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Wirtschaft

IG Metall will die 35-Stunden-Woche im Osten

Vor dem nächsten Tarifkonflikt wird klar: Die Belegschaften wollen endlich die gleichen Arbeitszeiten wie im Westen.

In Sachsen zählen zur Branche mehr als 1.700 Betriebe mit rund 185.000 Beschäftigten
In Sachsen zählen zur Branche mehr als 1.700 Betriebe mit rund 185.000 Beschäftigten © dpa-Zentralbild

Von Sven Heitkamp

Die IG Metall in Sachsen, Brandenburg und Berlin will in der kommenden Tarifrunde vor allem klare Signale für eine 35-Stunden-Woche erreichen. „Die Angleichung der Arbeitszeit hat in unserem Bezirk höchste Priorität“, sagte IG Metall-Bezirksleiter Stefan Schaumburg am Donnerstag in Leipzig. 30 Jahre nach der Einheit sei die Angleichung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Osten überfällig. Die Belegschaften im Osten seien es leid, dass sie umgerechnet einen Monat im Jahr mehr arbeiten müssten als Kollegen im Westen, betonte Carmen Bahlo vom Betriebsrat bei ZF Getriebe in Brandenburg. „Sie haben für ihr Leben genug vorgearbeitet.“

Erste Unternehmen mit einer kürzeren Arbeitszeit und einer 37-Stunden-Woche erwartet die IG Metall bereits ab Juli. Insgesamt dürfte die Anpassung nach Schätzungen der Gewerkschafter aber zehn Jahre dauern. Zugleich wurde die Kündigung der Entgelttarifverträge beschlossen – damit stehen die Zeichen auf harte Tarifauseinandersetzungen. Allerdings gilt noch bis 28. April eine Friedenspflicht. Eine Forderung für mögliche Gehaltserhöhungen nannte Schaumburg indes noch nicht.

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Solidarität von West-Kollegen

Die regionalen Tarifkommissionen der IG Metall haben am Donnerstag bundesweit über ihre Forderungen beraten. In Sachsen zählen zur Branche mehr als 1.700 Betriebe mit rund 185.000 Beschäftigten, darunter große Firmen des Maschinenbaus und der Automobilbranche wie VW, BMW und Porsche. Die Tarifverträge gelten für ein Drittel der Belegschaften. Viele weitere Firmen orientieren sich zudem an den Abschlüssen, betonte die IG Metall. Sie hat etwa 86.000 Mitglieder in Sachsen.

Bereits am 14. März ist ein Tarifauftakt für die Metallerinnen und Metaller in Berlin, Brandenburg und Sachsen mit mehr als 1.000 Teilnehmern geplant. Auch IG-Metall-Bundeschef Jörg Hofmann wird erwartet. „Damit setzen wir ein erstes großes Zeichen der Stärke und Entschlossenheit“, betonte der Leipziger IG-Metall-Chef Bernd Kruppa. „Unsere Kolleginnen und Kollegen sind konfliktfähig“, sagt der Betriebsratschef bei BMW Leipzig, Jens Köhler. Die Solidarität der Belegschaften im Westen sei groß, da ihnen die schlechteren Bedingungen im Osten stets als Spiegelbild vorgehalten würden.

Klar ist beiden Seiten: Der Klimawandel und der Trend zum E-Auto, der Druck aus China und den USA und die weitere Automatisierung der Produktion mit Robotern und Künstlicher Intelligenz führen in der Autobranche zu großen Veränderungen.