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Identitätsdebatte wird immer absurder

über die neue Schlesiendiskussion

Sebastian Beutler

Man reibt sich verwundert die Augen, wie ein eher skurriler Streuselkuchen-Streit zu einer Generaldebatte über die Oberlausitz und das schlesische Erbe auswachsen kann. Daran hatte wohl niemand gedacht, als der deutsche Bäcker-Verband gegen den Alleinvertretungsanspruch der Oppelner Berufskollegen vorging. Wie auch immer das im Einzelfall in Brüssel jetzt ausgehen mag, so scheint es doch ziemlich vermessen, auf dem Rücken der Bäcker einen Streit auszufechten, der nun schon seit der Wende anhält und kein Ende zu finden scheint.

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Das ist auch gar nicht möglich, so lange es darum geht, dass eine Seite den absoluten Sieg davonträgt. Was ja gleichzeitig bedeutet, dass die andere das Spielfeld verlässt – vernichtend geschlagen natürlich. Wer schon mal versucht hat, Schlagsahne vom Rahm zu trennen, wird die Vergeblichkeit dieses Versuches schnell einsehen. Der Grundirrtum liegt allein schon in der Vorstellung begründet, dass die Oberlausitz und Schlesien zwei völlig losgelöste Gebilde sind. Das sind sie eben nicht, und es sind gerade die Oberlausitz-Anhänger, die immer wieder darauf hinweisen, dass die Oberlausitzer auch zu Zeiten der Teilung des Landstrichs in sächsische und preußische Gebiete versucht haben, die Einheit zu bewahren. Wohlgemerkt in Zeiten, als Görlitz verwaltungstechnisch letztlich zur preußischen Provinz Schlesien gehörte.

Die Ausschließeritis kann also nicht nur bei Bundestagswahlen hinderlich sein, auch bei Debatten über die Kulturlandschaft bringt sie alle nicht unbedingt weiter. Und die Oberlausitz-Wortführer sollten rhetorisch schnell abrüsten. Ihre Krawall-Äußerungen rücken sie schon jetzt in die Nähe derer, die sie eigentlich kritisieren, nämlich Vertriebenenfunktionäre, die die politischen Realitäten in Europa nicht wahrnehmen wollen. Sie stehen der Verständigung im Wege, nicht Einrichtungen wie das Schlesische Museum oder die Kulturbeauftragte. Die Landräte wiederum sollten vielleicht doch noch mal sich genau ansehen, mit wem sie da Oberlausitz-Tage feiern wollen? Wenn er nicht die Vielfalt der Region zeigt, ist er nichts wert.