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Idylle am Buschmühlenteich

Ohorn. Zehn Jahre gibt es ihn nun schon – den Landgasthof Buschmühle. Dabei glaubte damals kaum einer daran, dass er wieder eröffnet wird.

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Von Manuela Reuß

Es war kurz vor seinem 50. Geburtstag als sich Karl-Heinz Kopte und seine Frau Waltraud entschieden: Sie wollten die Buschmühle wieder aufbauen. Ein Landgasthof sollte im traditionsreichen Gebäude entstehen. Doch dafür brauchte es Fantasie. Denn das Gebäude, in welchem Erbmüller Johann Christoph Birnstein schon 1735 Bier ausschenken durfte, stand drei Jahrzehnte leer. Schrecklich habe es ausgesehen, erinnert sich der 62-jährige Wirt. „Aber es reizte mich, was draus zu machen.“

Für verrückt erklärt

Zu besagtem Geburtstag verkündeten die Eheleute ihr Vorhaben und wurden postwendend für verrückt erklärt. „Keiner hat daran geglaubt“, erinnert sich Waltraud Kopte. Sogar die Fachleute vom Kreisbauamt schlugen die Hände überm Kopf zusammen angesichts der halb verfallenen Ruine. „Die hatte ich ohne Wissen meines Mannes mal hergeholt“, verrät die 58-jährige Wirtin. Dennoch kaufte das Ehepaar 1993 der Gemeinde Ohorn die Buschmühle ab. Zwei Bewerber gab es für das Objekt. Einen Dresdner, der ein Hotel aus der Buschmühle machen wollte, und Koptes, die einen Landgasthof mit Pension favorisierten.

Als der Zuschlag erteilt war, begann der Kampf ums Geld. Was er dort erlebt habe, spotte jeder Beschreibung, blickt Karl-Heinz Kopte zurück. „Die Kreissparkasse, bei der wir ein Leben lang waren, hat uns ein Dreiviertel Jahr hingehalten.“ Ständig sollten die angehenden Gastronomen neue Konzepte einreichen, doch eine Kreditzusage blieb aus. Also schauten sich die Bauherren nach einem anderen Geldgeber um. Durch Zufall ergab sich ein Termin bei der Volksbank. „Zur Sparkasse bin ich noch als Bittsteller gegangen, nun trat ich knallhart als Fordernder auf“, erzählt Karl-Heinz Kopte. Er sagte den Bankern, dass er zwei Stunden Zeit habe und ihnen sein Konzept erläutern könne. Am Ende waren seine Zuhörer sehr angetan. Obwohl die Volksbank Bischofswerda bis dato noch keine Gaststätte finanziert hatte. Nach zwei Tagen kam die Zusage, nach vier Wochen war das Kreditpaket geschnürt. „Wir hätten sofort darüber verfügen können, aber wir waren noch nicht so weit.“

Dann wurde gebaut. Weitgehend in Eigenleistung gemeinsam mit dem Schwiegersohn und vielen Helfern. Zwei Jahre dauerte die Verwandlung einer Ruine in eine gemütliche Einkehrstätte. Dabei gab es auch so manche Begebenheit, an die sich die Wirtsleute heute noch erinnern. Zum Beispiel als sie das alte Trafohäuschen auf ihrem Grundstück abrissen. Die Ziegel waren Karl-Heinz Kopte zum Wegschmeißen zu schade. Also wurden sie geputzt und kamen beim Buschmühlen-Umbau wieder zum Einsatz. Das beobachtete der Nachbar, der daraufhin ins Zweifeln kam. „Oh je, sind das arme Schlucker. Die können sich noch nicht mal Ziegel für ihren Bau leisten. Das wird doch nichts.“ So dachte er, erzählt der Wirt lachend. Das habe der Nachbar ihm irgendwann mal erzählt und darüber amüsieren sie sich noch heute.

