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Ideen und Kräfte zum Jubiläum gebündelt

Nebelschütz. Wer ein großes Jubiläum plant, braucht Verbündete, Ideengeber, Förderer, Helfer am Rande und vor allem enthusiastische Teilnehmer. All dies versucht Nebelschütz derzeit zu bündeln. Feiert doch der Ort 2004 sein 700-jähriges Jubiläum.

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Von Andreas Kirschke

Nebelschütz. Wer ein großes Jubiläum plant, braucht Verbündete, Ideengeber, Förderer, Helfer am Rande und vor allem enthusiastische Teilnehmer. All dies versucht Nebelschütz derzeit zu bündeln. Feiert doch der Ort 2004 sein 700-jähriges Jubiläum. Dies gründet sich auf die älteste bekannte Ersterwähnung des Dorfes. Schon 1998 forschten Diana Petasch und Maria Kokel im Auftrag der Gemeinde nach. „Es gab regen Schriftverkehr mit dem Landesarchiv Dresden. Im Sorbischen Institut in Bautzen untersuchten wir Zeitungen“, entsinnt sich Diana Petasch. Fündig wurden sie und ihre Kollegin im Stadtarchiv Kamenz. Hier stießen sie auf die urkundliche Erwähnung von Nebelschütz im Jahr 1304.

Ein Programm mit viel

internationalem Flair

700 Jahre später soll die wechselvolle Geschichte des Ortes beim großen Festumzug am 9. Juli 2004 in zahlreichen Bildern wieder lebendig werden. Er wird zweifellos zu den Höhepunkten des 13. Internationalen Gemeindefestes gehören. Ohne schon heute zu viel zu verraten: Das Programm enthält typisch sorbische wie auch internationale Punkte. Spannung verspricht etwa ein Symposium zum Thema „Welche Rolle spielen Minderheiten bei der EU-Erweiterung?“ Ebenso gibt es ein Kulturprogramm mit Gästen aus Polen, Tschechien, Ungarn, Frankreich, der Ukraine und heimischen Gruppen wie Sprjewjan oder Mercin Weclich. Würdigung erfährt das Jubiläum durch den Festgottesdienst. Ebenso durch eine Ausstellung junger Maler aus sechs Ländern.

Um das Fest herum sollen sich - über das ganze Jahr verteilt - weitere Veranstaltungen ranken. „Wir werden einen Flyer herausgeben. Darauf vermerkt stehen dann sowohl alle kirchlichen als auch die gemeindlichen Höhepunkte des Jahres“, kündigt Bürgermeister Thomas Zschornak an. Viele Ideen und Kräfte holt er derzeit an einen Tisch. Er stimmt sich ab, organisiert schon langfristig im Vorfeld. Der Kamenzer Geschichtsverein etwa regt einen „Nebelschützer Abend“ an. „Vorstellbar ist er als offene Geschichtswerkstatt“, erläutert Mitglied Matthias Knobloch. „Zum Thema: Wie führe ich Dorfchronik?“ Vom Profi-Historiker bis zum Ortschronisten soll es kurze Vorträge geben – offen für interessiertes Publikum aus Nebelschütz und Umland. Terminvorschlag: März.

Ende April bis Anfang Mai organisiert Nebelschütz eine Internationale Künstlerwerkstatt. Junge Maler wollen dabei viele Ansichten des Ortes in Bildern verewigen. „Bisher gibt es nur wenige Motive von Nebelschütz“, so der Bürgermeister. Was bereits vorhanden ist, sind viele historische Fotos zum Ort. Eine Ausstellung im Pfarrbildungszentrum soll sie zeigen. Heimat- und Kulturverein sowie Domowina nehmen sich der Aufgabe an.

Viele Gedanken zum Jubiläum macht sich auch Jurij Wuschansky. Der gebürtige Nebelschützer (heute Referent der Domowina in Bautzen) regt einen Vortragsabend zu Persönlichkeiten des Ortes an. Vorstellbar in der Kirmeszeit im Herbst 2004. Eine lange Liste mit Namen und Ideen hat er dazu entwickelt. Sie reicht von Bauer Jakub Cyz-Hena, Miklaws Jacslawk (Kaplan, Dichter, sozialkritischer Feuilletonist), Pfarrer Jurij-Gustaw Kubas über Journalist und Minderheiten-Politiker Jan Skala bis hin zu Agnes Scholze (Haushälterin des bekannten Tagebuch-Autoren Victor Klemperer) und den beiden lebenden Nebelschützer Malern Jan Buk und Jan Hanski.

Braucht Nebelschütz

eine Hauptstraße?

„Wie wäre es, eine Straße im Ort nach Pfarrer Jurij Gustaw Kubas zu benennen?“, regte jetzt Pfarrer Michael Bresan an. Er beschreibt Kubas als vielseitigen, interessierten Menschen. Nicht nur als Pfarrer, sondern auch als Landwirt, als Autor (etwa über die Hacenka) oder für die Renovierung der Kirche engagierte sich der Geistliche. Viele Anekdoten und Geschichten ranken sich heute um ihm. Ob ihn eine Straße in Nebelschütz eines Tages würdigen kann? „Er hat so viel Bedeutung für das Dorf und für das sorbische Volk überhaupt, dass er das verdient hätte“, findet Michael Bresan. „Er hat Fußstapfen hinterlassen.“ Seine Idee: Die Hauptstraße könnte in Pfarrer-Gustav-Kubasch-Straße umbenannt werden. Auch das wird diskutiert.