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Idylle mit Hindernissen

Wenn einer die Geschichte der Neu-Naunhofer kennt, dann ist es Frank Klengel. Der 46-jährige Elektroingenieur hat jüngst zur 725-Jahrfeier des Ortes eine kleine Präsentation des Wohngebietes Am Park erarbeitet.

Wenn einer die Geschichte der Neu-Naunhofer kennt, dann ist es Frank Klengel. Der 46-jährige Elektroingenieur hat jüngst zur 725-Jahrfeier des Ortes eine kleine Präsentation des Wohngebietes Am Park erarbeitet. Seit 1995 leben 64 Erwachsene und 28 Kinder hier. 30 Eigenheime wurden von Dresdnern, Coswigern oder Großenhainern gebaut. „Von denen, die Arbeit haben, arbeiten 95 Prozent in Dresden“, weiß Frank Klengel. Auch er ist einer von denen, die allmorgendlich Richtung Elbmetropole fahren und abends zum Schlafen wieder nach Hause kommen.

Die Klengels, „die vom Holzhaus“, freuen sich, wie schön man auf dem Lande wohnt – sie sehen aber auch die sich verschlechternde Infrastruktur, von Einkaufen über Kinderarzt bis hin zum Freizeitsport.
Die Klengels, „die vom Holzhaus“, freuen sich, wie schön man auf dem Lande wohnt – sie sehen aber auch die sich verschlechternde Infrastruktur, von Einkaufen über Kinderarzt bis hin zum Freizeitsport.

Der gebürtige Radeberger wollte bauen, als er seine Frau Grit kennenlernte. Er wollte nicht mehr im Wohnblock wohnen. Ein schmuckes Holzblockhaus eines finnischen Anbieters ist jetzt sein Zuhause. Vis a vis zum Naunhofer Park mit seinen Teichen. Das Grundstück der Klengels ist selbst üppig grün. In seiner Präsentation zeigt der Naunhofer Fotos: Da war alles noch Feld.

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Wie ist es den Zuzüglern ergangen? Sind sie Dörfler geworden? Werden sie im Ort akzeptiert oder bleiben sie Fremde? Ist aus der Landlust etwa Landfrust geworden? Frank Klengel sieht tatsächlich viele Dinge mittlerweile sehr kritisch. „Als wir herzogen, gab es noch einen Bäcker, den Miniladen und die Poststelle“, erzählt er.

Dass man ohne Auto aufgeschmissen ist, war allerdings von vornherein klar. „Die meisten haben hier zwei Autos“, sagt Frank Klengel. Doch die Kinder sind auf die Busse angewiesen. Die Verbindungen seien schwierig. Wäre es nach Klengel gegangen, hätte man die Lauterbacher Schule nicht abgerissen.

Dem Naunhofer zufolge wird die Infrastruktur insgesamt schlechter. Zum Kinderarzt muss die Familie bis Kalkreuth fahren. Das Einkaufen wird zum Problem. „Was ist in 20 Jahren, wenn wir Rentner sind?“ fragt der Naunhofer. „Kaufen wir dann nur noch im Internet ein?“ Die Zentralisation sei auch im Freizeitsport sichtbar. Viele fahren nach Ebersbach. Klengel: „In Naunhof ist der Sportplatz eine Wiese mit zwei rostigen Toren.“ Am Spielplatz im Wohngebiet müsste endlich was gemacht werden. „Ich habe das Gefühl, wir hängen in der Gemeinde hintendran“, so Klengel.

Wirkliche Dörfler sind die Neu-Naunhofer nicht geworden. Aus ihrem eigenen Empfinden heraus. „Wir am Park halten Tiere als Haustiere, die Alteingesessenen halten sie zum Schlachten“, nennt Frank Klengel einen Unterschied. Auch von den Einheimischen werden die Zugezogenen als in Dresden-Arbeitende gesehen. Doch die Allerwenigsten arbeiten selbst im Ort. Grit Klengel fährt immerhin nur bis Großdittmannsdorf. Einige im Wohngebiet sind schon Rentner. Viele haben Kinder. „In den neuen Häusern wohnt das Frischblut Naunhofs“, scherzt Frank Klengel. Deshalb haben die Zugezogenen auch das Kindervogelschießen wiederbelegt und stellen oft den Kinderschützenkönig.

Im Alltag sieht man sich kaum

Ja, im Schützenverein spielen die Unterschiede kaum eine Rolle. Auch Neu-Naunhofer sind dort integriert. Das ist neben den Kindern die Verbindungslinie zu den Alteingesessenen. Doch im Alltag sieht man sich kaum, selbst unter den eigenen Nachbarn nicht. Deshalb gibt es einmal im Jahr ein Straßenfest am Park.

Manchmal bleiben die Klengels, „die vom Holzhaus“, aber außer der Reihe abends auf ein Bier beim Nachbarn hängen. Dann freut man sich daran, wie schön man wohnt. Und wie gut es die Kinder auf dem Dorf haben. Wieder wegziehen – nein, das kommt doch nicht infrage.