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„Ihr kommt doch nur wieder, wenn Ihr hier Arbeit findet“

Der Stadtbauchef erzählt Schülern, wie er heute an ihren künftigen Arbeitsplätzen arbeitet.

© Anne Hübschmann

Von Birgit Ulbricht

Niemand hatte eine Frage an Stadtbaudirektor Tilo Hönicke. Die Zwölfer von Lehrerin Gisela Pohlan saßen nach seinem mehr als einstündigen Vortrag über Stadtentwicklung erst mal wie geplättet im Rathaussaal. Vielleicht wollten sie die Fülle der Fakten auch erst einmal setzenlassen. Für Tilo Hönicke, der diese besonderen Gesprächsrunden schon ein paar Jahre macht, auch ein Novum, aber eines, das er locker nimmt. „Ach Frau Pohlan,“ sagte er an die Pädagogin gewandt, „die haben jetzt so viel im Kopf: Erst ihr Abi, dann überlegen, ob sie ein Jahr weggehen. Einen Studienplatz finden und dann vielleicht bedenken, ob man doch noch mal wechselt. Und irgendwann fällt ihnen doch auf, dass Großenhain eigentlich gar nicht so schlecht war.“ Er habe jedenfalls in dem Alter seine Perspektive auch nicht in Großenhain gesehen. Und genau darum ging es ihm letztlich: jetzt ein kleines Samenkorn anzulegen, das möglicherweise irgendwann aufgeht. Sprich: der junge Mann, die junge Frau zurückkommt. Und dass die Stadt dafür alles tut, damit hier Jobs entstehen, für die es sich lohnt, zurückzukommen oder gleich zu bleiben – das legte Tilo Hönicke in seinem Exkurs logisch und elegant dar.

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Keine Frage, dass da der geplante Industriepark Flugplatz ganz oben bei allen Argumenten stand. 230 Hektar belastete Militärfläche, die für die nächsten Generationen Arbeitsplätze bringen soll. „Ihr müsst Euch vorstellen, da sind riesige Kerosinseen, die auf den Grundwasserschichten schwimmen. Aber, die bleiben nicht einfach, wo sie sind, die wandern. Das ist eine permanente Gefahr unter der Stadt. Wir hätten das als Stadt nie entsorgen können – und jetzt hat der Freistaat gesagt, gut wir bezahlen das.“ Die fast unvorstellbare Summe von 70 Millionen Euro für dieses Vorhaben nannte Hönicke und – auch richtig – den Vergleich gebracht, dass täglich landwirtschaftliche Flächen von vier Fußballfeldern in Sachsen versiegelt werden. Das könne man doch nicht so weitertreiben.

Also muss man Flächen nutzen, die schon vorbelastet sind. Und dass die Firmen am Flugplatz auf 70 Hektar schon heute der Stadt ein Drittel der Gewerbesteuern einbringen, sollte einen Vorgeschmack geben, was da vielleicht bei 230 Hektar noch drin ist in der Zukunft. Was man wiederum mit Steuern alles Schönes machen kann, stellte Hönicke umfänglich dar: die vielen Sportstätten, allen voran dem Husarenpark, zu dem es am 29. April sogar ein überregionales Symposium gibt, weil die Umgestaltung einer einstigen Militärfläche zum Sportpark einzigartig gut gelaufen ist. Straßen, Parks, Kindergärten, Schulen, natürlich die Jugendklubs und Dorftreffs, Feuerwehren. Die vielen Schandflecke, die schon verschwunden sind. Und welche Stadt kann von sich behaupten, dass sie alle Sporteinrichtungen, Schulen und Kindergärten saniert hat? Die Bausummen purzelten da nur so. Natürlich vergaß Tilo Hönicke nicht, darzustellen, was der Tornado alles mit sich gerissen hat – und dass wirklich alles erneuert, aufgebaut und saniert ist. Deshalb präsentiert man sich ja auch zum Tag der Sachsen, um all den Helfern im Land zu danken. Da mitzumachen waren die jungen Leute genauso aufgefordert, wie sich im Alltag irgendwo einzubringen. Und irgendwann stellen sie dann vielleicht doch fest, dass Großenhain gar nicht so schlecht war. Dass man hier Leute kennt und ganz gut leben kann. So jedenfalls die Hoffnung des Stadtbaudirektors. Denn, wie sagte er doch: „Ihr seid die Generation, die das alles fortführen soll.“