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IG Mahnmal erinnert an Großenhainer im Lager Mühlberg

In der Friedensdekade der Großenhainer Marienkirche wird vom 10. bis 20. November auch der Umgang mit Opfern der Vergangenheit thematisiert.

„Solidarisch?“ ist das Thema eines Gemeindeabends am 12. November in der Großenhainer Marienkirche. Innerhalb der Friedensdekade vom 10. bis 20. November wird an diesem Abend der Umgang mit der Geschichte im Kirchenbezirk und den Opfern und Nachfahren politischer Gewaltherrschaft thematisiert. Bewahren, nicht verdrängen – sagt die IG Mahnmal Marienkirche und stellt sich an diesem Abend vor. Außer diesem Vortrag findet eine Führung durch die Ausstellung „Lager zweier Diktaturen“ mit der Gedenkstättenlehrerin Gudrun Andrich aus Liebenwerda/Brandenburg statt. In anschließenden Gesprächen sind Hinweise und fruchtbringende Gedanken willkommen. Die Ausstellung zum Kriegsgefangenenlager und Speziallager des sowjetischen NKWD Mühlberg/Elbe ist außerdem täglich von 9 bis 18 Uhr zu besichtigen, letztmalig am 24. November, dem Totensonntag. Die Ausstellung dokumentiert auf 13 Rolldisplays und 12 Schautafeln neben dem historischen Hintergrund Informationen zur Entstehungsgeschichte beider Lager. Zeitzeugenberichte veranschaulichen die Besonderheiten im Lageralltag. Anhand von Modellen werden Größe und Aussehen des Lagergeländes, der Baracken und des Lagertores gezeigt. In einer Vitrine sind Fundstücke aus der Zeit des Bestehens der Lager.

18 Transporte mit 320 Großenhainern

Eine Förderung durch den Landkreis Elbe-Elster im Rahmen des Bundesprogramms „Vielfalt tut gut“ ermöglichte die Entstehung der Ausstellung. Außerdem unterstützten dieses Projekt die Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V. und die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain sowie das Elsterschloss-Gymnasium Elsterwerda.

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Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte die deutsche Wehrmacht in der Nähe des Bahnhofes Neuburxsdorf, an der Grenze zum ehemaligen Kreis Großenhain, auf circa 30 Hektar das Mannschafts-Stammlager für Kriegsgefangene errichtet. Etwa 240 000 Kriegsgefangene aus 33 Nationen durchliefen dieses Lager. Unter den rund 3 000 Verstorbenen befanden sich circa 2600 sowjetische Soldaten.

Am 23. April 1945 befreite die Rote Armee das Kriegsgefangenenlager. Diese nutzte es jedoch weiterhin als Durchgangslager zur Rückführung von sowjetischen Kriegsgefangenen, Ostarbeitern sowie Angehörigen der russischen Befreiungsarmee unter General Wlassow, welche auf deutscher Seite gekämpft hatten. Diese „Feiglinge, Vaterlandsverräter und Feindunterstützer“ erwartete ein hartes Schicksal, in der Regel im GULAG oder gar der Tod.

Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 errichteten die sowjetische Besatzungsmacht bzw. deren Geheimpolizei NKWD mindestens zehn oder 12 sogenannte Speziallager (Stalin-KZ) zur Internierung von verhafteten Zivilpersonen, die den Besatzern gefährlich erschienen oder unliebsam waren. Weiter genutzt wurden auch z. B. die NS-Konzentrationslager Buchenwald, Jamlitz und Sachsenhausen. Aus dem Kirchenbezirk Großenhain waren bereits vom Mai bis September etliche Sammeltransporte mit Hunderten Inhaftierten in die NKWD-Speziallager Bautzen bzw. Tost/Oberschlesien gebracht worden.

Mit der Eröffnung des NKWD-Speziallagers Mühlberg gingen ab September 1945 bis September 1946 18 Transporte mit 320 Personen von Großenhain in dieses Lager. Die große Mehrheit dieser Zivilinternierten fiel nicht unter das Potsdamer Abkommen, sondern es handelte sich um Minderbelastete, Mitläufer und Garnichtbelastete. Alle wurden festgenommen ohne Haftbefehl, ohne Gerichtsverfahren, ohne Verteidigung, ohne Schuldfeststellung und ohne Verurteilung. Die Verhaftungspraxis in der Sowjetischen Besatzungszone war von grenzenloser Willkür gekennzeichnet und unterschied sich fundamental von derjenigen in den westlichen Besatzungszonen. Nur etwa 150 der mehr als 21 800 Inhaftierten des Lagers Mühlberg erhielten ein Urteil. Umerziehung war nicht vorgesehen. Die Angehörigen wussten nichts vom Verbleib der Häftlinge oder deren Tod. 1946/1947 deportierte man 4 000 Menschen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion, von wo die Letzten erst 1952 entlassen wurden. Bei der Lagerauflösung 1948 waren über 6 700 Personen gestorben, 3611 wurden in das Speziallager Buchenwald verschleppt und die anderen entlassen. Nach der Auflösung des Lagers Buchenwald 1950 übergaben die Sowjets etwa 3 000 Internierte an die DDR-Justiz, welche sie in den Waldheimer Schauprozessen verurteilte. Nach dem Ende der SED-Herrschaft gründete sich 1990 die Initiativgruppe Lager Mühlberg. Diese schuf auf dem ehemaligen Lagergelände eine Gedenkstätte, in der Veranstaltungen stattfinden. Der Landkreis Elbe-Elster stellte eine Gedenkstättenlehrerin an. Gudrun Andrich erarbeitete diese Ausstellung mit Schülern des Elstergymnasiums Elsterwerda. (SZ)

12. November, 19.30 Uhr Marienkirche Großenhain.