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Idyll am Ebersbacher Hausberg

Die Amsel im hohen Tannenbaum will heute gar keine Ruhe geben. „Vielleicht fühlt sie sich ja gestört“, vermutet Ulrike Hanel. „Sonst schnattern wir nicht so viel, wenn wir hier draußen sitzen“, sagt die Ebersbacherin und lacht.

Die Amsel im hohen Tannenbaum will heute gar keine Ruhe geben. „Vielleicht fühlt sie sich ja gestört“, vermutet Ulrike Hanel. „Sonst schnattern wir nicht so viel, wenn wir hier draußen sitzen“, sagt die Ebersbacherin und lacht. Sonst, wenn Frau Hanel nicht gerade mit Besuch vor der Haustür sitzt und plaudert, ist es hier am Ende der Neugersdorfer Straße sehr ruhig. Die Straße endet in einer Sackgasse. Wer hier vorbeifährt, wohnt selbst da oder will jemanden besuchen. Wie zum Hohn aber kommt an diesem sonnigen Nachmittag aller paar Minuten ein Fahrzeug vorbei: der Nachbar mit dem Auto, ein kleiner Transporter, der sich verfahren hat und wenden muss, ein anderer Nachbar mit dem Moped. „Aber sonst ist es hier wirklich ruhig“, versichert die Ruheständlerin lachend. Sonst hört sie in ihrer lauschigen Sitzecke meist nicht viel außer Vogelgezwitscher.

Familie Hanel genießt die Nähe zur Natur. Rehe und Hasen tummeln sich regelmäßig in den Gärten oder spazieren sogar über die Straße. Die Wiese gegenüber von ihrem Haus mähen sie deshalb nicht ab, erzählt Frau Hanel. Im hohen Gras entdeckten sie letztes Jahr eine Ricke mit ihren Rehkitzen. Und im Brennnesselbusch brüten Schmetterlinge ihre Maden aus. Für Ehemann Frank Hanel ist das ein wahres Geschenk, denn er ist leidenschaftlicher Hobbyfotograf und Tiere sind sein Lieblingsmotiv. Gern legt er sich für einen schönen Schnappschuss stundenlang in Wald und Flur auf die Lauer. Aber manchmal muss er dafür nicht mal aus dem Haus.

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Bevor Ulrike und Frank Hanel 1994 hier begannen ihr Einfamilienhaus zu bauen, hatten sie das Grundstück an der Neugersdorfer Straße schon als Garten genutzt. 1996 zogen sie in ihren Neubau ein. Vier weitere Häuser entstanden etwa zur selben Zeit in der ruhigen Ecke zwischen dem Wohngebiet Oberland auf der einen Seite und dem Schlechteberg auf der anderen.

Der Standort ist ideal, findet Ulrike Hanel. Ruhig und idyllisch gelegen, aber trotzdem zentral. „Man käme hier sogar ohne Auto zurecht“, sagt die pensionierte Lehrerin. Zu den nächsten Einkaufsmärkten ist es nicht weit. Als die Oberland-Kaufhalle an der Friedrich-Ebert-Straße noch geöffnet war, sei es natürlich noch bequemer gewesen. Sie schloss im Januar. Trotzdem fehlt es Hanels und ihren Nachbarn auch jetzt an nichts. „In 15 Minuten ist man zu Fuß sogar bei Kaufland.“ Und wer noch gut zu Fuß sei, könne sogar die Einkaufsmöglichkeiten im unteren Teil von Neugersdorf gut erreichen, zum Beispiel das Spreequell-Kaufhaus.

Doch nicht nur an der Neugersdorfer Straße wohnen Häuselbauer mit dem schönen Blick auf den Schlechteberg. Zwar ist die historische Bebauung rund um den Hausberg recht dicht. „Wir haben hier viel Altbestand“, bestätigt Matthias Lachmann vom städtischen Bauamt. Dennoch hat die Stadt nach der Wende kleine Wohngebiete erschlossen. So zum Beispiel auch an der Heinrich-Heine-Straße auf der anderen Seite des Schlechteberges. An der Zufahrt zur Baude hat die Stadt hier nach der Wende acht Grundstücke erschlossen. Sie sind alle schon vergeben.

Platz ist hingegen noch an der Turnerwiese. Dieser Eigenheimstandort befindet sich an der Spreedorfer Straße, an der Einmündung zur Rathenaustraße. Eine Familie könnte noch bauen, sagt Bauamtschef Matthias Lachmann. Von hier aus spaziert man nur wenige Minuten bis zur historischen Felsenmühle. Seit die traditionsreiche Gaststätte von einem neuen Eigentümer wieder betrieben wird, sei das ein lohnendes Ausflugsziel, sagt Familie Hanel. Von den Bänken bietet sich ein toller Weitblick auf Neugersdorf, das tschechische Philippsdorf mit der Basilika, nach Jirikov und auf die Ebersbacher Altstadt. Selbst das Zittauer Gebirge ist zu sehen. Familie Hanel hat zur Felsenmühle eine ganz besondere Beziehung. Der Gasthof gehörte Frank Hanels Großvater, bevor er 1951 abbrannte. Das ist nicht der einzige Grund, weshalb sie in Sichtweite des Ausflugsziels bauten. „Wir wurden schon oft von Besuchern um das Idyll hier beneidet“, sagt Ulrike Hanel. Besonders freut sie sich, dass in den vergangenen Jahren junge Familien diese Lage für sich entdeckt und auch einige der älteren Häuser in der Nachbarschaft schick saniert haben. Denn Hanels haben nichts dagegen, wenn sich unters Vogelgezwitscher auch Kinderlachen mischt.

Die SZ-Serie „Unsere Siedlung“ ist am 31. Mai mit der Wohnsiedlung Johannes-R.-Becher-Straße in Oderwitz gestartet. Weitere Serienteile: 3. Juni: Eichgraben „Am Walde“; 7. Juni: Ebersbach-Schlechteberg; 10. Juni:

Olbersdorf-Hagelsburg; 14. Juni: Pethau Obere/Untere Bergstraße; 17. Juni: Jonsdorf; 21. Juni: Neugersdorf;

24. Juni: Oberseifersdorf-Siedlung; 28. Juni: Zittau-Weinau „An der Aue“ und „Weinauring“