltung stellen zu müssen, eigenständig Sanierungsmaßnahmen durchführen lassen“, so der Bürgermeister. Der Pächter Bernd Mutscher hatte dieses Angebot abgelehnt, da er sich mit 65 Jahren zu alt dafür fühlt.

Das Waldbad Polenz wurde bereits 1928 gebaut und ist tief im Herzen vieler Polenzer verwurzelt. Auch Peter Mühle ging dort als Kind baden. Zum traditionellen Angrillen, das Bernd Mutscher organisiert, kamen vergangene Woche mehr als 100 Gäste. „In einer sehr sachlichen Atmosphäre war zu spüren, wie sehr die Besucher an ihrem Waldbad hängen“, sagt Mutscher. Schließlich sei das Bad nicht zuletzt auch in unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden von den Polenzern gebaut worden. „Unter den Gästen überwog der Eindruck, dass die Stadtverwaltung in den letzten 25 Jahren ihrer Verantwortung zum Erhalt des Waldbades nicht unbedingt in vollem Umfang gerecht wurde, verbunden mit der Erwartung, dass sich das für die Zukunft ändert“, sagt der Pächter. Der diesjährigen Badesaison steht aber derzeit nichts im Wege. Bisher gab es keine Beanstandungen, den Betrieb aus hygienischen oder Sicherheitsrelevanten Gründen einstellen oder einschränken zu müssen.

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