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Ideen fürs Oberland liegen auf Eis

Weil im Moment kein Geld da ist, können die Pläne von Studenten für Industriebrachen in Ebersbach-Neugersdorf noch nicht verwirklicht werden.

© Matthias Weber

Von Gabriela Lachnit

Ebersbach-Neugersdorf. Studenten der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNE) hatten im vergangenen Jahr untersucht, was sich mit Industriebrachen im Oberland anstellen lässt, ohne sie wegzureißen oder zu sanieren. Anhand der herrenlosen Ruine des ehemaligen Thermoplast-Werkes in Neugersdorf hatten sie drei Vorschläge erarbeitet, was künftig mit der Brache passieren könnte. Das haben sie dem Stadtrat von Ebersbach-Neugersdorf im Vorjahr vorgestellt. Was ist daraus geworden?

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Die studentischen Ideen liegen dem städtischen Bauamt vor. Das bestätigt Bauamtsleiter Matthias Lachmann. Einen dicken Ordner füllen sie. Das Ideenwerk liegt allerdings tatsächlich in der sprichwörtlichen Schublade. „Derzeit liegen unsere Mittel für eine Brachensanierung auf Eis“, sagt Lachmann. Haushaltsmittel sind vorrangig für den Neubau des Feuerwehrdepots in Neugersdorf gebunden, ergänzt er.

Der Bauamts-Chef fand den konzeptionellen Ansatz der Studenten gut. In drei Varianten haben sie am Beispiel des Thermoplast-Werkes gezeigt, wie man die Brache umgestalten könnte. Ein Vorschlag sah die Erhaltung der Kubatur des Haupthauses und dessen Nutzung als Naturschutz-Refugium vor. Eine zweite Idee betraf den halben Rückbau des Werkes und die Nutzung für kulturelle Zwecke. Die dritte Variante schließlich beinhaltete den Rückbau bis auf die Bodenplatte und die Gestaltung des Areals im und um das Gebäude als Park.

Die Studie unter dem Titel „Weder Zweck noch weg“ legt dar, welche Möglichkeiten es gäbe, ohne die Ruine ganz abzureißen oder zu sanieren. Hier liegt die Krux der Sache: Matthias Lachmann weiß, dass es für die Umsetzung der Vorschläge keine Fördermittel gibt. „Alles außer Abriss und Sanierung ist nicht förderfähig“, bedauert er. Der Amtsleiter sähe es gern, wenn sich zumindest die Landespolitik der Sache annähme und ihre Förderrichtlinien ändert oder ergänzt. Dann könnte es Fördergeld auch für solche Projekte geben, die Brachen beseitigen, aber eben weder nachgenutzt werden oder ganz verschwinden.

Die von den Studenten vorgeschlagenen Alternativen sind für die Stadt sehr hilfreich. „Wir haben immer das Dilemma, entscheiden zu müssen, ob etwas weg kommt oder einen neuen Zweck erhält“, sagt Lachmann. Die von den Studenten aufgestellten sieben Kriterien seien bei der Entscheidung sehr hilfreich. Am Beispiel Thermoplast haben die jungen Leute durchgespielt, welche Faktoren für eine nachhaltige Nutzung beachtet werden müssen. Dabei geht es um Naturschutz, Umweltbildung, Tourismus, Kosten, Industrie-Kultur, regionale Identität und das Städtebild. Daraus entwickelten sie ein Punktesystem als Hilfe für Eigentümer. Das heißt, auch Privatleute können bei der Stadt die Ergebnisse der studentischen Untersuchungen nutzen, wenn sie eine Alternative für die Nachnutzung ihres Gebäudes suchen und weder abreißen noch sanieren möchten.

Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos) fand die studentischen Ansätze sehr interessant, alle hätten etwas „Schickes“, wie sie es formulierte. Man müsse sich mit den Visionen beschäftigen und Machbarkeiten abwägen. Sie hatte die Hoffnung, dass einmal jemand Verantwortung für das herrenlose Grundstück Thermoplast über- und Geld in die Hand nehmen würde, um das Gebäude abzureißen oder einem Zweck zuzuführen. Diese Hoffnung hat sich bislang nicht erfüllt.