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Ihr geht es wieder richtig gut

Die Chansonette DoritGäbler tourt wieder erfolgreich durchs Land, lässt sich nicht unterkriegen und wohnt immer noch in Friedewald.

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Von Lars Müller

Vor wenigen Tagen feierte Dorit Gäbler mit dem Programm „Starke Frauen“ in Dresden Premiere. „Erfolgreich war es“, sagt sie erleichtert. Wenn die Chansonette starke Frauen in Songs und Storys auf die Bühne stellt, weiß sie genau, was sie tut. Denn ein Heimchen am Herd war die Gäbler selbst auch nie.

Künstlerin managt sich selbst

Vom umjubelten Star der DDR-Kulturszene ist die Künstlerin zur Geschäftsfrau avanciert, die tagsüber von ihrem Haus in Friedewald aus sich selbst managt und das Gesamtkunstwerk „Dorit Gäbler“ vermarktet. Inzwischen ist sie längst Expertin in Buchführung, Dank schmerzlicher Erfahrungen mit den Finanzbehörden. Sie hatte eine offenen Steuerforderung von 40 000 Euro. Ihr Haus in Friedewald schien in Gefahr. Gerüchte vom drohenden Zwangsverkauf machten die Runde.

Missverständnisse und Fehler ihrer Steuerberater hätten zu den Nachforderungen geführt, die inzwischen aber beglichen seien. Dorit Gäbler ärgert sich, dass sie als Künstlerin immer in einem Atemzug mit der Insolvenz der Dresdner Promi-Kneipe „Linie 6“ genannt wird, die ihr Ehemann Karl-Heinz Bellmann führte. Eine Borreliose-Infektion nach Zeckenbissen und die Firmenpleite haben Bellmann aus der Bahn geworfen. „Darunter hat auch unsere Ehe gelitten“, gibt Dorit Gäbler zu. Doch die Liebe war größer, sie sind noch immer liiert.

Bellmann habe inzwischen Pläne für einen Neuanfang. „Noch kann ich aber nichts konkret dazu sagen“, so die Künstlerin. Die Insolvenz ihres Mannes hat Dorit Gäbler neue Nachbarn beschert. Hinter ihrem geliebten Walnussbaum ist ein Neubau in den Himmel gewachsen. „Das war alles mal mein Grundstück, zwangsversteigert“, sagt die Künstlerin. „Die neuen Nachbarn sind aber sehr nette Leute.“ Das Wohnhaus blieb ihr.

Seit 1981 wohnt Dorit Gäbler in Friedewald, gemeinsam mit ihrem Mann haben sie das Haus im Grünen umgebaut und vergrößert. Im Garten haben sie einen kleinen Pool angelegt. Ansonsten lässt die Künstlerin der Natur viel freien Lauf. Prächtiger Fingerhut entfaltet sich, üppiges Grün sorgt für Sicht- und Windschutz. Die Gartenarbeit erledigt die Chansonette selbst, auch die Fassade hat sie schon gestrichen. Überhaupt tritt sie daheim als patente Haus- und Geschäftsfrau auf. Putzt, kocht und bringt die Pakete mit den CDs für ihre Fans selbst zur Post. Als der Fotograf an der Tür klingelt, setzt sie das Interview vorm Spiegelschrank im Badezimmer fort, auch ganz unkompliziert.

Aus allerlei Töpfchen schminkt sie sich viele Jahre jünger. Inzwischen braucht sie zwar ein gutes halbes Stündchen dafür, aber jeder Lidstrich sitzt auf Anhieb perfekt und das Ergebnis sorgt für ein bühnenreifes Strahlen. Ihr genaues Alter? Darüber möchte die im vogtländischen Plauen geborene Künstlerin nicht gern reden. Sie ist 62. Mit Hingabe erzählt sie von vergangenen Tagen. „Höhepunkte waren die Moderationen der TV-Galas „Ein Kessel Buntes“. Und die Auftritte in Ländern, die für normale DDR-Bürger damals ein Traum waren. Ja, auch Fehler habe sie in ihrem Leben gemacht, die sie bedauere. Darüber reden? „Nicht mehr.“ Wieder der Blick voraus: Im kommenden Jahr ist eine Theatertournee mit Wolfgang Lippert und Herbert Köfer geplant. Mit ihren Programmen ist sie gut gebucht, schrubbt zwischen den Auftritten jährlich 70 000 Kilometer in ihrem Mondeo mit Automatik. Sie lernt, probt und entspannt während der Autobahnfahrten. Mal frech und erotisch, mal philosophisch – die Diva ist vielseitiger denn je, interpretiert die Knef und die Dietrich und bleibt dabei doch immer die Gäbler. „Mir geht es derzeit richtig gut“, sagt sie.

Dabei stopft sie mit den Gagen oftmals nur Löcher, die sich etwa durch vorfinanzierte CD-Produktionen oder Saalmieten auftun. Denkt sie ans Aufhören? „Die nächsten fünf Jahre sicher nicht.“ Beim Thema Heimat wird Dorit Gäbler nachdenklich. „Sicherlich habe ich meine Wurzel im Vogtland“, sagt sie. Richtige Heimat sei aber neben Friedewald schon eher Berlin. „Ich habe noch immer die berühmten zwei Koffer in Berlin“, sagt Dorit Gäbler und meint eine kleine Zweitwohnung.

Stolz auf Peggy und Peter

Tochter Peggy studiert in der Hauptstadt Marketing, ist in der FDP und will in die Politik. Eine Karriere als Springreiterin gab sie aus finanziellen Gründen auf, erzählt ihre Mutter. Auf die beiden Kinder – Sohn Peter ist Anwalt in Dresden – ist die Künstlerin besonders stolz. Für die Großmutter-Rolle sei sie allerdings noch nicht bereit. Bisher haben Peggy und Peter aber auch noch gar keine eigenen Familien gegründet.