Acht Fässer Bier ausgetrunken

Am 25. Mai 1995 war es dann so weit. Die Buschmühle öffnete zum ersten Mal ihre Pforten. Es war ein Himmelfahrtstag mit bombastischem Wetter. Weit über 1 000 Gäste zog es zu dem idyllischen Lokal am Buschmühlenteich. „Wir hatten einen zweieinhalb Zentner schwere Ochsen am Spieß, der war in drei Stunden weg. Wir selber bekamen gar nichts davon ab“, kann Waltraud Kopte noch heute diesen Ansturm kaum fassen. Acht Fässer Bier tranken die Gäste schon bis Mittag leer. Ein Auftakt nach Maß.

Jahr für Jahr festigte sich das Unternehmen. Das entstehende benachbarte Gewerbegebiet und die Autobahn waren dabei Pluspunkte. Hauptsächlichst Bauarbeiter buchten die acht Pensionszimmer, der erste Urlaubsgast meldete sich einen Tag nach der Eröffnung. Der Kieler, der seine Jugend in Bretnig verbrachte, kommt seither jedes Jahr in die Buschmühle. So wie beispielsweise auch Gretel und Horst, die sich einst in der Buschmühle kennen lernten und dort inzwischen Goldene Hochzeit feierten.

In den zurückliegenden zehn Jahren hat sich aber auch einiges verändert. Jetzt nächtigen vorwiegend Urlauber in der Pension. Die Gäste kommen nicht mehr nur aus der unmittelbaren Umgebung. Aus Dresden, Hoyerswerda, Senftenberg, Riesa-Großenhain, der Bautzner Ecke, auch aus Löbau-Zittau und der Sächsischen Schweiz reisen sie an. „Wir haben sehr viel Senioren im Haus, die Fahrten mit Reiseunternehmen machen.“ Wem es gefalle, der nehme Prospekte mit und komme später mit Familie wieder. „Wir leben von der Mundpropaganda“, wissen die Wirtsleute. Und auch baulich hat sich seit der Eröffnung einiges getan. Ein großer Biergarten lädt zum Verweilen an den Uferterrassen ein. Wer gern aktiv ist, kann gondeln oder Tretboot fahren. 1999 kam ein zweiter Gastraum dazu, 2000 ein zweites Bauern-Stüb’l als Frühstückszimmer. Denn der Platz für die zahlreichen Gäste und vielen Gesellschaften im Restaurant reichte einfach nicht mehr. Seit 1997 gibt es ein Geschenke-Stüb’l in dem Erzgebirgisches Kunsthandwerk, Keramik, Schmuck und beispielsweise auch der hauseigene Kräuterlikör „Buschmüller“ angeboten werden.

Ruhetage gibt es nicht

Das Geschäft ist hart. Ohne Ruhetage. Koptes waren schon zwölf Jahre nicht mehr im Urlaub. „Deshalb haben wir ein geordnetes Leben eingeführt.“ Wochentags und sonntags schließt die Gaststätte 22 Uhr, zwei Stunden vorher ist Küchenschluss. Das habe seinen Grund. Feierabend sei fürs Personal dann aber nicht. Schließlich müsse zwei bis drei Stunden die Küche geputzt werden. „Das wissen viele nicht.“

Gemeinsam mit neun Angestellten schmeißen die Wirtsleute den Laden. „Davon sind drei so wie wir schon zehn Jahre dabei“, verrät die Chefin. Lehrlinge – meist im Servicebereich – gehörten regelmäßig dazu. Fünf Jahre wollen die Wirtsleute noch arbeiten. „Es können auch sechs werden“, scherzt Karl-Heinz Kopte. Vorausgesetzt man bleibe gesund, denn „einer allein schafft das nicht“. Wer nach Koptes die Buschmühle weiterführen wird, steht noch in den Sternen. Weiter geht es auf jeden Fall. Und zwar geordnet, betont der Wirt. „Interessenten gibt es schon heute.“